Der Pfad-Finder: Peter Walentin wanderte zu Fuß an den Gardasee

Unterwegs im Zick-Zack-Kurs: Gleich dreimal ­passierte Peter Walentin den Hauptkamm der Alpen auf seinem Marsch an den Gardasee. Foto: privat (Foto: privat)
 
Für Peter Walentin ein magischer Moment: der Besuch der Ötzi-Fundstelle am Tisenjoch in 3210 Meter Höhe. Der 50-Jährige aus Zimmern bei Bad Langensalza hat dieses Ziel zu Fuß erreicht.

Peter Walentin lief in siebeneinhalb Wochen allein von Zimmern über die Alpen an den Gardasee

Die Idee


Rechts geht‘s zum Nordkap, links zum Mittelmeer. So hatte ich es mir oft vorgestellt, wenn ich von meinem Heimatort Zimmern aus zum nahegelegenen Werra­tal-Radweg kam. Im Sommer 2011 brach ich tatsächlich von hier aus gen Norden auf, fuhr mit dem Rad in 49 Tagen 4811 Kilometer bis ans Nordkap. In diesem Sommer war es Zeit für die Gegenrichtung – und einen Fußmarsch. Auf dem Weg nach Süden wollte ich die Alpen überqueren. Aber nicht auf dem Fernwanderweg E5, wo Menschenmassen dahinziehen, sondern auf selbst gesuchten Pfaden. Am 17. Juni ging es los.

Die Herausforderungen


Siebeneinhalb Wochen war ich unterwegs, lief rund 1300 Kilometer, mal bei 40 Grad Hitze, mal im Hagelsturm, mal im Schnee. Es gab keine Erfahrungsberichte, die ich hätte nutzen können. Also kaufte ich unterwegs Wanderkarten und stellte die Etappen zusammen. Im Schnitt 30 Kilometer pro Tag. Schon am dritten Tag schlug ich mir die Idee aus dem Kopf, die Distanz fest nach Plan zu schaffen. Ich hatte Krämpfe und Muskelziehen. Wollte ich nicht irgendwann scheitern, musste ich auf die Signale des Körpers achten und mir hin und wieder einen Tag Pause gönnen. Auch, um die strapazierten Füße zu pflegen und Blasen zu verarzten. Neue, unterwegs gekaufte Laufschuhe hatten den Füßen dermaßen zugesetzt, dass ich notgedrungen die alten zurückholte.

Das Gepäck


Die größte Herausforderung aber war mein viel zu schwerer Rucksack. 24 Kilogramm – das war grenzwertig. Auf dem Marsch durch hochalpines Gelände wollte ich alles für meine Sicherheit dabei haben: Zelt, Kocher, Topf und Trockenessen, Daunenmatte und einen Schlafsack, der auch bei extremer Kälte wärmt. Schließlich kann man selbst im Juli in den Alpen einschneien. Zum Glück ist es nicht passiert. Geschlafen habe ich nicht nur im Zelt, sondern auch in Pensionen und Berghütten. Auch, um ab und zu Sachen zu waschen.

Die schönsten Momente


Endlich Alpen! Es war für mich wie eine Erlösung, als ich nach rund 680 Kilometern in Illerbeuren das erste Mal den mächtigen Gebirgszug sah. Die knapp vier Wochen Fußmarsch bis hierher waren nur die ­Verbindungsetappe. Jetzt überquere ich die Alpen. Im Zick-Zack-Kurs habe ich den Alpenhauptkamm sogar dreimal passiert. Am schwierigsten war die Passage bis zum Brandenburger Haus. Die Schutzhütte des Deutschen Alpenvereins erhebt sich in 3277 Meter Höhe zwischen zwei Gletschern. Noch faszinierender aber war die Fundstelle der Ötzi-Mumie. Es hat etwas Magisches, genau dort zu stehen, wo ein Mensch Jahrtausende lang im Gletscher lag.

Die größte Gefahr


Steinschlag, Gewitter, Hagel – an diesem Julitag kam alles zusammen. Ich wollte gerade vom Falgin­joch aus 3100 Meter Höhe absteigen und querte ein Schneefeld, als plötzlich Geröll herandonnerte. Fünf Meter neben mir rauschten die Steine den steilen Hang hinab. Ich schaffte es, auf eine Moräne zu klettern, fand hinter einem Felsblock unter meiner Plane Schutz. Denn jetzt entlud sich ein gewaltiges Gewitter. Fünf Zentimeter hoch war die Schicht aus Hagelkörnern, die liegenblieb. Sollte ich hier biwakieren? Es taute schneller als gedacht. Eine Stunde später wagte ich doch den Abstieg über die nas­sen, glitschigen Steine. Kurz vor der Dunkelheit hatte ich die Weißkugelhütte erreicht.

Der Endpunkt


Jedes Abenteuer hat seine Zeit. Auch dieses. Als mein Zeitlimit erreicht war, badete ich zwar nicht – wie geplant – im Mittelmeer, sondern im Gardasee. Aber es störte mich kein bisschen. Die Alpen bezwungen und Peschiera erreicht zu haben, war ein wahnsinnig gutes Gefühl. Nach einem Tag Erholung fuhr ich am 8. August mit dem Zug nach Hause.


(Aufgeschrieben von Sibylle Klepzig)
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1 Kommentar
Axel Heyder aus Erfurt | 02.12.2013 | 09:28  
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