Die mit den Fingern tanzt

Luise Arndt begeisterte kürzlich im Nordhäuser Theater über 500 Zuhörer. Foto: La Imposta (Foto: La Imposta)
Mit ihrer Virtuosität zeigt Geigerin Luise Arndt, was Tarantella wirklich ist

SONDERSHAUSEN. Der Volksmund leitet den Namen des süditalienischen Volkstanzes Tarantella von der Tarantula, einer kleinen Spinne, ab. Ihr Gift soll nur durch enormes Ausschwitzen unwirksam werden. Deshalb kamen einst Musiker ins Haus des Gebissenen, um ihn mit äußerst schnellen Melodienfolgen zum wilden Tanz zu animieren. Luise Arndt könnte es mit dem Biss jeder Tarantula aufnehmen.

Die 24-jährige Sondershäuserin, die so anders ist als viele erwarten, begeistert mit ihrem Fingerfeuerwerk auf der Violine. "Bewusst spiele ich ‚Introduktion und Tarantella' zum Ende eines Konzertes", schmunzelt sie und erklärt, dass sie dann im Publikum jeden fesselt. Denn spätestens jetzt, wenn die sympathische Blondine mit dem unkonventionellen Undercut ihre Finger zu dem Stück von Pablo de Sarasate über das Griffbett tanzen lässt, fängt selbst ein Klassik-Gegner Feuer und vergisst alles "Gift".

Wer ist die junge Frau, die scheinbar spielend alle Hürden der Virtuosität auf dem für sie handgefertigten Instrument nimmt?
Im Kindergarten begann sie mit dem Geigen. Da war sie Fünf. Musikschulbesuchen in Sondershausen und Nordhausen folgte die Hochbegabtenförderung am Musikgymnasium "Schloss Belvedere" in Weimar. Logisch das Studium an der Musikhochschule "Franz Liszt", außergewöhnlich das vorzeitige Diplomkonzert mit Bestbewertung.

In der Jenaer Philharmonie fand Luise ihre neue Wirkungsstätte, spielte seit 2011 alle Positionen eines Orchestermusikers durch: von der Substitutin bis zur Praktikantin. Für den Zeitvertrag bis 2014 gewann sie das Probespiel der ersten Geigen. Nun ist sie fester Bestandteil der Philharmonie, spielt rund 35 Dienste im Monat. Das sind knapp 100 Stunden Probe im Orchester.

Sie träumt den Traum einer Solistin, will mit Dreißig große Hallen füllen. Als Solistin im klassischen Violinkonzert und auch mit Freund Marcus. "DJ05-er feat. Lady Jesaja" nennen sie sich im Duo, mixen House und Klassik (YouTube). Etwas ganz Neues!

"Wichtig ist es, über den Tellerrand der Klassik hinauszuschauen", sagt die 24-Jährige, die gern mal Konventionen sprengt. Musikalische Vorbilder sind für sie David Oistrach und Pearlman. Und auch David Garret, dessen Show sie mit der Staatskapelle begleitete. "Er bleibt sich treu", sagt Luise. Genau das macht die sympathische Geigenvirtuosin auch und nennt ihren Eltern als größte menschliche Vorbilder.
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