Die Sternen-Helferin

Sternen-Helferinnen im Einsatz: Renate Buntfuß (stehend) und Uta Tiepelmann (rechts) basteln mit Demenzkranken in der ­„guten Stube“ im Mehrgenerationenhaus. Das Erinnerungszimmer wurde mit Möbeln aus den 60er-Jahren eingerichtet und soll an die Zeit der ersten Ehejahre erinnern.
 

Renate Buntfuß bastelt, singt und plaudert ehrenamtlich mit Demenzkranken im Mehrgenerationenhaus

„Morgenstund hat...“ Renate Buntfuß stoppt mitten im Satz und weiß, dass sie nicht lange auf dessen Vollendung warten muss. „...Gold im Mund“, klingt es fröhlich aus der Runde. Bei alten Sprichwörtern macht den Senioren so schnell niemand etwas vor. „Da muss ich mir bis nächste Woche etwas Schwierigeres ausdenken“, neckt Renate Buntfuß und stimmt ein Lied an. Sie singt „Als wir jüngst in Regensburg waren“ – und alle singen mit.

 Renate Buntfuß ist eine von fünf ehrenamtlichen Sternen-Helferinnen und betreut die Gruppe Demenzkranker, die sich jeden Donnerstagvormittag im Mehrgenerationen­haus der Lift gGmbH in Nordhausen trifft. Ihr Leben lang war die heute 69-Jährige Kindergärtnerin. Jetzt entwickelt sie Beschäftigungsmöglichkeiten für Menschen mit Demenz. Sie singt, erzählt, bastelt mit ihnen. Auch kleine Spaziergänge und Sportübungen stehen auf dem Programm. „Sie machen mit und sie lachen – das ist das A und O.“ Woche für Woche freut sich die kreative Betreuerin auf diese Begegnungen. „Die drei Stunden hier geben mir viel Kraft.“

 Während die Kranken in guten Händen sind, können die Angehörigen, die sie sonst rund um die Uhr pflegen, Termine wahrnehmen, in Ruhe einkaufen oder einfach durchatmen.

 „Wer zur Betreuungsgruppe kommt beziehungsweise geholt wird, hat Demenz im Anfangsstadium, ist körperlich noch in der Lage, sich zu beteiligen“, erklärt Erika Tschirr, Assistentin der Projektleitung und Fachkrankenschwester. Die stundenweise Betreuung ist aber auch im häuslichen Umfeld möglich. „Eine ehrenamtliche Helferin besucht dann immer die gleiche Familie“, betont Erika Tschirr. Das ist wichtig, um Vertrauen aufzubauen. Anfangs wird eine Biografie erstellt, um den Lebenslauf, den früheren Beruf und Hobbys kennenzulernen. Daran kann man anknüpfen. Wer das Alltägliche vergisst, lebt in der Vergangenheit.

 Auch Renate Buntfuß betreut Betroffene zu Hause. Es geht ihr nah zu sehen, wie die Krankheit fortschreitet. „Wir wurden geschult, aber ich lese auch viel, um die Krankheit besser zu verstehen.“ Sie begegnet den Menschen lebensfroh. „Eine Frau, die ich zweimal die Woche besuche, hat für ihr Leben gern gehäkelt. Heute will sie nicht mehr. Ich werde sie bitten, mir das Häkeln beizubringen, obwohl ich es kann.“ Für ­einen guten Zweck ist Schwindeln erlaubt.

 Es geht um Glücksgefühle – wie man sie in einer Sternstunde erlebt. Und Sternstunden gibt es nicht nur in der Nacht. Auch schöne Erlebnisse bleiben als solche in Erinnerung. In diesem Sinne sind die ehrenamtlichen Betreuerinnen Sternen-Helferinnen.

Information:
• Die LIFT gGmbH unterbreitet mehrere Hilfsangebote für Demenzkranke und pflegende Angehörige:
• Das Café Sternstunde im Mehrgenerationenhaus öffnet jeden 2. Mittwoch im Monat von 14 bis 16.30 Uhr.
• Geschulte, ehrenamtliche Sternen-Helferinnen betreuen Demenzkranke stundenweise – im häuslichen Umfeld oder in einer Betreuungsgruppe im Mehrgenerationenhaus (jeden Donnerstagvormittag). Dafür kann Betreuungsgeld unabhängig von einer Pflegestufe beantragt werden.

• Kontakt: Erika Tschirr, Telefon  0 36 31 / 69 44 15
http://www.lift-nordhausen.de/
Mehrgenerationenhaus „Treff MEGEHA“, Nordhausen, Reichsstraße 12
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige
Anzeige