„Bleiwüsten mag ich gar nicht“

Dr. Klaus Zeh mit privater und dienstlicher Lektüre. Lesen spielt nimmt in seinem Leben eine große Rolle.
Dr. Klaus Zeh ist begeistert von Harry Potter und Tellkamps „Der Turm“

NORDHAUSEN. Nordhausens Oberbürgermeister Dr. Klaus Zeh outete sich in einer AA-Umfrage als große Leseratte. Reisebeschreibungen, Historienromane und die Klassiker stehen hoch in seiner Gunst, aber auch Kinderbüchern verschließt er sich nicht. Schließlich lieben es seine vier Enkel, wenn der Opa ihnen vorliest. Für welche Bücher wünscht er sich im neuen Jahr Zeit zum Lesen und was ist seine Pflichtlektüre? Redakteurin Heidrun Fischer hakte nach.

Dr. Zeh, hat sich Ihr Weihnachtswunsch nach einem guten Buch erfüllt?
- Ja ich habe drei Bücher bekommen: "Wenn ich nicht mehr bin", "Die Schleife an Stalins Bart" und "Der Turm". Beim ersten baut ein Physiker seine Logik über das Jenseits auf; weitab von der Theologie. Im zweiten Buch beschreibt Erika Riemann (gebürtig in Mühlhausen) ihr Schicksal, nachdem sie 1945 als 14-Jährige ein Stalin-Porträt mit Lippenstift bemalt hatte und dafür mit langjähriger Haft bestraft wurde. "Der Turm" von Uwe Tellkamp zeichnet den Weg einer Dresdener Arztfamilie bis zum Untergang der DDR.

Hatten Sie über den Jahreswechsel schon Zeit zum Lesen?
- Ich habe mit "Wenn ich nicht mehr bin" begonnen, weil mich das Thema reizt und ich wissen möchte, wie es der Autor als Wissenschaftler anpackt.

Kurz vor Weihnachten waren Sie als Vorleser bei den Montessori-Schülern. Warum haben Sie sich dafür Zeit genommen?
- Wenn man Kinder für Bücher begeistert, gibt man ihnen etwas Wertvolles mit. Sie haben Bilder vor Augen, ihre Phantasie wird angeregt. Es gibt kaum etwas Besseres, als Kindern Geschichten zu erzählen oder ihnen vorzulesen. Sie sind total gebannt. Das macht mir Freude und ist mir gerade in einer Zeit, in der nicht mehr viel gelesen wird, sehr wichtig.

Welches war ihr Lieblingsbuch als Kind und Jugendlicher, welches ist es heute?
- Als Kind waren es Tiergeschichten mit sprechenden Protagonisten, als Jugendlicher verschlang ich alles von Karl May und die Lederstrumpfgeschichten von Cooper. Heute sind es historische Romane, die mich in eine andere Zeit bannen, oder Bücher, die existenzielle Fragen beantworten wie Stefan Zweigs "Sternstunden der Menschheit". Begeistert hat mich aber auch "Harry Potter". Den hat mir meine Tochter gegeben.

Was halten Sie von SMS, Facebook, Twitter & Co?
- SMS schreibe ich sehr oft. Seit einem Jahr bin ich bei Facebook. Ich finde es spannend, sehe aber auch die Schattenseiten. Man muss Facebook so betreiben, dass man nur das einschreibt, was man auch seiner Mutter erzählen würde. Generell ist das System phantastisch, weil es viel Background einer Gesellschaft eröffnet. Man erfährt viel Interessantes und kann ebenso viele Infos an den Mann bringen.

Welches ist Ihre tägliche Pflichtlektüre?
- Lokale und überregionale Presse sowie Posteingänge in Papierform. Sie verlangen sehr, sehr viel Zeit.

Wie bewältigen Sie den Umfang?
- Das OB-Büro sortiert vor oder leitet von mir Gelesenes an Fachbereiche weiter. Ich muss mir schnell den Kern erlesen und Wichtiges erklennen. Deshalb mag ich Bleiwüsten überhaupt nicht. Bedeutsame Fakten unterstreiche oder umkreise ich mit Kuli.

Welches Buch würden Sie anderen Menschen unbedingt ans Herz legen?
- "Der Turm". Weil Tellkamp das Leben und die teils tragischen Schicksale der Menschen in den letzten DDR-Jahren bis zur Wende phantastisch nachgezeichnet hat, obwohl er nie dort gelebt hat. Und zweitens: Weil ich selbst in Dresden studiert habe. Wer die ersten 100 Seiten geschafft hat, legt das Buch nicht mehr aus der Hand.

Diskutieren Sie mit! Welche Bücher würden Sie anderen empfhelen?
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige
Anzeige