"Kaiserbaby" war wertvollster Patient

Puppendoktor Günter Geier kuriert 95 Prozent aller Patienten direkt vor Ort. "Es git nichts, was ich nicht hinkriege", versichert er. Foto: Frank Boxler (Foto: Frank Boxler)
Nordhausen: Südharz Galerie | Puppen- und Bärendoktor Günter Geier kommt nach Nordhausen

NORDHAUSEN. Die fast 73 Lenze sieht man dem temperamentvollen Bayern nicht an. Einen Doktortitel hätte er längst verdient, denn seit fast 50 Jahren verarztet Günter Geier seine kleinen und großen Patienten. Die wenigsten Sprechstunden hält er in seiner Puppen- und Bärenklinik im heimatlichen Altendorf (bei Bamberg) ab. Vierzig Wochen im Jahr tourt Dr. hc. Pupa, wie er sich nennen könnte, im pinkfarbenen Puppendoktortruck quer durch Deutschland. Wer den 18 Meter langen, 500 PS-starken Amerikaner kommen sieht, ahnt nicht, dass sich darin die einzige mobile Puppen- und Bärenklinik Deutschlands befindet. Rund 15000 Ersatzteile sind an Bord: Augen, Gummis, Haare, Modelliermasse und Farbe.

Dabei kam der gelernte Schneider eher zufällig zum Praktizieren an Bummi, Lisa, Gretel und Co. Doch nachdem er in einem Praktikum Feuer gefangen hatte, ließen ihn die Puppen nicht mehr los. In drei Tagen verarztet er um die hundert Puppen und Bären. Viele Tausende waren es in den fünf Jahrzehnten. Defekte Gliedmaßen und Augen sind die häufigsten Erkrankungen. Verunglückte Gesichter sind eine größere Herausforderung. Hier modelliert er, bemalt nach Originalvorlage und setzt neue Haare auf. Kleine Wehwehchen sind in wenigen Minuten kuriert, bei größeren Eingriffen schickt er die Puppenmutti schon mal auf einen Kaffee wieder weg. Nur im Fall einer schwierigen OP kommt der kleine Patient mit nach Altendorf, von wo aus er später im Päckchen gesund seine Heimreise antritt.

"Meine liebste Puppe ist meine Frau Ute."
Günter Geier, Puppen- & Bärendoktor


Prominenteste Patientin war eine Babypuppe, das sogenannte Kaiserbaby, das dem neugeborenen Friedrich Wilhelm II. nachempfunden wurde. "Es ist eine so hässliche Puppe, die ihren Wert nur ihrer Originalvorlage verdankt", erklärt Günter Geier schmunzelnd. Eine ältere Dame hatte sie von der Mutter geerbt und wollte das Baby einfach reparieren lassen, um die Gliedmaßen wieder gangbar zu machen. Dass ihr hässliches Baby heute um die 17000 Euro wert ist, ahnte sie nicht. So glücklich ihn die Puppen und Bären machen, langsam muss der Puppendoktor an einen Nachfolger denken. Schließlich möchte seine 20 Jahre jüngere Frau auch noch etwas von ihrem Günter haben. "Sie ist meine liebste Puppe", versichert Geier augenzwinkernd.

Sprechstunden:
17. - 19. Januar, 9 - 18 Uhr in der Südharz Galerie Nordhausen
31. Januar - 2. Februar, 9 - 18 Uhr in der Galerie am Schlossberg Sondershausen
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