Gestatten: Fernsehdoktor

Für Informationstechnik-Meister Matthias Ronniger ist jedes defekte Gerät eine neue Herausforderung. Foto: Herfag (Foto: Herfag)
Matthias Ronniger ist Meister in einem Beruf, den viele heute für ausgestorben halten - doch es gibt ihn noch.

Mehr als 800 Programme, flach wie ein Schnitzel, bedienbar durch Berührung - mit diesem Steckbrief präsentieren sich die meisten TV-Geräte heute. Wer einen Knopf zum Drehen sucht, der sucht vergebens!

Nicht vergebens sucht man nach einem Fachmann, wenn der geheiligte Fernseher den Geist aufgibt. Denn – was viele nicht wissen – es gibt ihn noch, den „Fernsehdoktor“ oder Informationstechniker, wie er sich korrekterweise nennt.

Matthias Ronniger hat sogar den Meisterbrief. Der ist nicht vergilbt, sondern druckfrisch vom Februar 2011. Damals hielt der Vierzig­jährige die Laudatio zur Meisterfeier der Handwerkskammer. Die 1300 Zuhörer in der Thüringenhalle kamen mehr als einmal ins Schmunzeln, obwohl die zwei Jahre Meisterausbildung alles andere als lächerlich waren!

Nachdem er für sein Privatleben mit Haus, Baum, und Tochter ein solides Fundament gelegt hatte, reizte Matthias Ronniger nun auch die berufliche Fortbildung. Zu DDR-Zeiten war er Fernsehtechniker mit offizieller Bezeichnung „Funkmechaniker“ geworden, doch vergeblich suchte er nun im Internet nach der passenden Meisterbezeichnung. Bei „Meister für Informationstechnik“ wurde er fündig. Schnell folgte seiner Freude beim Anruf in der Handwerkskammer Erfurt die Ernüchterung: Gerade laufe ein Lehrgang, einen neuen würde man gewiss nicht vollbekommen, sagte Sigrid Ewen am anderen Ende der Leitung. Kompromiss: Sofort einsteigen in die laufende Meisterausbildung – mit einem halben Jahr Verzug und als Vierter im Bunde. Ein harter Brocken bei Vollzeit-Job, Familie und einem (noch) ahnungslosen Chef.
Doch Karl-Friedrich Albrecht, „Vater“ aller Herfag-Märkte in Nordthüringen, konnte seinen Mitarbeiter verstehen. Warum also sollte er ihn nicht unterstützen? – Grünes Licht gab‘s für den halben Freitag. Und selbst die Kosten übernahm die Firma für den Mann, der noch einmal die Schulbank drücken wollte.

Im April 2009 begann für Matthias Ronniger der neue Ernst des Lebens: Freitags und samstags Meisterschule in Erfurt, alles andere lief wie gehabt. Möglich nur bei einer verständnisvollen Familie und ebensolchen Kollegen.
Eine Exkursion ins Stadion der TSG Hoffenheim ließ sein Fußball- und Technikerherz höher schlagen. Die komplette Mediensteuerung hatte sein Dozent Michael Paudler installiert – ein echtes Meisterstück. Das spornte an!

März 2011: Erfolg in der Theorieprüfung. Fehlten nur noch zwei Prüfungsteile und die Praxis! Doch ein stürmischer Zusammenprall beim Fußball mit anschließender Bein-OP verschob das Meisterstück auf November. Dann endlich konnte Matthias Ronniger seine Antennenanlage mit 120 Anschlüssen und einer Routeranlage für 40 Wohnungen nach gut durchdachten Plänen aufbauen und vorführen. Natürlich entdeckte er auch die kleinen Schikanen, die jede Prüfung würzen. Er nahm alle Prüfungsteile mit Bravour und erhielt als schönsten Lohn seinen ersehnten Meisterbrief.

Inzwischen repariert der Informationstechnik-Meister in der Herfag-Werkstatt in Mühlhausen TV- und Hifi-Geräte, haucht seinen Patienten, die „Sony“, „Panasonic“ oder „LG“ heißen, neues Leben ein. „Sie sind nicht zum Sterben verurteilt, denn selbst bei hochmodernen Geräten kann sich eine Reparatur auch noch nach Jahren rechnen!“, erklärt er. Selbst für den guten alten Röhrenfernseher hat der „Fernsehdoktor“ noch die passende „Medizin“.
Sein Wissen möchte er nun gern an jüngere Berufskollegen weitergeben. Deshalb hofft er auf viele Auszubildende, die ihm auf den Spuren der Technik folgen möchten. Bewerber für das neue Ausbildungsjahr 2011/12 sind bei Herfag noch willkommen!
Infos: 03605/5858152
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Heidrun Fischer aus Nordhausen | 05.05.2011 | 08:47  
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