Das schräge Interview: Konditormeister Ulrich König pickt nicht die Rosinen aus dem Stollen

Konditormeister Ulrich König will keineswegs die Rosinen aus dem Stollen picken. Beim Weihnachtsgebäck ist es wie im richtigen ­Leben: die Mischung macht‘s.
NeustadtHarz: Konditorei König |

Zeit für Plätzchen und Stollen! Mitten im Backtrubel spricht Konditormeister Ulrich König über Rosinen, Pfefferkuchen und eine harte Nuss

Es duftet verführerisch in der Weihnachtsbäckerei. Auch in der Backstube von Ulrich König herrscht Hochbetrieb. Seit 32 Jahren heizt der Konditormeister in Neustadt/Harz seinen Backofen an. Seine Stollen sind preisgekrönt. Mitten im vorweihnachtlichen Backtrubel steht er Redakteurin Sibylle Klepzig Rede und Antwort.

Was ist für Sie das Sahnehäubchen zum Weihnachtsfest?
Das Wichtigste ist, dass die Familie zusammenkommt. Geselliges Beisammensein und ein Gänsebraten – das ist Weihnachten. Weil ich Christ bin, gehört für mich auch ein Gottesdienst dazu.

Haben Sie sich schon einmal die Finger verbrannt?

Na klar, wenn man in der Backstube steht, geht das ruck, zuck. Die Narbe am Hals stammt von einem Obst­kuchen, den ich von oben aus dem Ofen zog. Der kochend heiße Guss und das Obst sind mir in den Kragen gelaufen. Das war schlimm, aber den Kuchen habe ich nicht fallen gelassen.

Verbrennen Sie sich auch den Mund?

Wenn es sein muss, dann schon. Ich bin eher ein ruhiger Typ, aber wenn mir etwas nicht passt, sage ich das frei heraus. Vor allem Ungerechtigkeiten kann ich nicht ab, da reagiere ich empfindlich. Auf die linke Tour Kohle zu machen, das finde ich ganz krass.

Picken Sie sich gern die ­Rosinen aus dem Kuchen?
Nein, ich nehme lieber das ganze Paket. Das Süße allein schafft doch kein Gleichgewicht. Wer etwas Vernünftiges erreichen will, braucht beide Seiten. Auch ein Weihnachtsstollen schmeckt nur mit Bittermandelaroma.

Der Stollenteig ruht in der warmen Backstube. Wo lassen Sie sich gehen?
Um den Kopf freizubekommen, gehe ich spazieren. Im Sommer bin ich gern in unserem kleinen Garten. Auch Musikhören ist herrlich entspannend.

Was geht Ihnen auf den Keks?

Unpünktlichkeit. Und Langweiler, die den ganzen Tag nur so hineiern und nichts gebacken bekommen. Das Leben ist so kurz, man muss es nutzen.

Was ist für Sie das Gelbe vom Ei?
Wenn sich die Leute über eine schöne Torte freuen. In unserem Beruf gibt es unwahrscheinlich viele Möglichkeiten, kreativ zu sein. Es freut mich, wenn das ankommt.

Das Bäckerhandwerk, insbesondere das frühe Aufstehen, ist kein Zuckerschlecken...
Um 2.30 Uhr ist die Nacht zu Ende. Durch die vielen Jahre bin ich tatsächlich ein früher Vogel geworden, brauche gar keinen Wecker mehr. Dann werden die Maschinen und der Ofen angestellt, die Teige für Brote und Kuchen gemengt. Unser Hauptfeld ist die Konditorei.

Sie backen auch Pfefferkuchen. Wer sollte dort bleiben, wo der Pfeffer wächst?
Egoisten und Selbstdarsteller. Menschen, die wunderlich denken, wer sie sind und nach der Devise leben: mehr Schein als Sein.

Mussten Sie schon harte Nüsse knacken?

Natürlich gab es schwierige Situationen. Aber mit der Unterstützung von Familie und Bekannten knackt man jede dicke Schale. Der Neuanfang 1990 war so eine harte Nuss. Zuvor hatten wir Ferienheime beliefert und standen plötzlich vor dem Nichts. Die ersten zwei Jahre waren schwer.

Welchen Spruch würden Sie in einen Glückskeks backen?
Da fällt mir nichts ein. Ich habe kein festgeschriebenes Motto fürs Leben. Ich lasse es auf mich zukommen, ­plane nicht mehr weit im Voraus. Wichtig ist, dass man Zufriedenheit findet, auch die kleinen Dinge genießt.
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige
Anzeige