Ralph soll leben!

Ralph Ende Februar im Göttinger Uni-Klinikum. Drei von fünf kräftezehrenden Chemotherapien hat er hinter sich. (Foto: Kutsche)
 
Im Juli 2012 genoss Ralph mit Schwester Anita unbeschwert das Idyll im Garten der Großeltern An der Bachmühle in Sondershausen. (Foto: Kutsche)
Nordhausen: Fachhochschule |

Stammzellenspende kann ihn retten – Typisierungsaktion am 4. Mai in der Fachhochschule Nordhausen


NORDHAUSEN. "Er war nie krank, hatte höchstens mal einen Schnupfen", erzählt Silvia Kutsche (47) über ihren Sohn Ralph. Der 22-Jährige, eigentlich ein baumstarker hübscher junger Mann, mag alles, was junge Männer eben so mögen: Autofahren, Musikhören - am liebsten Hard-Tech - Freunde treffen, auch mal abhängen. Volleyball und Kampfsport haben es ihm auch angetan, ebenso der stille Ausgleich Angeln. Doch seit dem 24. Januar läuft Ralphs Leben nicht mehr im gewohnten Trott. Seit jenem Dienstag will er nur noch eins: LEBEN!

Die Diagnose haute ihn um: Leukämie. Tags zuvor war er bei der Arbeit einfach fix und fertig gewesen. Der Schweißer war zum Arzt gegangen. Der kam nach dem Befund des Blutbildes noch am selben Abend zu Ralph nach Hause. "Sofort ins Krankenhaus!" Dort die erschreckende Diagnose. Verlegung nach Göttingen und erste Chemotherapie am 25. Januar. - Noch zwei Tage zuvor war die Welt (scheinbar) in Ordnung gewesen.

"Man kann nicht mehr denken. Alles geht drunter und drüber im Kopf", gibt Silvia Kutsche ihre Gefühle wieder. Die Frage nach der Ursache bleibt unbeantwortet. Es kann jeden treffen! Jetzt zählt nur der Blick nach vorn.

Inzwischen hat Ralph Faßheber die dritte Chemo hinter sich. Auch die war wieder ein Hammer. Wie die erste. Nun 21 Tage lang zu Kräften kommen, Infektionen vermeiden und warten. Dann werden die Leukozyten gezählt. Liegen sie über 1000, kann Ralph für ein, zwei Tage nach Hause. Das ist für ihn momentan das Heim von Oma Ursula Nickel und Opa Achim in Sondershausen. Dort kann sich Ralph, der in Sondershausen geboren und aufgewachsen ist, von seinen Lieben so richtig verwöhnen lassen. Oma Uschi kocht sein Lieblingsessen, päppelt ihn auf. Momentan mag er Frisches: Obst und Gemüse statt der sonst so geliebten Fleischportion. Auch Mutti Silvia kommt vorbei, verlässt die heimische Baustelle in Holbach. "Die ganze Familie ist um Ralph besorgt. Alle unterstützen uns", beschreibt Silvia Kutsche den Aktionismus von Verwandten und Freunden.

Doch es werden noch mehr Unterstützer gebraucht! Nach der fünften Chemo Ende Juni ist Ralph nicht automatisch gesund. Der Gendefekt im Knochenmark bleibt. Solange, bis ein geeigneter Stammzellenspender gefunden ist, mit dessen Hilfe Ralph gesunde Zellen transplantiert werden können.

Um diesen genetischen Zwilling zu finden, startet die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) am 4. Mai in der Turnhalle der Fachhochschule Nordhausen eine Typisierungsaktion. Jeder zwischen 18 und 55 Jahren, der gesund, nicht stark über- oder untergewichtig ist und keiner Risikogruppe angehört, kann sich als potenzieller Spender registrieren lassen und mit seiner Blutprobe zum möglichen Lebensretter werden. FH-Präsident Prof. Jörg Wagner, Landrätin Birgit Keller und Nordhausens Oberbürgermeister Dr. Zeh übernehmen die Schirmherrschaft.

Neben den Blutproben sind auch dringend Geldspenden nötig, denn die Kosten für Analyse und Aufbereitung der Blutproben sind sehr hoch. Hier ist jeder Euro bitter nötig. Bürger, die sich nicht als Stammzellenspender registrieren lassen können, sind auch als Geldgeber gefragt; ebenso Unternehmen, Organisationen, Vereine oder Benefizveranstalter.

Höhenflüge hat Ralph übrigens nicht. Wenn er es geschafft hat, wünscht er sich nur eins: das ganz normale Leben.

WAS? WANN? WO?

Typisierungsaktion, 4. Mai, 10 – 16 Uhr, Turnhalle der Fachhochschule Nordhausen, Weinberghof, Parkplätze vorhanden

DKMS-Spendenkonto:

Konto-Nr.: 30 500 1949, Kreissparkasse Nordhausen, BLZ: 820 540 52


Alle wichtigen Infos:


www.dkms.de

Spickzettel zu Vorurteilen, die FALSCH sind

1. Vorurteil/Falsch:
„Stammzellen werden dem Rückenmark entnommen.“

Fakt:
Rückenmark (ein Teil des zentralen Nervensystems) und Knochenmark (das wichtigste blutbildende Organ des Menschen) werden häufig verwechselt. Das Rückenmark des Spenders bleibt unberührt. Das Knochenmark bzw. die Stammzellen werden – wenn die Entnahme mit dem operativen Eingriff erforderlich ist – aus dem Beckenkamm entnommen. Die Entnahme erfolgt unter Vollnarkose.

2. Vorurteil/Falsch:
„Für die Stammzellspende ist immer eine Operation nötig.“

Fakt:
Neben dem operativen Eingriff – der Knochenmarkentnahme aus dem Beckenkamm – gibt es eine weitere Möglichkeit, Stammzellen zu spenden: Mit ca. 80 % ist die sogenannte periphere Stammzellentnahme sogar die am häufigsten durchgeführte. Dabei werden Stammzellen über ein spezielles Verfahren aus dem Blut gesammelt. Dies geschieht ambulant ohne Narkose.

3. Vorurteil/Falsch:
„Wenn ich Stammzellen weggebe, dann fehlen sie mir irgendwann einmal.“

Fakt:
Der Körper bildet die Stammzellen innerhalb von zwei Wochen neu. Das Verfahren ist mit einer Blutspende vergleichbar und führt nicht zu einem dauerhaften Verlust der Stammzellen.

4. Vorurteil/Falsch:
„Der Spender muss die gleiche Blutgruppe wie der Patient haben.“

Fakt:
Bei der Stammzelltransplantation kommt es nicht auf die Übereinstimmung der Blutgruppen an, sondern auf die möglichst genaue Übereinstimmung der Gewebemerkmale
(HLA-Merkmale) zwischen Spender und Patient. Eine nahezu 100 %ige Übereinstimmung zu finden, ist sehr kompliziert und wird deshalb mit der sprichwörtlichen Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen verglichen. Kommt es zur Spende, dann übernimmt der Empfänger mit den Stammzellen auch die Blutgruppe seines Spenders. (Quelle: DKMS)
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4 Kommentare
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Karin Jordanland aus Artern | 16.04.2013 | 17:57  
9.688
Hannelore Grünler aus Artern | 16.04.2013 | 21:21  
12.761
Renate Jung aus Erfurt | 16.04.2013 | 22:19  
657
Birgit Baier aus Gotha | 17.04.2013 | 07:58  
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