Nächstes Buch über Grönland?

Corinne Hofmann am 27. März in Nordhausen-Werther.
 
300 Fans aus Nordhausen und Umgebung verfolgten ihre Erzählungen über Namibia und Kenia.
 
Liebe Grüße an alle Leser und Leserinnen des AA von Corinne Hofmann
 
Gern schrieb sie persönliche Widmungen.
 
Die Zuhörer standen schlange, um sich ihre Bücher signieren zu lassen.
Seit Juni 2011 ist Corinne Hofmann deutschlandweit auf Lesetour, um ihr viertes Buch „Afrika, meine Passion“ vorzustellen. Am 27. März 2012 war sie in Nordhausen-Werther zu Gast und begeisterte knapp 300 Menschen mit ihren Erlebnisberichten und Filmen über ihre knapp siebenwöchige Fußwanderung über 740 km durch Nord-Namibia (2009), ihren Besuch in den Slums von Nairobi (2010) und über die erste Begegnung ihrer Tochter Napirai mit dem Vater und dessen Familie in Kenia (2010).
Gern beantwortete die sympathische Schweizerin noch unsere Fragen:


Wie schreiben Sie Ihre Bücher? Machen Sie sich Notizen in einer Art Tagebuch oder schöpfen Sie aus Ihren Erinnerungen?
Die Erlebnisse sind so intensiv, dass sie sich einprägen. Außerdem habe ich viel fotografiert und auch gefilmt. Das hilft mir dann bei Gedächtnislücken.
Welche Gemeinsamkeiten entdeckten Sie beim Trekking durch Namibia zwischen den dort lebenden Himbas und den Massai bzw. Samburus aus ihrer früheren Heimat Kenia?
Es sind ihre Lebensgewohnheiten. Beide sind Hirten und Nomaden. Sie leben in der Natur von Kuhmilch und Getreide, essen das Gleiche und haben ähnliche Gesten. Auch dass sie ihre Körper mit rotem Butterfett einreiben, haben sie gemeinsam. Sie leben in Krals (Dörfern) und dort in Manjatas (Hütten). Die Samburus legen keine Gärten an, doch sie züchten auch Tiere. Tiere sind für sie ganz wichtig.

Wie kommt man mit zwei bislang völlig fremden Menschen bei einer so langen Trecking-Tour durch Namibia klar?
Der eine war ja der junge Namibianer Lukas, der andere war ein Schweizer Tourguide. Man muss sich aufeinander einlassen können. Bis zu einem gewissen Punkt geht das, doch Reibereien bleiben natürlich nicht aus, wenn man sechseinhalb Wochen unter Extrembedingungen unterwegs ist, wenn es heiß ist und der eine lieber einmal eine Pause machen, der andere aber eher weitergehen würde. Man darf kein Gruppenmensch sein, ständig aufeinandersitzen wollen, sondern muss auch mal ein, zwei Stunden allein laufen können. Bei mir ging das, weil ich ja schon in Kenia im Busch draußen gelebt habe und auch oft auf mich allein gestellt war.
Ich merkte sehr schnell, dass ich in meinen Rhyhmus kommen muss. Das schaffte ich beim Laufen durch meine Alleingänge - wie auch zu Hause in den Bergen, wo ich sieben, acht Stunden am Stück laufe. Man nimmt dann alles ganz anders wahr, als wenn immer noch jemand neben einem herläuft. Ich habe meinen Rhythmus gefunden, konnte mich völlig auf die Umgebung einlassen. Dabei entwickelt sich dann ein Hochgefühl, das einen weiterträgt, auch wenn man dicke Blasen an den Füßen hat.
Andererseits waren auf dem Trecking natürlich unbedingt die Begleiter nötig: wegen der Planung, der GPS-Kentnisse und auch wegen der Kamele. Allein ginge das gar nicht.

In welchen Situationen hatten Sie Angst um Ihr Leben?
Das war bei der Begegnung mit den Wüstenelefanten. Aber mehr noch bei meinem Alleingang im Nebel. Der war für mich noch viel extremer, schlimmer und gefährlicher: Ich hatte mich an alle Anweisungen gehalten, war im Flussbett gegangen. An der ersten Fahrspur hatte ich das Flussbett verlassen. Der Nebel wurde dichter und dichter, doch plötzlich, einen kurzen Moment lang lichtete sich der Nebel. Da sah ich, dass ich überhaupt nicht mehr an diesem Fluss, sondern entgegengesetzt auf die Berge zu gelaufen war. Der Fluss war sehr weit weg, denn ich war etwa eine Stunde lang in die falsche Richtung gegangen.
Mir war klar, dass die Männer weitergelaufen waren und ich sie verloren hatte. Als ich meinen Fehler bemerkt hatte, rannte ich zurück. Da war mir nicht mehr wohl. Ich fragte mich, wie find ich die jetzt wieder? Es war kalt, immer noch neblig und unheimlich. Ich musste mich am Boden orientieren und die Spuren suchen. Ich kannte ja die Kamelabdrücke und musste sie in dem riesigen, breiten Flussbett suchen, damit ich die beiden Beiden irgendwann finden könnte. Als sie bemerkten, dass sie mich nicht eingeholt hatten, sind sie umdreht und mir entgegengegangen. Wir haben uns schließlich gefunden.

Bei Ihren Alleingängen im Morgengrauen waren Sie der Natur, den Tieren und möglicherweise auch den unbekannten Einheimischen schutzlos ausgeliefert. War Ihnen das bewusst?
Ja schon. Bei den Tieren waren es vor allem die Elefanten. Aber in Kenia hat es viel mehr Tiere - vor allem Löwen - gegeben und ich musste dort auch allein zum Fluss und Wasser holen. Das hat mich nicht so geängstigt.
Bei den Menschen gab es nur eine Situation: als ich allein im Camp war und ein Mann kam, die Kinder wegschickte, sich mit seiner Machte hinsetzte und mich unentwegt wortlos anschaute. Da war mir nicht wohl. Da lag etwas Unheimliches in der Luft. Ich ging mein Pfefferspray holen, und dann kamen zum Glück auch meine Begleiter von ihrer Erkundungstour zurück. - Normalerweise kann einem nichts passieren, schon gar nicht in einer Dorfgemeinschaft. Da tut einem niemand etwas, wenn man freundlich auf die Menschen zugeht. Das habe ich immer wieder gemerkt.

Im zweiten Teil des Buches berichten Sie von Ingrid, einer Schwedin, die die afrikanischen Frauen zum Sparen animierte, indem sie am Ende der Woche das gesparte Geld um den doppelten Betrag aufstockte. Woher hatte Ingrid so viel Geld?
Sie hat das anfangs aus ihrer eigenen Tasche finanziert. Sie und ihr Mann waren UNO-Angstellte. Sie haben ihr ganzes privates Geld in die Sache hineingestekt. Am Anfang wares etwa 50 Frauen, die sparten. Da ging es um 6, 7 Euro, das war noch machbar. Später wurde das Systen weit größer und dann wurde es wie bei einer Art kleinen Bank „Microkredit“ gehandhabt.
Heute zahlen die Kreditnehmer ein ganz klein wenig drauf, aber nie in der Höhe, als wenn sie einen Kredit bei einer normalen Bank nehmen würden. Die verlangen Wucherpreise, da ist ein Kredit kaum finanzierbar.
Inzwischen finanziert sich das Mini-Banksystem „Microkredit“ von Ingrid selbst. Es braucht immer Fünf. Vier machen eine Einlage und bürgen, dann kann eine andere einen Kredit bekommen. Gleichzeitig können nie alle Geld nehmen. Dadurch gibt es immer einen Überschuss.

Was macht Napirai heute?
Sie hat eine Ausbildung zur Maskenbildnerin gemacht, zuerst eine Ausbildung zur Make-up-Artistin und dann noch eine zum Friseur. Sie arbeitet bei einem internationalen Friseur in Zürich und nebenbei stattet sie Mädchen für Hochzeiten und Modeshootings aus, macht Make-up und Haare. Sie ist 23 und lebt in Zürich in einer WG.

Wie alt ist die „Mama“, Lketingas Mutter. Wie geht es ihr?
Sie ist so um die 70 oder sogar schon etwas drüber. Man kann das nur schätzen. Die meisten Mädchen bekommen ihre ersten Kinder zwischen 14 und 16. Wenn ich das bezogen auf den ältesten Sohn hochrechne, der fünf Jahre älter ist als mein Ex-Mann Lketinga - also 59 -, dann müsste die „Mama“ etwas über 70 sein, was dort in Afrika natürlich sehr hoch ist. Lketinga ist wohl 54, weil auf seiner ID die 58 für das Geburtsjahr steht. Auf dem Land werden die Menschen alle nur geschätzt, Geburtstag feiert man dort nicht. - Deshalb konnte Lketinga ja auch nicht verstehen, warum ich meinen Geburtstag feiern wollte (1. Buch). Er konnte nicht nachvollziehen, was da so speziell dran ist an dem Tag, an dem man geboren ist, und warum man den feiert.
Die Menschen auf dem Land haben natürlich auch keinen Stress von wegen 'schon wieder ein Jahr älter...'. Wenn man sich hingegen bei uns umschaut, kann man die Leute gar nicht mehr einschätzen. Unsere Frauengeneration mit 50 ist mit ihren Großmüttern nicht mehr vergleichbar. Früher sahen diese Frauen wirklich schon alt aus und heute fühlen wir uns längst nicht so, wie meine Großmutter mit 50 auf Bildern aussah. Da fühle ich mich schon 10 Jahre jünger. Man bleibt länger frisch.
Andererseits bekommt man in einer Kultur wie bei den Samburus mit zunehmendem Alter auch größeres Ansehen. Je älter man dort wird, desto wichtiger wird man für Entscheidungen. Man darf mitsprechen und das finde ich schon ganz richtig. Denn mit 25 weiß man nicht das, was man mit 50 oder mit 75 weiß.

Wie geht es Ihren „echten“ Eltern? Wie denken sie über Ihre enge Bindung zur „Mama“ und Ihrer afrikanischen Familie? Haben sie Verständnis dafür?
Meinen Eltern geht es gut. Sie sind beide anderweitig verheiratet. Meine Mutti fndet die „Mama“ auch großartig von dem, was sie aus meinen Erzählungen und den Filmen kennt. Eifersüchig ist sie nicht. Sie versteht meine Leidenschaft für Afrika, weil ich auch ein wenig den Traum, den sie als junges Mädchen hatte, lebe.
Sie wollte gern nach Afrika und ein Hilfswerk aufbauen, aber ihre Eltern hießen das nicht gut, besonders ihr Vater. Deswegen hat sie da schon mehr Verständnis als manch anderer. - Ein bisschen habe ich dann auch ihren Traum verwirklicht, obwohl sie gewiss nicht dort geheiratet oder dort gelebt hätte. Das sagt sie mir auch heute oft. Sie hatte aber immer etwas Gutes für die Menschen dort im Sinn.

Wie nachhaltig hat Napirai die Begegnung mit ihrem Vater + Familie berührt? Fühlt sie sich ihnen wirklich verwandt? Wird sie wieder in ihre „alte“ Heimat reisen?
Sie möchte auf jeden Fall wieder hin; nicht heute und nicht morgen. Sie möchte noch mehrmals hin, aber es ist eine logistische Sache und es ist eine anstrengende Reise, nicht ganz einfach. Ihr hat die Bgegnung sehr, sehr gut getan. Sie hat richtig ihr Herz für Afrika geöffnet. Sie lässt Afrika heute viel mehr zu, auch an sich als Person. Viel, viel mehr. Da ist richtig ein Faible ausgebrochen. Sie hat etwas entdeckt, wofür sie sich richtig begeistert. Ich bin sehr froh darüber, dass sie sich heute zu dieser Kultur gesellt und dazu steht und das Spannende, Lebendige sieht. Sie möchte nicht dort leben, aber sie hört viel mehr die Musik von dort, kleidet sich anders, trägt heute die Attribute von Afrika viel mehr an sich, als das früher der Fall war.

Entwickeln Sie heute noch ähnliche Gefühle und Sehnsüchte, wenn Sie die jungen stolzen Massai-Krieger sehen?
Nein. Das war damals DER Mann. Die Aura, die Lketinga hatte, war schon ganz speziell. Da kann ich heute andere angucken, da passiert nichts. Das war übrigens auch schon damals so. Es war DIESER Mann. Da hat alles gestimmt.

Wie kommt Lketingas Frau mit der Vorgeschichte ihres Mannes zurecht? Welches Verhältnis haben Sie beide?
Das kann ich nicht sagen, weil ich mich mit ihr nicht ausführlich unterhalten habe. Ich glaube nicht, dass sie einen Groll gegen mich hat. Ich unterstütze die Familie seit Jahren und davon profitiert sie ja auch.
Man muss auch wissen, dass die Frauen dort andere Gefühle haben. Sie heiraten nicht, sie werden geheiratet. Die Frau sucht sich nicht ihren Mann aus, sondern er hat sie ausgesucht, den Antrag bei ihren Eltern gestellt und die Eltern waren dann sicher einverstanden. Es gab dann einen Handel: soundsoviel Geld, soundsoviel Kühe oder Ziegen und soundsoviel Zucker. Und mit diesem Tausch wurde sie dann verheiratet.
Aber: Sie macht keinen unglücklichen Eindruck. Ich glaube, die Zwei kommen recht gut miteinander klar. Sie war freundlich zu mir. Aber wir haben uns nicht stundenlang unterhalten. Ich glaube, das würde auch Lketinga nicht wollen. Das ist auch nicht wichtig.
Die Frauen sind nicht eifersüchtig, weil die Männer dort gleichzeitig zwei oder drei Frauen haben könnten. Theoretisch könnte Lketinga noch eine Frau heiraten.

Wie geht es in Ihrem Leben weiter, haben Sie schon wieder neue Pläne? Wie „tanken“ Sie auf, woher nehmen Sie Ihre Kraft?
Ich hoffe auf weitere spannende Abenteuer. Ich werde viel Zeitung lesen, viele Inserate studieren. - Jetzt mache ich noch meine Vortragstour fertig bis Ende Mai (am 3. Mai Bad Salzungen, am 4. Mai Suhl und am 5. Mai Jena). Und dann schauen wir mal, was passiert. Ob ich im Herbst noch etwas mache, entscheide ich, wenn die Frühjahrstour durch ist. Dann habe ich drei Monate Zeit. - Spaß machen die Veranstaltungen immer. Ich mache das wahnsinnig gern. Aber in bin auch ein Mensch, der nach einer gewissen Zeit wieder nach neuen Ufern strebt und schaut, was im Leben passiert. Wenn ich nur von einem Termin zum nächsten rase, dann habe ich keine Zeit, die Augen, die Ohren und das Herz offenzuhalten.
In der freien Zeit, wie auch nach jeder Lesetour, genieße ich die Berge. Das ist übrigens auch meine Energiequelle. Den ersten Tag nach so vielen Begegnungen mit so vielen Menschen muss ich allein sein, am zweiten Tag nehme ich oft eine Wanderfreundin mit.
Ich habe noch nie geplant. Es ergibt sich immer etwas.

Was haben Sie noch für einen Traum? Was müsste in einem Inserat stehen, auf das Sie wieder spontan „anspringen“ würden? „Suche Reisebegleitung …?“
Corinne Hofmann lacht herzhaft!
Abenteuer müsste drinstehen, am liebsten Afrika, Wildnis... Dann würde ich das schon dreimal lesen. Und wenn es dort ist, wo ich noch nie war - warum nicht?
Wenn es ein Trekking durch China wäre auch?
Ne. Komischerweise nicht. China nicht. Was mich noch fasziniert - und das ist das pure Gegenteil von Afrika - ist die Antarktis. Oder Grönland. Das möchte ich auch noch. Nicht monatelang. Dafür würden mir wohl 10 Tage reichen.
Vor drei Jahren hatte ich mal eine Grönlandeise gebucht als Skitour durchs Land. Aber ich hatte dann 10 Tage vor der Abreise einen Knieunfall. Da habe ich mir gesagt: Es hat nicht sein sollen. Wer weiß, warum?! - Ich weiß, dass ich irgendwann noch Eisschollen sehen werde!
Afrika kann zeitlich gern ein, zwei Monate durchgehen, aber für Eis und Kälte würden 10 Tage reichen.
Na dann freuen wir uns auf Ihr fünftes Buch aus Grönland!





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1 Kommentar
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Lydia Schubert aus Nordhausen | 16.04.2012 | 18:58  
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