MDR-Sendung "Steimles Welt" führt Kabarettisten Uwe Steimle ins Eichsfeld

Im Wartburg 312 fährt der Kabarettist für "Steimles Welt" durchs Land. Aus dem Eichsfeld berichtet er am 15. November, 20.15 Uhr, im MDR. Foto: MDR/Axel Berger (Foto: Foto: MDR / Axel Berger)
 
Kabarettist Uwe Steimle liebt Stollen und Gesellschaftskritik. Foto: Guido Werner (Foto: Foto: Guido Werner)

Der Kabarettist und Schauspieler Uwe Steimle gastiert gleich dreimal in Nordthüringen. Dabei war er erst kürzlich mit einem Kamerateam hier: für die Dreharbeiten zu „Steimles Welt“. Sendetermin ist der 15. November.

Für „Steimles Welt“ reisen Sie zu Menschen, die sich ganz und gar einer Sache verschrieben haben. Diesmal bringt Sie der Wartburg 312 ins Eichsfeld und nach Nordhausen. Wen treffen Sie?
Die Sendung beginnt mit der wunderbaren Erika ­Schirmer aus Nordhausen. Vor langer Zeit hat sie das Lied „­Kleine weiße Friedenstaube“ geschrieben. Das durfte ich mit ihr zusammen singen. Im Eichsfeld besuchen wir einen Wandermusikanten im schönen Ort Hundeshagen, bringen aufgelesene Äpfel in eine Mosterei, begleiten einen Stadtführer in Heiligenstadt zum Neptunbrunnen und einen katholischen Pfarrer im Wallfahrtsort Klüschen Hagis.

Sie machen auch einen Abstecher nach Schmalkalden?

Ja, dort habe ich Streetart-Künstler kennenlernen dürfen. Das Duo "Herakut" ist weltberühmt und kommt aus Schmalkalden, man glaubt’s nicht. Ich war sonst nie ein Freund von diesen Graffitis, also für mich waren das alles Schmierereien. Bis ich dann feststellen durfte: Nee, nee, nee, das sind ganz tolle Kunstwerke. Die symbolisieren immer Märchengestalten und verbreiten auch Wärme, ganz schön. Und dass man eben feststellt, dass der Wolf nicht immer böse ist. Jasmin, die Frau im Künstler-Duo, hat mich begeistert, als sie sagte: 'Wissen Sie Herr Steimle, Frieden ist wichtiger als Freiheit.' Sie hat Recht. Ohne Frieden gibt es keine Freiheit. Und Frieden ist das allerwichtigste.

Der Titel der Sendung verspricht ­Emotionen, auf Sächsisch „Äh...moschen“. Wie wichtig ist Ihnen Gefühl?

Gefühl, ich sage auch gern Herzensbildung, ist alles. Gefühl für Frieden, Freundschaft, Solidarität und Achtung. Für mich ist das weitaus wichtiger, als dass jemand rechnen kann. Insofern freue ich mich, wenn ich auf meiner Reise normale Leute treffe, denen man ansieht, dass sie nur richtige Sachen sagen. Unverstellt, ehrlich. Keiner, denen ich einen Besuch abstatte, weiß, wer da kommt. Da ist nichts vorbereitet, die Leute reagieren aus dem Bauch heraus. Genau das ist meine Welt: kein Getue, kein Gemache. Dass wir das machen dürfen, zehn Tage durch die Heimat fahren und Geschichten aus dem Leben aufnehmen, dafür bin ich sehr dankbar.

In Nordhausen bitten Sie im Januar zur „Heimatstunde“. Was bedeutet Heimat für Sie?
Heimat ist so vieles für mich: Dialekt, deutsches Brot, auch Erinnerungen sind Heimat – also, wo wir hergekommen sind. Ich stehe ja nicht allein für mich auf der Bühne, sondern hoffe, dass ich so eine Art ­Transmissionsriemen für viele bin, die sagen: ‚Ach, siehste. Na klar, das sind wichtige Anker.‘ Und sei es Pulmotin, welches in Walters­hausen erfunden wurde. Der ganze Saal riecht es zum Schluss. Ja, auch Pulmotin ist Heimat. Die Dinge können gar nicht klein genug sein. Von mir aus die Plasteklammer, Hauptsache ehrlich.

Oder köstlich – wie der Dresdner Stollen. Dem widmen Sie ein ganzes Bühnenprogramm. Was fasziniert Sie am Striezel?
Der Geschmack. Und, dass er ein religiöses Backwerk ist. Der erste Stollen wurde 1328 von Naumburger Bäckern erfunden und hieß Gebildbrot. Damals wurden nur Wasser und Mehl zusammengeklatscht und das musste ein Bischof essen. Meine Fresse, das möchte ich heute nicht haben. Je besser es den Leuten im Laufe der Jahrhunderte ging, umso mehr hochwertige Ingredienzien kamen dazu: Sultaninen, Mandeln, Würze und Sachen aus fernen Ländern. Das alles hat der Sachse reingemehrt in den Teig und was Neues geschaffen. So ­kreativ, so ideenreich sind wir. Der Dresdner Stollen geht in die ganze Welt.

Sie haben sogar Stollen­regeln formuliert. Geben Sie uns eine Kostprobe?
Doppel gebuttert und doppelt gezuckert schmeckt doppelt gut.

Bei mir lautet eine Regel: Stollen isst man nicht vorm ersten Advent...
Oh je, daran kann ich mich nicht halten. Ich habe mir schon einen halben Mandel­stollen einverleibt. Das sorgt für sogenannte Konditoral­schäden.

Roher Fisch hat weniger Kalorien. Essen Sie den auch nach Ihrer ­Hauptrolle im Kinofilm „Sushi in Suhl“?
Ja, natürlich, ich bin ein großer Sushi-Fan. Das war ich schon vor dem Film. Aber durch den wunderbaren Rainer Rassbach, unseren kulinarischen Berater, der in Erfurt lebt und sozusagen die rechte Hand war von Rolf Anschütz, habe ich erst richtig den Zugang gefunden. Er hat mir viel erklärt und gezeigt. Wir hatten wirklich gute Mitstreiter in Suhl.

Der Sachse fühlt sich also wohl in Thüringen?
Die Thüringer sind ein sehr angenehmer Menschenschlag. Sie sind ein bissel zurückhaltender als die Sachsen, nicht so bläksch, nicht so ­vorneweg wie der Sachse. Thüringer haben eine tiefe Religiosität, eine große Heimatverbundenheit, das gefällt mir sehr gut. Ich als Halbsachse und Halbthüringer darf das sagen.

Wie bitte? Sie sind zur Hälfte Thüringer?

Na freilich. Mein Vati kommt aus Suhl. Also bin ich halber Thüringer, das kann ja gar nicht anders sein.


Uwe Steimle im Kinofilm "Sushi in Suhl"

Sie sind auch für Ihre Honecker-Parodien bekannt. Wird es einen Film mit Ihnen als Erich Honecker geben?
Nein. Es gab ein Drehbuch, aber ich habe abgelehnt. Ich möchte nicht in einem Film mitmachen, in dem man nur billig lacht über die DDR. Das sollen andere machen. Ich muss auch sagen, ich habe Glück, dass ich das absagen konnte. Ich weiß, dass es viele Kollegen gibt, die froh sind, wenn sie nur einen oder zwei Drehtage hätten und gar nicht fragen könnten, was spiele ich hier. Ich bin Gott sei Dank in der Lage, dass ich sagen kann: Nein, ich möchte nicht gegen mein Gewissen spielen. Ich wünsche mir auch nach 25 Jahren, dass man fair und klug über die DDR spricht.

Uwe Steimle als Erich Honecker

Die Sendung "Steimles Welt" endet mit einer Beobachtung in Ihrer Heimatstadt Dresden...
Da gibt es ein Gebäude an dem steht: ,Der Kapitalismus siecht.' Herrlich. In riesigen Lettern, wo früher zu DDR-Zeiten dranstand: ,Der Sozialismus siegt.' Sächsisch geschrieben ist das Verb gleich doppeldeutig. So intelligent sind wir Sachsen. Man globt’s nich.


Termine


Steimles Welt: Äh...moschen:
15.11.2015, MDR Fernsehen, 20.15 Uhr
Uwe Steimle unterwegs im Eichsfeld & Nordhausen

Hören Sie es riechen? Das Stollenprogramm
• 15.12. Bad Langensalza, Kongresscenter, 19.30 Uhr, Tickets: 0 36 03 / 89 27 91
• 16.12. Heiligenstadt, Kulturhaus, 19.30 Uhr, Tickets: 0 36 06 / 60 80 60

Heimatstunde
• 15.1.16 Nordhausen, Theater, 19.30 Uhr, Tickets: 0 36 31 / 98 34 52

Das Kinderlied "Kleine weiße Friedenstaube" von Erika Schirmer
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige
Anzeige