Abi nach Feierabend

„Es war kein Zuckerschlecken“, resümiert Katharina Adam. Doch sie ist stolz. In wenigen Tagen hat sie ihr Abi in der Tasche. Die Doppelbelastung von Beruf und Abendschule hat sich gelohnt.
Nordhausen: Kreisvolkshochschule |

Katharina Adam erwarb die Hochschulreife an der Kreisvolkshochschule Nordhausen

NORDHAUSEN. Die schriftlichen Prüfungen hat sie hinter sich. Nun kurzes Luftholen, dann stehen die mündlichen an. Wirtschaft & Recht sowie Physik, spätestens Mitte Juni hat Katharina Adam ihr Abi in der Tasche. Doch sie ist kein Teenie, der mit knapp 19 nun nach einer Studienrichtung sucht oder sich vielleicht erst noch „finden“ muss. Katharina Adam hat sich bereits gefunden, ist ausgebildete Industriekauffrau, steht seit 2009 als Buchhalterin ihren Mann bei einem Fensterhersteller in Bleicherode.

Doch das genügte der 23-Jährigen nicht. Die junge Frau aus Breitenworbis wollte mehr! „Irgendetwas hat mir gefehlt“, sagt sie heute. „Ich wollte nicht nur ewig Buchhalterin bleiben. Ich wollte mehr wissen.“

Im Internet stieß sie auf das Abi nach Feierabend. Die Volkshochschulen ihres Heimatkreises und des Landkreises Nordhausen boten es an. „Katha, mach es! Sonst machst Du es nie“, hatte ihr Kollegin Antje zugeredet. Katharina Adam entschied sich für das Abi in Nordhausen – und für jede Menge Stress nach ihrem Acht-Stunden-Arbeitstag. Denn von Montag bis Donnerstag bedeutete es, nach Feierabend noch die Schulbank zu drücken: bis 21.30 Uhr. Dann die Heimfahrt ins Eichsfeld. Von Hausaufgaben und häuslichen Pflichten ganz zu schweigen. Vom Wochenende blieb nur der Sonntag, denn auch samstags war die Kreisvolkshochschule im ersten Jahr sehr oft das Ziel. „Das war sehr hart. Kurz vor den Prüfungen hätte ich damals beinahe geschmissen“, erinnert sich Katharina knapp zwei Jahre später.

Nun hat sie es fast geschafft, ist froh und erleichtert. Rückblickend resümiert sie: „Man muss es sich gut überlegen, denn die Freizeit ist sehr beschnitten. Wenn man um 22 Uhr endlich zu Hause ist, ist man noch hellwach. Arzttermine, Behördengänge und Ähnliches sind sehr, sehr schwierig, eigentlich nur in den Ferien möglich. Wenn man durch Urlaub oder Krankheit fehlt, muss man die Lücken selbstständig schließen.“

„Es ist kein Zuckerschlecken. Für zielstrebige Leute ist es sehr schwer, ein sehr gutes Abi hinzulegen, wenn man voll arbeiten geht!“


Viel Unterstützung gaben ihr die Mutter und Windor-Geschäftsführer Wolfgang Trinczek, der viel Verständnis zeigte. „Trotz der vielen Entbehrungen bereue ich es nicht. Es hat mir viel Spaß gemacht. Besonders Französich und Geschichte, weil unsere Lehrerinnen Dede-Beatrice Henne, Karin Ströbele, Ilona Mertens und Andrea Schütz den Unterricht so interessant gestalteten“, erinnert sich die Fast-Abiturientin voller Freude.

Und wie geht es nun weiter? „Ich würde schon gern studieren. Doch vorher mache ich ein Auslandsjahr. Jetzt gibt’s nur noch eine Hürde, die Mündlichen.“ - Aber die schafft „Katha“ auch noch!

Infos:
Kreisvolkshochschule Nordhausen, Telefon 03631-60910
www.vhs-nordhausen.de
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