Ab Hundert wird’s schwierig

Thomas Jakob sammelt hauptsächlich Ansichtskarten. Doch inzwischen entdeckte er auch noch Bierkrüge, Kautabaktöpfe und Pressglas als Sammelobjekte.
Flohmarkt-Fan Thomas Jakob wurde durch Zufall zum Sammler von Ansichtskarten

Thomas Jakob ist ein Fuchs. Er weiß, dass eine Straßenansicht wertvoller ist als die von Kirche oder Schloss. Schließlich haben sich solche historischen Bauten in den letzten hundert Jahren kaum verändert. Straßen und Plätze jedoch haben heute oftmals ein völlig neues Gesicht. Durch reinen Zufall wurde der 43-jährige Informatikkaufmann zum profilierten Postkartensammler und der Flohmarkt sein Jagdrevier.

Irgendwann einmal hatte ihn sein Schwager mit auf einen Flohmarkt geschleppt. Doch die Militaria-Leidenschaft steckte ihn nicht an. Vielmehr begeisterte er sich für Mini-Trucks. Flohmärkte wurden zu Wochenendzielen. Biertrucks schärften seinen Jagdinstinkt und machten ihn bald zum Besitzer von über 800 Fahrzeugen. „Kurz nach der Jahrtausendwende haben sich manche Leute von den Dingern noch Häuser gebaut“, beschreibt Jakob den einstigen Sammlerwert seltener Brauerei-Miniaturen, die hunderte von Biersorten in die Welt hinaustrugen. Das Internet wurde mehr und mehr zur Tauschplattform, Kataloge gaben die Händler gleich selbst heraus. Inzwischen gibt es kaum noch neue Trucks, die Preise sind verfallen. Dennoch ist Thomas Jakob stolz auf seinen ersten „Rosenbräu-Truck“, der heute noch einer seiner wertvollsten ist.

Flohmärkte in Erfurt, Jena und Leipzig hatten eine gehörige Anziehungskraft. Hier erwachte in ihm eine neue Sammler-Liebe: Ansichtskarten. Alte Karten aus Wiehe und den Ortsteilen Garnbach und Hechendorf machten ihn neugierig. Er begann mit den preiswertesten. Wiehe gab’s einstellig, das war günstig. Heute weiß Jakob, dass echte Raritäten wie eine Vorläufer-Lithographie der Barbarossahöhle aus dem Jahr 1895 nicht unter 35 Euro zu haben ist. „Die Gestaltung der Karte, das Alter und der Postversand bestimmen den Preis“, weiß der Profi-Sammler, dessen älteste eine Glückwunschkarte „Zum Neuen Jahre“ von 1895 ist. Marke und Stempel machen sie noch kostbarer.

„Die ersten Hundert sind am einfachsten, dann wird’s schwierig“, berichtet Jakob, der seit 2005 insgesamt 300 Ansichtskarten aus Wiehe und Ortsteilen sowie 250 Karten aus der Kyffhäuser- und Unstrut-Region zusammentrug. Akribisch sind sie nach Motiven, Gebäuden, Straßen und Zeiten sortiert.

Wo die besten Flohmärkte oder Sammlerbörsen sind? – In Leipzig-Markkleeberg. Dort ist der größte Flohmarkt Deutschlands. Immer am letzten Wochenende im Monat. Klar, fährt Thomas Jakob dorthin. Ansonsten auch zum Nachtflohmarkt in die Erfurter Messehalle oder nach Dresden und Chemnitz. Und ganz nebenbei schaut er gleich noch nach altem Pressglas. Kinderkrüge, die es früher von 1890 bis Anfang der Dreißiger als Patengeschenk zur Einschulung gab, sind nämlich schon wieder eine neue Leidenschaft. Ach ja: und Kautabaktöpfe.
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