Michelle aus Heiligenstadt hat den Blutkrebs besiegt - DKMS ehrt Helfer

Das strahlende Lächeln Michelles macht anderen Mut: Das Kämpfen lohnt. Foto: privat (Foto: privat)
 
Michelle im Mai 2004 auf der Kinderkrebsstation in Göttingen. Foto: privat (Foto: privat)
 
Klinik-Clowns heitern Michelle auf. Foto: privat (Foto: privat)

„Ich darf leben, weil andere geben“, sagt Michelle Büchner. Die Heiligenstädterin ist vom Blutkrebs geheilt, dank eines Spenders. Heute führt die 17-Jährige wieder ein normales Leben und engagiert sich für die DKMS.
Diese vergibt an ehrenamtliche Helfer und Unterstützer den Ehrenamtspreis. Vorschläge können noch bis 15. November eingereicht werden.

Michelles Geschichte

Der Blutkrebs


Es passiert im Juli 2002: Michelle ist gerade viereinhalb Jahre alt. Zu klein, um sich wirklich zu erinnern. Nur einzelne Momente sitzen im Gedächtnis fest. Sie erzählt von einem Sommerausflug mit ihren Eltern und ihrem Bruder zum Kyffhäuser und anschließendem Besuch der Großeltern. „Einen Tag später tat mein Fuß weh, ich konnte kaum noch auftreten.“ Weil die Schmerzen immer stärker werden, reist die Familie vorzeitig von den Großeltern ab. Niemand denkt an etwas Schlimmes, der kleine Wildfang ist wohl beim Spielen umgeknickt. Aber die Kinderärztin merkt sofort, dass es sich hier nicht um einen verstauchten Knöchel handelt. Sie ertastet Vergrößerungen von Lymphknoten und Milz, überweist das Mädchen ans Heiligenstädter Krankenhaus. Der Bluttest erhärtet ihren Verdacht, am nächsten Tag kommt Michelle in die Göttinger Kinderklinik. Wieder wird untersucht, auch das Hirnwasser aus dem Rü¬cken¬mark. Schließlich spricht der Professor das Unfassbare aus: Michelle hat Blutkrebs. Für die Eltern ein Schock. „Es folgten Kortisongaben, dann mehrere Chemotherapieblöcke“, blickt Mutter Heike Büchner zurück. Sie nimmt Urlaub, lässt sich freistellen, um immer bei ihrer Tochter zu sein. „Michelle hat alles relativ gut vertragen, fuhr zur Kur in den Schwarzwald. Wir waren voller Hoffnung.“ Bis nach anderthalb Jahren die Welt ein zweites Mal zusammenbricht.

Der Rückfall


Der Krebs ist stärker als die Medikamente. Im Januar 2004 kehrt er zurück. „Wir hatten riesige Angst, unser Kind zu verlieren“, beschreibt die Mutter dieses ohnmächtige Gefühl. Der kleine Körper muss weitere Chemoblöcke ertragen, diesmal aggressiver, hochdosierter. Doch das reicht nicht, um die bösartigen Zellen zu besiegen. Die einzige Chance auf Heilung ist die Übertragung gesunder Stammzellen eines Spenders. Michelles Kindergarten will helfen, organisiert im Frühjahr 2004 in Heiligenstadt eine Typisierungsaktion. 2267 Menschen lassen sich registrieren. Der richtige Spender für Michelle ist leider nicht dabei. Er findet sich jedoch bald darauf in der DKMS Deutschen Knochenmarkspenderdatei. Genauer gesagt: sie. Eine Frau aus Karlsruhe mit den passenden Gewebemerkmalen ist zur Stammzellenspende bereit. „Ein wahnsinniges Glück.“ Heike Büchner und ihr Mann sind von Herzen dankbar.

Die Transplantation


Mai 2004: Michelle geht es sehr schlecht. Für die Transplantation wird ihr Immunsystem durch Chemo und Bestrahlung auf null gefahren, das gesamte blutbildende System zerstört. An der medizinischen Hochschule Hannover erhält sie die neuen Blutstammzellen. Die Übertragung ist erstaunlich einfach: Sie werden wie eine Blutkonserve als Infusion verabreicht. Doch im fremden Körper wehren sie sich, mobilisieren Abwehrstoffe. „Wochenlang konnte Michelle nichts essen. Ihre Mundschleimhäute waren regelrecht kaputt“, schildert die Mutter. Die Umgebung ihres Kindes hält sie absolut steril. Keine Blumen, keine Tiere. Rund 100 Tage lang. Erst danach besitzt der Körper wieder Abwehrkräfte.

Das neue Leben


Drei Geburtstage hat Michelle im Krankenhaus verbracht und sogar ihre eigene Einschulung verpasst. Jetzt will sie alles nachholen, freut sich riesig über die Zuckertüte, die die Lehrerin Ende August 2004 nach Hause bringt. Als plötzlich eine Blutvergiftung ihr Leben bedroht. Wieder kämpft sie ein Vierteljahr in der Klinik. Sie wird gesund und darf nach ein paar Monaten Hausunterricht in die Schule – ganz normal wie jedes Kind. Überglücklich schreiben die Eltern der Spenderin einen Brief. Anonym über die DKMS danken sie für diese Lebenschance. Zwei Jahre später kann die Anonymität aufgehoben werden, wenn beide Seiten es wollen. Sie wollen es und Michelle besucht mit ihrer Familie die Spenderin. Sie ist erst neun, doch sie spürt, dass diese Begegnung irgendwie besonders ist.

Das Engagement


Heute ist Michelle ein fröhlicher Teenager, ihre Krankengeschichte weit entfernt. Nur in manchen Momenten grübelt sie. „Es ist schon krass, dass ich noch leben darf.“ Nach dem Abschluss der zehnten Klasse absolviert die 17-Jährige jetzt ein freiwilliges soziales Jahr in genau der Kinderklinik in Göttingen, in der sie selbst behandelt wurde. „Ich helfe auf der Babystation, das Team ist echt klasse“, schwärmt sie. Kinderkrankenschwester ist ihr Wunschberuf. „Ich möchte einfach ein bisschen zurückgeben von der Fürsorge, die ich hier erlebt habe.“
Auch, dass sie sich für die DKMS einsetzt, kommt aus echter Überzeugung. „Ich darf leben, weil andere geben“, ist sie sich bewusst. Noch längst nicht alle Blutkrebspatienten haben dieses Glück. Darum wirbt sie für Stammzellspenden. Ihre Mutter teilt das Engagement, hat bereits vier Typisierungsaktionen in der Region organisiert. Beide Helferinnen betonen, dass auch Geldspenden Leben retten können. „Denn allein die Registrierung eines neuen Spenders kostet 40 Euro“, erklärt Michelle. Sie ist das Werbegesicht im DKMS-Flyer und TV-Spot. Ihr sympathisches Lachen macht immer auch Betroffenen Mut, dass sich das Kämpfen lohnt.

DKMS Ehrenamtspreis

Engagierte Unterstützer werden ausgezeichnet - Vorschläge für Preisträger sind bis 15. November 2015 einzureichen. Mit ihrem Ehrenamtspreis möchte die DKMS Deutsche Knochenmarkspenderdatei persönliches Engagement würdigen. Bundesweit unterstützen rund 15000 freiwillige Helfer die Arbeit der DKMS im Kampf gegen Blutkrebs.
Der Preis wird in zwei Kategorien vergeben: „Große Helfer“ (ab 18 Jahre) und „Junge Unterstützer“ (bis 17 Jahre). Bis zum 15. November 2015 können Einzelpersonen, Gruppen oder Vereine, die die Arbeit der DKMS unterstützen, auf der Webseite www.dkms-ehrenamtspreis.de vorgeschlagen werden. Zudem können dort der Jury bereits vorgeschlagene Unterstützer empfohlen werden. Zum internationalen „Tag des Ehrenamtes“ am 5. Dezember werden die Preisträger bekanntgegeben.


Spender werden


Um sich als Stammzellspender registrieren zu lassen, muss man nicht auf eine Typisierungsaktion warten. Einfach unter www.dkms.de als Spender anmelden und die Unterlagen samt Wattestäbchen für die Abstriche der Wangenschleimhaut online anfordern.
Nach der Registrierung stehen die Gewebemerkmale für die Suche von Patienten auf der ganzen Welt zur Verfügung. Sollte man in einem Fall der passende Spender sein, nimmt die DKMS Kontakt auf. In 80 Prozent der Fälle werden die Stammzellen der Blutbahn entnommen. Es ist keine Operation notwendig.

Den Blutkrebs besiegt: Michelle im Urlaub auf Mallorca

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