Sandmalerin Katrin Weißensee: Kunst muss fließen

Poesie in Sand gemalt: Katrin Weißensee erzählt mit wenigen Strichen heitere Geschichten. Foto: Tom Davis (Foto: Foto: Tom Davis)
 
Katrin Weißensee stammt aus dem thüringischen Crawinkel (Landkreis Gotha) und lebte zehn Jahre in Berlin. Heute wohnt die Sandmalerin in Herrenberg bei Stuttgart. Fotos: Tom Davis (Foto: Fotos: Tom Davis)

Katrin Weißensee ist Sandmalerin und lässt sich zum MDR-Sommernachtsball auf die Finger schauen

Feine Körner rieseln durch ihre Hände, fügen sich zu kleinen Kunstwerken. Sandmalerin Katrin Weißensee verblüfft mit einer seltenen Kunst. Am Samstag malt sie als Gast des MDR-Sommernachtsballs im Vitalpark in Heilbad Heiligenstadt ihre Sandgeschichten. Redak­teurin Sibylle Klepzig sprach mit der gebürtigen Thüringerin vorab über Karriere, Nacht­falter und Sandkastenliebe.

Es hat etwas Zauberhaftes, wie Ihre Figuren entstehen. Wie ich gelesen habe, liegt das in der Familie...
In der Tat: Mein Papa war Zauberer. Schon als kleines Kind bin ich zwischen den Künstlern herumgesprungen. Auch gemalt habe ich wahnsinnig gern. Ich wollte auf die Bühne oder Kunstmalerin werden.

Sind Sie deshalb von Crawinkel nach Berlin gegangen?
Ja, wegen der Kunstszene. In Berlin habe ich die offenen Bühnen kennengelernt und mir neue Dinge ausgedacht, um dort aufzutreten. Zum Beispiel habe ich Bilder mit Schwarzlicht gemalt und dazu Balladen erfunden.

Wie haben Sie zur Sandmalerei gefunden, die damals hierzulande noch niemand kannte?
Ganz unromantisch durch das Internet. Ich habe mir gedacht: Es muss doch auf dieser Welt irgendwo jemanden geben, der unterhaltsam vor Menschen malt. Ich habe eine Nacht lang recherchiert – und Sandmaler entdeckt: eine Israelin, einen Mexikaner und einen Ungarn. Das war im Winter 2006/2007. Ich war fasziniert und tüftelte mit Kulissenbauern herum, wie so ein Sandkasten beschaffen sein muss. Dann hatten wir die Lösung: der Sand liegt auf der Glasscheibe, das Licht drunter und die Kamera drüber. 2008 trat ich das erste Mal auf.

Verwenden Sie Spezialsand?
Ja, schon. Es ist Quarzsand, den ich aufbereite. Er muss sehr gleichmäßig sein, die Körner von bestimmter Größe. Vor allem darf er keinen Muschelkalk enthalten. Quarzkörnchen sind rund, die kann ich so richtig schön über die Glasscheibe fließen lassen.

Setzen Sie auch spontane Ideen um?
Nein. Eine Geschichte zu bauen, dauert lange. Das Timing muss stimmen, jeder Strich muss sitzen. Da wird nichts improvisiert. Würde ich beim Malen überlegen, wäre die Musik schon weg. Es ist alles sehr, sehr intensiv trainiert. Einen Fehler zu korrigieren, dafür fehlt die Zeit.

Haben Sie Ihr Sandsäckchen immer dabei?
Es steckt natürlich in meinem Requisitenkoffer. Fünf bis sieben Kilo Sand brauche ich für den Auftritt. Auf der Glasscheibe liegt zwar nur eine dünne Schicht, aber wenn ich schnell und fließend malen möchte, muss ich aus den Vollen schöpfen können.

Vor allem aber malen Sie schnell...
Eigentlich male ich gar nicht so schnell. Es wirkt nur so, weil sich mit eins, zwei Strichen eine komplett andere Ebene, ein neues Bild schaffen lässt. Das täuscht Geschwindigkeit vor. Es ist die Illusion, die man damit schafft.

Wurde Ihr Kunstwerk beim Auftritt schon einmal vom Winde verweht?
Selten, aber es kommt vor. Ich kann das inzwischen ganz gut ausgleichen. Außerdem umgibt mich bei Open-Air-Auftritten ein Schutznetz. Das ist gut gegen große Regentropfen und gegen Wind. Hauptsächlich aber verhindert es, dass Nachtfalter in den Sandkasten fliegen und das Bild zerstören. Sie werden ja durch die Lichtquelle angelockt.

Sind Sie traurig, dass Ihre Kunstwerke so vergänglich sind?

Nein, überhaupt nicht. Ich bin kein Mensch, der die Absicht hat, etwas ganz Großes, Bleibendes zu hinterlassen nach dem Tod. Ich finde, Kunst muss lebendig sein. Ich sehe sie am liebsten da, wo die Menschen sind. Draußen, auf der Straße, an den Wänden. Ich finde es toll, wenn man etwas Gutes geschaffen hat. Aber es ist auch toll, wenn dann Platz ist, um etwas Neues zu machen. Die Welt lebt, das Wasser fließt und das muss Kunst auch.

Ist Ihre Karriere nur auf Sand gebaut?
Im Moment schon. Ich bin wirklich ausgelastet mit der Sandmalerei. Zwischen den öffentlichen Auftritten engagieren mich Unternehmen – für Tagungen, Kongresse, Promotion-Aktionen. Im Verhältnis zu anderen Künstlern gibt es doch sehr wenig Sandmaler.

Erinnern Sie sich an Ihre Sandkastenliebe?
Oh je, ich glaube, er möchte nicht genannt werden. Aber ich habe als Kind wirklich total gern im Sandkasten gespielt. Im Hof meiner Eltern gab es kleine Molche und Frösche. Für die habe ich Städte gebaut.

Was zeigen Sie den Gästen des MDR-Sommernachtballs in Heiligenstadt?
Wenn das Wetter mitspielt, werde ich zwei Sandgeschichten malen. Sie handeln von Träumen, Sommer, Sand und Urlaub. Das setze ich am liebsten um. Die Sandkunst ist schon eine sehr poetische Kunst. Das möchte ich in meinen Bildern wiedergeben.

Infos und Kontakt: www.sandperformance.com



Termin:

MDR Thüringen Sommernachtsball, Samstag, 9. August,
19.30 Uhr Vitalpark, Heilbad Heiligenstadt
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1 Kommentar
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Antje Hellmann aus Jena | 07.08.2014 | 13:47  
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