25 Jahre AA: Achtung, Abenteuer! Unvergessliche Geschichten aus dem Redaktionsalltag

Sibylle Klepzig schläft in dieser Behausung mutterseelenallein im Wald. Gruselig.
 
Ines Heyer gibt alles auf dem Mountainbike im Besucherbergwerk Kamsdorf.
 
Andreas Abendroth (links) begleitet die Schweizer Flugzeugcrew beim Rückflug mit der JU 52.

Ein Journalist versteckt sich hinter Laptop und Kamera? Von wegen. Manchmal ist ganzer Körpereinsatz gefragt. AA-Redakteure erzählen ihre kuriosesten und emotionalsten Erlebnisse.

Sibylle Klepzig nachts im Wald
"Was tun ohne Wasser, Feuer und Unterkunft? In einem Camp mitten in Thüringen habe ich das Überleben ein Wochenende lang trainiert. Rein dienstlich kochte ich Brennnessel-Suppe, sammelte Tautropfen, malträtierte Feuerstein und Eisen bis zum Funkenschlag. Mit drei Mitstreitern baute ich im Unterholz eine Schutzbehausung aus Ästen, Reisig, Laub und Fichtenmulch. Doch Überlebenswillen hin oder her: Keiner der gestandenen Mannsbilder wollte darin übernachten. Also kroch ich in unsere "Hütte". Mutterseelenallein im Fichtenwald. Angst hatte ich nicht etwa vor Wildschweinen oder Bösewichten, nein. Weitaus bedrohlicher erschienen mir die winzigen Spinnen und Käfer. Doch ich habe überlebt. Und sollte einmal mein Kanu in der Wildnis von Kanada kentern, bin ich bereit."

Ines Heyer unter Tage
„Die Herausforderung wartete viele Meter unter der Erde. Mountainbike-Guide Lucas Rham nahm mich mit auf seine Tour durch das Besucherbergwerk Kamsdorf. Mit dem Mountainbike ging es durch sehr lange, teilweise nur 80 Zentimeter schmale oder auch sehr niedrige Stollen immer tiefer in den Berg hinein. Meiner Balance auf dem Rad und der Kondition wurde dabei viel abverlangt. Als wir eine große Halle in absoluter Dunkelheit befuhren – nur das Licht der Helmlampe diente als Orientierung – überkam mich ein unheimliches Gefühl. Doch für Angst war keine Zeit, ich musste immer hochkonzentriert weiterfahren: kurvenreiche Abfahrten in tiefere Sohlen oder steile Anstiege, über Schotterpisten, durch stehendes Wasser und schmale Stollen. Dank der sicher zugerufenen Fahrkommandos von Lucas Rham kam ich überall gut durch. Nach drei Stunden erreichten wir die letzte Auffahrt – für mich eindeutig zu steil. Langsam schob ich mein Rad hinauf zum Ausgang. Ich, die Hobbyradlerin, war stolz, dass ich das durchgehalten hatte.“

Emanuel Beer hart am Wind
„2007 berichtete ich für den Allgemeinen Anzeiger vom America’s Cup, dem Segelereignis der Superlative. Im spanischen Valencia kämpften zwölf Teams um die älteste Sporttrophäe der Welt – mit Thüringer Beteiligung. Denn ein wichtiges Teil der Hightechyacht des Herausforderers BMW Oracle fertigten Ingenieure in Eisenach. Der emotionalste Moment für mich: Zum sogenannten „Ausdocken“ marschieren die Segler in ihren schneeweißen Jacken wie Gladiatoren auf die Yacht. Skipper Chris Dickson mit grimmiger Miene als Letzter, bis an die Zähne bewaffnet mit Ehrgeiz. Unter tosendem Applaus zieht ein Boot die Yacht aufs Meer, bereit zum Kampf gegen Wind, Wellen, den Gegner und vor allem sich selbst. Aus den Boxen im Hafen wummert U2s „Vertigo“. So viel erdrückender Pathos, aber trotzdem hatte ich Gänsehaut.“

Jana Scheiding als Tänzerin
„Es war eine Weihnachtsaktion, die mir einen der emotionalsten Momente beim Allgemeinen Anzeiger bescherte. Im Jahr 2006 forderte ich die Gothaer Karnevalsgemeinschaft (GKG) zu einer Wette heraus: Sie würde es nicht schaffen, das Lied "Lasst uns froh und munter sein" als Rapp zu vertonen. Falls doch, würde ich mit der Damengarde der GKG zu einer Festsitzung tanzen. In der Zeitung kündigte ich die Austragung der Wette für den 6. Dezember an. Schon eine Stunde vorm Termin klopfte das Herz: Würden wenigstens 50 neugierige Leute kommen? Plötzlich füllte sich der Gothaer Hauptmarkt mit Menschen. Und als es soweit war, sah man auf dem Platz nur noch Köpfe - ein überwältigender Anblick. Punkt 18 Uhr öffnete sich der Vorhang und die Jungs von der GKG rappten tatsächlich das Weihnachtslied. Das Volk jubelte und klatschte. Der Verein hatte die Wette haushoch gewonnen - und ich musste tanzen gehen. Meinen Auftritt hatte ich dann nach acht Wochen Probe in der Stadthalle von Gotha. Es war schön, auf der Bühne zu stehen und den Applaus zu genießen, denn der Elferrat hatte mich sehr charmant angekündigt und meinen Mut gewürdigt.“

Peter Schindler allein unter Frauen

„Im März 2012 kam wieder einmal das Mammobil nach Heilbad Heiligenstadt , um per Mammographie-Screening bei Frauen im Alter zwischen 50 und 70 Jahren Röntgenuntersuchungen zur Früherkennung von Brustkrebs durchzuführen. Ich hatte mich mit Dr. Jörg Buse, Facharzt für Diagnostische Radiologie, direkt vor Ort zu einem Interview verabredet. Leider verspätete er sich um etwa dreißig Minuten. Da es draußen bitterkalt und ungemütlich war, saß ich nun als einziger Mann zwischen einem halben Dutzend Frauen, die auf ihre Brustuntersuchung warteten. Sämtliche Gespräche waren verstummt, alle starrten mich mehr oder minder fragend – manche sogar beinahe feindselig – an. Die Botschaft fiel ganz klar aus, ich war ein Fremdkörper und gehörte hier definitiv nicht hin. Es wurden sehr, sehr lange dreißig Minuten…“

Gerd Zeuner im Zirkus
„Eigentlich wollte ich nur über ein Zirkus-Gastspiel in unserer Stadt berichten, als ich für zwei Jahren plötzlich selbst ins Rampenlicht geriet. Die Vorstellung war gut besucht. Für die nächste Nummer suchte der Clown Freiwillige aus dem Publikum. Natürlich meldete sich niemand. Also kam er direkt auf mich zu. Alles Protestieren half nichts, unter dem Beifall des Publikums nahm ich auf dem Stuhl in der Manege Platz. Der Clown verpasste mir einen Damenhut und eine Zeitung – wenigstens das – und holte noch drei weitere Männer. Die stattete er mit Perücken, Staubsaugern und weiteren Utensilien aus. Nach einigen Späßchen erklang „I Want To Break Free“ von Queen und wir sollten das Musikvideo nachspielen. In diesem hatten Freddy Mercury und seine Mannen einst eine Hausfrauenszene persifliert. Was bei Queen gekonnt daherkam, wirkte bei uns einfach nur peinlich. Das war aber so gewollt und das Publikum spendete gnädigen Applaus. Nach der Nummer habe ich mich schnell wieder hinter Stift und Kamera zurückgezogen!“

Wolfgang Rewicki im Geschwindigkeitsrausch
„Der sprichwörtlich gewordene „rasende Reporter“ wird immer etwas mehr erfahren. Ich hatte in jüngster Zeit gleich drei Möglichkeiten, rasend unterwegs zu sein. Zum einen als Mitfahrer im Panzer auf einem Schießplatz bei Gotha, später als Fluggast in einem Gyrocopter, einem in Obermehler gestarteten Ultraleichtflieger, und zuletzt bei der Wartburg-Rallye. Als Otto Normalautofahrer erlebte ich neben einem Rallyepiloten auf einer Wertungsstrecke, was schnell fahren eigentlich bedeutet. Es bedeutete in dem Fall, fest angeschnallt und mit Helm und feuerfestem Overall ausgestattet, mit 150 bis 175 Sachen auf einer gut fünf Kilometer langen schmalen, kurvenreichen Strecke durch ein Waldgebiet zu brettern. Und auch noch heil anzukommen. Danach ging‘s sehr viel gemächlicher wieder ins Büro an den Schreibtisch. www.meinanzeiger.de/eisenach/sport/das-gehirn-sitzt-rechts-d52254.html Foto: Katharina Mauer

Andreas Abendroth am Himmel
„Mai 2010: In eine gute Story investiert man gern auch Freizeit. Dabei denke ich an den Überführungsflug einer Tante Ju 52 (Baujahr 1939) vom Flugplatz Arnstadt-Alkersleben zum Heimatflughafen „Air Force Center“ in Dübendorf nahe Zürich. Alles begann mit schwierigen Zollformalitäten, denn mein Pass musste nachträglich beim Schweizer Zoll eingereicht werden. Der Flug führte ja über die EU-Grenzen hinaus. Dann noch schnell den Chefredakteur anrufen, ein Tag Urlaub musste kurzfristig her. Jetzt konnte ich mit an Bord. Der eigentliche Flug dauerte rund drei Stunden und danach bin ich mit dem Bus wieder zurück in die Heimat gefahren. Das dauerte über 10 Stunden.... Das Ergebnis: Einmalige Fotos und eine tolle AA-Reportage. Ein einmaliges Erlebnis, welches ewig in der Erinnerung bleibt.“

Simone Schulter - ganz ohne Navi
Ein Jahr braucht man, um als Redakteur eine Region zu erkunden. Woher ich das weiß? Ich bin ganz schön herumgekommen für den Allgemeinen Anzeiger: Gera & Schmölln, Saalfeld & Rudolstadt. Selbst in Schleiz war ich unterwegs. Doch schwer war aller Anfang. Zumal wenn man eine Rechts-Links-Schwäche hat und den typische weiblichen Orientierungssinn. Deshalb denke ich noch mit Schrecken an einen meiner ersten Einsätze im Südthüringischen. An einem Freitag im Advent sollte ich Bäckermeister und ihre Stollen fotografieren. Es standen wohl zehn Geschäfte in 8 Orten auf meinen Fahrplan, zusammengestellt mit Kollegen und Landkarten. Das waren rund 130 Kilometer. Irgendwann saß ich völlig orientierungslos auf einem Feldweg fest, inmitten des ehemaligen Grenzstreifens. Zum Glück gab es damals wenigsten schon Handys. Ein Notruf nach Hause und ein freundlicher Bauer führten mich wieder auf den rechten Weg.
Seit zwei Jahren arbeite ich sozusagen „zu Hause“ in meiner Wahlheimat Jena und freue mich, auch für Weimar und das Weimarer Land verantwortlich zu sein. Hier kenne ich mich recht gut aus. Und wenn nicht, ein Navi gehört längst zur Grundausstattung meines Autos.
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