Gerhard Danz - der älteste Einwohner Wofflebens

Gerhard Danz & sein treuer Freund Bärchen
 
Auszeichnungen und Ehrungen
Woffleben: Naturpark Südharz | (023) -

. . . klopf, klopf, klopf . . .

"Hallo Annett! Wusstes Du schon?
Ich bin der dorfälteste Mann in Woffleben!“


Herr Danz hat mich vor einigen Wochen gebeten, doch einmal darüber zu schreiben, dass seine Familie vor 100 Jahren nach Woffleben kam. Um nichts zu vergessen, hatte er mir wichtige Fakten aufgeschrieben. Da ich ihn schon seit meiner Kindheit kenne ist es mir leicht gefallen, weitere Fragen zu stellen.

Das ist die Geschichte von Gerhard Danz

Hier ist das Notarprotokoll zum Kaufvertrag!“ zeigt mir Herr Danz stolz die Originalunterlagen. „Siehst Du, hier steht Februar 1911.“ Vor über 100 Jahren kaufte sein Vater Reinhold Danz die Schmiede und das Wohngrundstück vom Woffleber Schmiedemeister Karl Schwarz. Schon 1702 wurde die zum ehemaligen hiesigen Rittergut gehörende adelige Schmiede von Kammerrätin von Gladebeck für 150 Taler an die Gemeinde Woffleben verkauft. Das kann man in der Woffleber Ortschronik nachlesen.

Meine Eltern kamen aus dem Thüringer Wald hierher.“ Erzählte er mir und: „Mein Vater hatte Schmied gelernt und meine Mutter stammte aus einer Schmiede-Familie. Ich wurde am 15. Januar 1920 geboren und habe mit meinen zwei Brüdern die Kindheit in der Woffleber Schmiede verbracht.“ Von 1926 bis 1934 besuchte Herr Danz die Schule in Woffleben und erlernte dann in 3 ½ Jahren den Beruf des Feuerschmieds in Nordhausen. Im II. Weltkrieg wurde er sodann als Schmied bei der berittenen Artillerie eingesetzt. „Nach ½ Jahr Arbeitsdienst in Artern kam ich 1940 als Soldat nach Wetzlar.“ Geduldig beantwortete er meine neugierigen Fragen zu dieser Zeit und erzählte vom Bug in Russland, militärischer Schulung in Bayern und dem Dienst als Hilfs-Sanitäter im Ruhrkessel. „Als ich nach Gießen verlegt wurde, habe ich meine Frau Marie kennen gelernt und 1943 haben wir geheiratet. Bis zum Kriegsende - ich bin nie in Kriegsgefangenschaft geraten - wartete sie auf mich in Woffleben.

Was ich zum ersten Mal hörte war die Tatsache,
dass in Woffleben im II. Weltkrieg das Flurstück "Wochfleck" von zwei Fliegerbomben getroffen wurde. Und nur 200 m Luftlinie trennen heute meine Wohnung von diesem Acker. Wie haben die Woffleber das damals wohl erlebt? Mir schaudert es jedenfalls schon allein bei der Vorstellung!


Eine geschickte Hand wurde „Onkel Gerhard“, wie wir ihn als Kinder nannten, mit in die Wiege gelegt. „Nachdem mein Vater schwer erkrankte und 1957 starb, habe ich die Schmiede übernommen und 1961 die Meisterprüfung abgelegt.“ Und weiter erzählt Herr Danz: „1990 habe ich im Alter von 70 Jahren den Beruf aufgegeben.“ In den vielen Jahren hat er Pferde aus der ganzen Region zur vollsten Zufriedenheit beschlagen. Seine Ehe mit „Tante Mariechen“ blieb leider Kinderlos und so konnte auch kein Nachfolger den Handwerksbetrieb übernehmen. Dem sicherlich an die über 350 Jahre alten Gebäude sieht man inzwischen den Zahn der Zeit an.

Seit fast vier Jahren lebt der 91-jährige nun nach dem Tod seiner Frau bescheiden und alleine, aber nicht verlassen, in dem Haus. Die kleinen Zimmer werden von einer Woffleberin in Ordnung gehalten und wirkten auf mich, als wäre die Zeit stehen geblieben. So weckten sie Erinnerungen an meine Kindheit, als ich mit meiner Schwester Kartoffelschalen für die Kaninchen hin brachte und diese auch mal streicheln durften. Das Leben ist nicht spurlos an Herrn Danz vorbei gegangen. Doch er ist immer noch fit. Lesebrille und Hörgerät, dass sind die wenigen Hilfsmittel, die er braucht. Regelmäßige Gesundheit-Checks bezeugen ihm beste Gesundheit. Vor 13 Jahren hatte er einen Herzinfarkt und scherzhaft sagt er: „Ich hatte in meinem ganzen Leben 8 OP´s am Kopf, aber den ersten Kopf habe ich immer noch!

Sein langes Leben war nicht nur von Alltag geprägt. Herr Danz züchtete 40 Jahre lang Kaninchen und ging über 50 Jahre auf die Jagd. Und so gab er mir Augen zwinkernd noch einen Spruch mit auf den Heimweg:
Wer nicht liebt Wein, Gesang und fremde Weiber,
wird niemals Jäger, bleibt immer Treiber.


(Dieser Beitrag wurde in der Januar 2012-Ausgabe der Ellricher Zeitung gedruckt veröffentlicht - Danke!)

Nachtrag: Heute am 25. Januar 2014 ist Onkel Gerhard für immer eingeschlafen.
. . . . . . . . (siehe auch Kommentar 14)

Annett Deistung, Woffleben
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23 Kommentare
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Petra Seidel aus Weimar | 10.12.2011 | 16:01  
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Hannelore Grünler aus Artern | 10.12.2011 | 20:41  
1.794
Manfred Kappler aus Nordhausen | 11.12.2011 | 21:16  
12.763
Renate Jung aus Erfurt | 11.12.2011 | 22:59  
3.886
Lydia Schubert aus Nordhausen | 12.12.2011 | 23:18  
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Petra Seidel aus Weimar | 26.12.2011 | 14:56  
3.760
Annett Deistung (HarzWusel) aus Nordhausen | 26.12.2011 | 15:20  
5.691
Petra Seidel aus Weimar | 26.12.2011 | 17:20  
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Eva Krüger aus Nordhausen | 26.12.2011 | 18:43  
3.760
Annett Deistung (HarzWusel) aus Nordhausen | 01.01.2012 | 16:20  
3.886
Lydia Schubert aus Nordhausen | 01.01.2012 | 17:32  
3.760
Annett Deistung (HarzWusel) aus Nordhausen | 01.01.2012 | 18:33  
3.886
Lydia Schubert aus Nordhausen | 01.01.2012 | 20:04  
3.760
Annett Deistung (HarzWusel) aus Nordhausen | 25.01.2014 | 20:44  
12.763
Renate Jung aus Erfurt | 25.01.2014 | 23:45  
3.886
Lydia Schubert aus Nordhausen | 25.01.2014 | 23:52  
12.763
Renate Jung aus Erfurt | 25.01.2014 | 23:53  
3.760
Annett Deistung (HarzWusel) aus Nordhausen | 08.02.2014 | 21:03  
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Gunter Linke aus Saalfeld | 09.02.2014 | 10:25  
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Susanne Schmelzer aus Nordhausen | 14.03.2014 | 20:09  
5.678
Gunter Linke aus Saalfeld | 15.03.2014 | 12:18  
3.760
Annett Deistung (HarzWusel) aus Nordhausen | 16.03.2014 | 23:02  
12.763
Renate Jung aus Erfurt | 21.03.2014 | 11:54  
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