Das Osterwunder von damals.

Die finstere Nacht ist vorbei
 
Die Sonne begint ihren Lauf
Das Osterwunder

Ein langer Winter mit viel Schnee und Hochwasser war endlich vorüber.
Es war Ostern, ein lang ersehntes Fest. Wir Kinder konnte mal wieder nicht warten, bis es Ostern war. Der stille Karfreitag, dann folgte der dicke, fette, Kuchen – backe- Sonnabend.
Dieser Tag ging mit dem allabendlichen Familienbaden zu Ende. Wir wollten nicht, aber wir mußten ins Bett. Die Zeit war uns zu lang, bis der Osterhase kam.
Sehr früh waren wir am Ostersonntag vor lauter Erwartung schon wach. Bevor unsere Eltern zum Kirchgang gingen, durften wir im Garten am Haus schon ein paar Eier suchen. Es war nicht sehr viel, aber wir freuten uns. Stolz zeigten wir das Gesuchte. Die Großmutter durfte uns zwei Bengels während der Kirchzeit hüten.

Uns wurde versprochen, nach dem Mittagessen nicht schlafen zu müssen, sondern im Wald nach Osternestern zu suchen. Die Ermahnung hat geholfen, wir waren an diesem Tag mal artig und haben uns sogar vertragen. Es war tolles Osterwetter, die Sonne schien mit voller Kraft. Wie im Fluge verging die Zeit bis zum Mittag mit spielen auf dem Hof in der Sonne. Wir suchten noch Osternestern, fanden aber nichts weiter.

Gleich nach dem Essen zog die ganze Familie hinaus. Es ging in Richtung Braunsteinhaus, dann links zum Martiener. An einer großen Wiese mit frischem Grün standen zwei oder drei Reihen angepflanzte Fichten, so einen bis eineinhalben Meter hoch. In diesen Fichten und dem angrenzendem Wald sollte der Osterhase wohnen. Leider hatten wir diesen bis jetzt, trotz aller Mühe, nicht zu Gesicht bekommen. Auf den Weg zu dieser Wiese hatten wir aber schon zwei Ostereier gefunden. Diese sahen genau so aus wie die, welche wir schon am Morgen in unserem Garten gefunden hatten.

Auf der Wiese oder in den Fichten könnten wir eventuell mehr Glück haben. Wir stürmten los, um Osternester zu finden. Da, zwischen den Fichten leuchtet etwas, ich stürmte darauf zu und fand tatsächlich ein Osternest mit Eiern und etwas süßem. Die Suche ging weiter. Mein Cousin suchte und suchte, dann hatte er auch ein Nest. Es war ein kleines Nest mit wenigen Eiern. Doch plötzlich schrie er, er hatte noch ein ganz großes Nest zwischen den Fichten entdeckt. Was war das aber für ein Nest? Ein Nest, welches sogar Kuchen enthielt. „Guckt mal ich habe ein Nest mit Kuchen. Der Osterhase hat den gleichen Kuchen wie wir zu Hause.“ Was für ein Wunder, einen Osterkuchen und dann noch den gleichen wie zu Hause. Das ist doch ein Wunder. Der Osterhase hat den gleichen Kuchen wie wir zu Hause. Hat etwa der Osterhase den Kuchen zu Hause auch gebracht?

Ohne dass es bemerkt wurde. Oder hat der Lümmel von Osterhase den Kuchen von zu Hause mitgenommen?
Wir wurden aufgeklärt, der Osterhase hat das gleiche Kuchenrezept wie wir zu Hause. Da er nun mal wusste, dass wir diesen Kuchen so gerne essen würden, hat er für uns den gleichen Kuchen gebacken. Glücklich und zufrieden traten wir den Heimweg an. Zu Hause gab es dann den Osterhasenkuchen und Kaffee. Malzkaffee oder so etwas ähnliches, denn Bohnenkaffee gab es zu der Zeit nicht. Man freute sich schon auf so ein Stückchen Osterhasen - Kuchen.

Am Abend ging es dann noch mit den Eltern und einer Fackel zum Osterfeuer. Die Fackel war aus einem kleinen Fichtenstamm angefertigt, gespalten, mit Keilen versehen und mit Draht zusammen gespannt. Damit sie auch richtig trocken ist, wurde die Fackel einige Tage beim Bäcker auf dem Backofen getrocknet. So fand ein sommerliches Osterfest ein fröhliches Ende.

Das Osterwunder von damals lebt heute noch in uns weiter. Nur leider hat es sich nicht wiederholt, auch nicht bei unseren Kindern und Enkeln nicht. Wahrscheinlich ist dieser Osterhase in ein ärmeres Land, ausgewandert, um den armen Kindern auch ein Osterwunder zu schenken.
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8 Kommentare
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Lutz Leipold aus Ilmenau | 05.04.2012 | 10:58  
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Karin Jordanland aus Artern | 05.04.2012 | 11:33  
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Gerald Kohl aus Erfurt | 05.04.2012 | 22:19  
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Renate Jung aus Erfurt | 05.04.2012 | 22:54  
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Lutz Leipold aus Ilmenau | 05.04.2012 | 23:02  
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Renate Jung aus Erfurt | 05.04.2012 | 23:12  
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Lutz Leipold aus Ilmenau | 05.04.2012 | 23:15  
5.691
Petra Seidel aus Weimar | 08.04.2012 | 19:14  
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