Mit dem Fahrrad unterwegs auf dem Jakobsweg

Mit je 30 Kilo Gepäck und viel Abenteuergeist legen Bernhards aus Appenrode im Landkreis Nordhausen 3700 Kilometer auf dem Netz der Jakobswege per Rad zurück. (Foto: privat)
 
Die Kette mit der Muschel aus Metall tragen Irmtraud und Peter Berhard seither jeden Tag als Glücksbringer.

„Bon camino!" - "Einen guten Weg!“ wünschen sich Menschen, die nach
Santiago de Compostela pilgern. Mittendrin zwei Südharzer. Auf dem Rad folgen sie dem Jakobsweg über 3700 Kilometer.

Nein, es war nicht der christliche Glaube, der sie in dieses Abenteuer trieb. Nicht die Suche nach Impulsen für ihr Seelenleben. Dennoch begaben sich Irmtraud und Peter Bernhard aus Appenrode auf den Jakobsweg. Auf jene Route, auf der schon im Mittelalter die Gläubigen ins spanische Santiago de Compostela pilgerten. Die Motivation der beiden Südharzer war weltlichen Ursprungs. „Es war die Sehnsucht, der Natur ganz nah zu sein“, erzählt Peter Bernhard (72). „Und die Herausforderung, den langen Weg mit eigener Muskelkraft zurückzulegen.“

Berührende Begegnungen


 Im Mai vergangenen Jahres machen sich die Eheleute vom Saarland aus auf den Weg. Nicht zu Fuß wie die meisten Pilger, sondern mit dem Rad. Ohne intensiv trainiert zu haben, radeln sie in 48 Tagen 3703 Kilometer – bei Regen und Hitze. Eine sportliche Leistung, die Respekt abfordert. Aber Irmtraud Bernhard (64) winkt ab: „Das ist doch nur eine Zahl.“ Viel bedeutsamer sind ihr die einzigartigen Eindrücke und berührenden Begegnungen. Sie erzählt von herzlichen, hilfsbereiten Menschen, die immer genau in dem Augenblick auftauchen, wenn das Paar nicht weiter weiß: Der Franzose, der im Nirgendwo ein Quartier vermittelt. Der Spanier, der die Gangschaltung repariert. Die Galizierin, die vorausfährt, um den Weg zu zeigen.

 Es sind Beobachtungen am Wegesrand, die im Gedächtnis bleiben: Wie der betagte Mann, der im kleinen Gehöft die Wiese mit der Sense mäht. Seine Frau harkt zusammen. Immer wieder reißen sie scheinbar für Tiere giftige Pflanzen aus dem hohen Gras, legen sie beiseite. „Der Anblick dieses alten Ehepaares hat mich zutiefst bewegt. Unwillkürlich sah ich meine Eltern vor mir, als ich Kind war.“

Fußpilger sind Frühaufsteher


 Weite Strecken fahren die Südharzer auf der Nationalstraße. „Auf dem steinigen Original Jakobsweg war mit dem Rad nichts zu machen“, erklärt die Radpilgerin. Zudem hat jeder 30 Kilo Gepäck an Bord. „Zelt, Matten, Kochgeschirr, Gaskocher und etwas Proviant – alles leistete uns gute Dienste.“ Nudeln mutieren zum Hauptnahrungsmittel. Übernachtet wird meist in Pilgerherbergen. Irmtraud Bernhard lacht: „Wir haben abends noch gekocht, Shirt und Hose gewaschen und waren die letzten, die in den Schlafsäcken verschwanden, Aber wir waren auch die letzten, die am Morgen wieder herauskrabbelten.“ Ihre Beobachtung: „Fuß­pilger sind Frühaufsteher und 7 Uhr schon über alle Berge.“ Umso mehr Platz haben Bernhards dann in der Enge der Gruppenunterkunft.

 Eukalyptushaine und Nektarinenplantagen, Atlantikküste und Höhenland – die Vielfalt der Landschaft bringt die Abenteurer ins Schwärmen. Ebenso die Kathedralen, die sie besuchen. Der Höhepunkt: die Kathedrale in Santiago de Compostela, die die Gebeine des Heiligen Jakobs beherbergt. Nach 2281 Kilometern haben sie am 30. Tag das Pilgerziel erreicht. Sie besuchen die Messe – ein ergreifender Moment. Doch für die Nordthüringer geht die Fahrt noch 18 Tage weiter – quer durch Spanien zum Mittelmeer. Wieder folgen sie dem Jakobsweg – nur diesmal dem Ziel abgewandt. Der Pilgerausweis füllt sich weiter mit Stempeln. Bis zum letzten Eintrag am Tag 48.

Impuls fürs Seelenleben


 Das Dokument wird Bernhards immer an ihre Pilgerreise erinnern. Genauso, wie die Muschelkette, die sie am symbolträchtigen Cruz de Ferro, dem höchsten Punkt des Jakobsweges, erhalten. Irmtraud Bernhard erinnert sich genau: „Erschöpft vom Anstieg aßen wir in 1500 Meter Höhe unsere letzten zwei Bananen, als plötzlich ein junger Pilgerbetreuer mit köstlichen Salaten erscheint. Es ist unser Hochzeitstag. Als er das erfährt, bringt er noch Rotwein und für jeden ein Lederband mit einer Muschel aus Metall.“ Zufall oder mehr? Wer weiß das schon. Das Paar ist zu Tränen gerührt und trägt das Geschenk seither als Glücksbringer. Und da ist er doch: der Impuls fürs Seelenleben.

Irmgard Bernhard veröffentlicht ihr Reisetagebuch jetzt als Buch. Interessenten können sich bei Ihr melden: Telefon 03 63 31 / 4 23 10
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