Nachts im Schlafsaal - ein Jahr in Peru

Anna und Laura (von links) haben die peruanischen Mädchen aus dem Internat inzwischen tief in ihr Herz geschlossen. Mit den beiden Freiwilligen aus Deutschland verbindet sie inzwischen ein vertrautes Miteinander. (Foto: Foto: Privat)
 
Wasserschaden in der Schule. (Foto: Foto: Privat)
Laura Nachtwey leistet einen Freiwilligendienst in den Anden

Nach dem Abitur wollte Laura Nachtwey etwas von der Welt sehen, sich darüber klar werden, ob das Lehramtsstudium wirklich das Richtige für sie sei, gleichzeitig aber auch Gutes tun. Sie entschied sich für den Freiwilligendienst, ein soziales Jahr im Ausland. Im September reiste sie nach Peru. Nach einem Sprachkurs begann ihr Einsatz im Mädcheninternat. Laura ist jetzt ein halbes Jahr dort und zog Zwischenbilanz vom Alltag, der so ganz anders ist als in Deutschland. Martin Wiethoff unterhielt sich mit ihr:

Wie sieht Dein Arbeitstag aus?
Er wird vom Internatsleben bestimmt. Unser Internat in Quebrada Honda inmitten der Anden beherbergt 43 Mädchen im Alter von 10 bis17 Jahren. Jeden Morgen stehen Anna, meine Mitvolontärin aus Nordrhein-Westfalen, und ich um 4.30 Uhr auf. Um 5 Uhr läuten wir die große Glocke zum Aufstehen. Um 5.30 Uhr ist es Zeit für die „Oficios“ der Mädchen: ihre Aufgaben im Haus. Anna und ich teilen dann das Frühstück aus. Genaues Timing ist wichtig, damit es die Mädchen pünktlich zur Schule schaffen.

Um 7 Uhr sind alle weg. Dann finden wir Zeit zum Frühstücken. Später besprechen wir mit zwei Schwestern den Tagesplan. Gegen 14 Uhr kommen unsere Kinder wieder. Dann rufen wir zum Mittagessen. Danach gibt es eine Stunde Zeit zum Spielen: Volleyball oder Yajes, ein Spiel mit kleinen Figuren, die man in der Zeit einsammeln muss, in der man einen Flummi in die Luft wirft.

Um 16.30 Uhr beginnt die Hausaufgabenzeit. Ich kümmere mich um Englisch, Anna um Mathe. In diesen Fächern existiert großer Nachholbedarf. Um 18 Uhr gibt es Abendessen, bevor es dann entweder zur Messe in die Kirche geht oder wir im Haus den Rosenkranz beten. 20.30 Uhr sollen die Mädels schlafen gehen. Erst dann können Anna und ich aufs Zimmer und haben Zeit für uns: zum Lesen oder E-Mails schreiben. Eine Stunde später begeben wir uns in die Schlafsäle. Anna zu den jüngeren Mädchen, ich zu den älteren. Nicht einfach, denn der ganz private Tagesabschluss fehlt.

Fühlst du dich aufgenommen?

Inzwischen ja. Es geht mir gut hier und ich bin glücklich. Vor einigen Monaten hätte ich das so nicht gesagt. Zum einen gab es die Sprachbarriere. Doch das wurde das besser, denn das Spanischlernen fiel mir leicht, als ich hier war. Das Schwierigere waren die beiden Schwestern hier im Projekt. Eine ist 42 Jahre alt, die andere 83. Immer wieder erlebte ich, wie sie die Kinder anschrien. Das konnte ich kaum mit ansehen, fand sie einfach nur ungerecht.

Inzwischen merke ich, dass es nicht anders ging. Wenn zwei Personen für 43 Mädchen verantwortlich ist, dann ist das kaum zu schaffen. Seit wir hier sind, wurden die Schwestern immer gelöster, werden viel seltener laut. Mittlerweile sind wir ein richtiges Team. Wir dürfen eigenverantwortlich arbeiten und unsere Ideen einbringen, zum Beispiel neue Tagespläne gestalten und eine neue Schlafsaalordnung erstellen. Ich merke, dass unsere Arbeit hier wichtig ist. Ohne uns Volontäre ist die Arbeit kaum machbar, zum anderen freuen sich die Mädchen, uns als Bezugspersonen zu haben. Zu uns haben sie ein ganz anderes Verhältnis. Wir sind jünger, können vieles besser verstehen. Und: Wir können wir mit ihnen toben, lachen, Spaß haben, ihnen zuhören.

Hast du auch mal frei?
Freizeit haben wir vor allem vormittags. Da wir unseren freien Tag in der Woche nicht nehmen wollen, wenn die Kinder hier sind, haben wir es so geregelt, dass wir einmal im Monat vier freie Tage am Stück haben. Oft fahren wir dann nach Cusco, fünf Stunden von hier. Ich genieße es, die Stadt mit all ihren alten Kirchen und tollen Museen zu erkunden. In der Umgebung finden sich alte Inkastätten, die ein ganz besonderes Erlebnis sind. Eine große Rundreise durch Peru werde ich mit meinen Eltern machen, wenn sie mich Ende Juli besuchen.

Ist Heimweh ein Problem?
Heimweh? Klar gibt es immer wieder Momente, in denen ich meine Familie und Freunde sehr vermisse und mich frage, warum ich eigentlich hier bin. Doch dann denke ich wieder, wie gut es ist, dass wir hier sind. Ich bin dankbar, dass ich hier für die Mädchen da sein darf. Sich das in diesen Momenten bewusst zu machen hilft.
Andererseits sind wir hier internetmäßig sehr gut versorgt, können Mails abrufen oder sogar skypen. Das ist nicht planbar, weil es immer wieder Tage ohne Strom gibt. Über Karten und Pakete aus der Heimat freue ich mich natürlich sehr.

Kannst du anderen Jugendlichem den Freiwilligendienst empfehlen?
Auf jeden Fall! Wichtig ist die Auseinandersetzung mit dem Land, in das man geht, und eine seriöse Organisation. Mit „Don Bosco Volunteers“ bin ich sehr zufrieden. Sie betreut uns hier ist sehr gut.

Für ein Problem brauchst Du Hilfe. Was wollt ihr in Ordnung bringen?
Es gibt im Haus Probleme mit Wasser, das in die Wände läuft. Im Computerraum schimmeln sie schon. Der Schimmel ist gesundheitsschädlich und macht die Wand instabil und gefährlich. Wir brauchen unbedingt Spenden, um das Problem beheben zu können. Auf meinem Blog www.strassenkinder.de/lauraenperu berichte ich regelmäßig über unser Vorhaben. Schon jetzt sage ich danke für jede Unterstützung!
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