Gemeinsam unterwegs - Pilgern vor der Haustür

Gemeindepädagogin Marit Krafcick (links) hat die Kinderpilgertage des Kirchenkreises Südharz organisiert. Nach acht Kilometern erreichen Angie, Lisann, Laura und Carl das Freibad in Nohra. Foto: Martin Wiethoff (Foto: Martin Wiethoff)
 
Der Lutherweg (hier bei Rodishain) wurde 2009 mit Pilgern eröffnet. Foto: Martin Wiethoff (Foto: Martin Wiethoff)
Von Martin Wiethoff

Von der Pfeilerbasilika in München­lohra kann man das Nohraer Freibad schon eine Weile sehen. Müde und geschafft erreichen Angie, Laura, Lisann und Carl nach acht Kilometern ihr Ziel. Die drückende Hitze auf den letzten Kilometern konnte den vier Kindern aber nicht die Freude an ihrer ersten Pilgertour nehmen, die sie an diesem Tag von Hainrode bis nach Nohra führte.

 Marit Krafcick, Gemeinde­pädagogin in der evangelischen Kirche, hat dieses ­Ferienprogramm für Mädchen und Jungen zwischen 7 und 14 Jahren organisiert. Gemeinschaftserlebnisse zu schaffen und das Unterwegssein in der Natur sind ihr beim Pilgern besonders wichtig. Kirchenbesichtigungen und die Begegnung mit den Menschen in den Gemeinden gehören auch dazu.

 „Längst sind die alten christlichen Motive des Buße tun nicht mehr der Hauptgrund für das große Interesse am Pilgern“, erzählt Michael Bornschein, der Superintendent des Kirchenkreises Südharz. „Den meisten Menschen geht es um Selbstfindung, Entspannung und Erholung“, berichtet er. Der Übergang zwischen Mehrtageswanderungen und Pilgern sei dabei fließend. Für Michael Bornschein gehören geistliche Angebote dazu. „Die Kirche sollte diesen Trend nutzen. Wenn wir das Pilgern fördern wollen, müssen wir unsere Kirchen auch öffnen. Da bin ich immer wieder im Gespräch mit den einzelnen Gemeinden.“

 Als gutes Beispiel nennt Michael Bornschein die Kirche in Neustadt. Sie ist täglich geöffnet. Bei der Sommerhitze kann man sich in dem alten Gemäuer abkühlen und zur Ruhe kommen. Auch die Frauenbergkirche in Nordhausen ist ganztägig von April bis Oktober geöffnet. Sie ist als Radwegekirche ausgewiesen, auch wenn noch kein Fernradweg durch die Rolandstadt führt. Hier gibt’s Erfrischungen und Hilfe bei Problemen mit dem Fahrrad.

 Durch Stadt und Landkreis verlaufen gleich mehrere Pilgerwege. Auf der via romea von Stade bis Rom pilgerte erst kürzlich eine Gruppe. Nordhausen war einer der Orte der Staffelstabübergabe. Schon 2009 wurde der erste Teil des Lutherweges eröffnet. Er führt von Sachsen-Anhalt nach Rodishain und weiter nach Nordhausen und ist auch innerhalb der Stadt ausgeschildert. „Inzwischen haben wir eine Lösung für die Fortführung des Lutherweges Richtung Westen gefunden. Bis Mackenrode wird er dem Karstwanderweg folgen. Von dort geht es weiter über Großbodungen ins Eichsfeld“, erklärt der Superintendent. Auf diesem Stück müssten aber noch geeignete Wege gefunden und die zukünftige Unterhaltung geklärt werden. Zum Lutherjahr 2017 soll man bis Eisenach zur Wartburg durchgängig wandern können. Neben der Ausschilderung sei es außerdem wünschenswert, an den einzelnen Lutherorten Informationstafeln aufzustellen. Noch ist das Netz des Lutherweges vor allem in Thüringen lückenhaft. In Sachsen-Anhalt sind bereits 410 Kilometer ausgeschildert. Auch in Sachsen und Bayern gibt es Etappen des Weges.

 Für Carl, Laura, Lisann und Angie steht fest: Sie wollen wieder pilgern. In den Herbstferien soll es erneut Pilgertage geben, hat ihnen Marit Krafcick versprochen. Vielleicht wandern dann noch mehr Kinder mit, denen es im Sommer einfach zu heiß war.

Infos zum Pilgern: http://www.pilgern-in-mitteldeutschland.de/
Der Lutherweg im Internet: http://www.lutherweg.de/rweg.de
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige
Anzeige