Schwermetaller auf Sendung

Nutzer der ersten Stunde beim Offenen Kanal Nordhausen: Wolfgang Scholz mit seiner Sendung "Monsters Metal Hour".

Er fährt den Regler nach oben, die rote Lampe über dem Studio leuchtet und der Opener zur Sendung läuft: Wolfgang Scholz ist „on Air“. Und das seit 15 Jahren beim Offenen Kanal Nordhausen (OKN) auf der Frequenz 100,4. Alle 14 Tage, immer montags ab 17 Uhr, läuft seine einstündige Sendung „Monsters Metal Hour“. Gespielt wird ausschließlich Musik aus der Welt des Hard´n Heavy. Motörhead, Manowar, Accept und Exodus zum Beispiel. „Für mich ist Heavy Metal mein Leben und mein Zeitvertreib. Seit Kindheitstagen bin ich ein fanatischer Anhänger“, beschreibt der 54-Jährige seine Liebe zur „Schwermetallmusik“.



Irgendwann in jungen Jahren hat sein Bruder in ihm die Leidenschaft für die Musik entfacht. „Das war noch zu Zeiten von Röhrenradios. Mit acht Jahren war Fire aus dem Album The Crazy World of Arthur Brown mein Lieblingslied“, sagt Scholz. Später kamen Bands wie Deep Purple, Black Sabbath, Led Zeppelin oder Solokünstler wie Jimi Hendrix hinzu. Doch nicht nur im heimischen Jugendzimmer wurde sich der Musik voller Eindringlichkeit und Leidenschaft hingegeben. „Man kam mit Leuten zusammen, die die gleiche Musik hörten und auch ein bisschen anders sein wollten“, erinnert er sich gern an die alten Zeiten zurück.

Aufregende Anfangszeit

Ebenso wie an die Anfänge beim Lokalradio. Die enge Freundschaft zu Medienassistent Peter Jentsch gab den entscheidenden Impuls für eine eigene Sendung. „Als eingefleischter Heavy Metal Fan möchte man auch ein bisschen Werbung für die Musik machen. Peter frage mich, ob ich mir eine eigenen Sendung vorstellen könne.“ Das konnte er und war einer der ersten Nutzer, die beim OKN eine Sendung produzierten. „Wenn ich etwas mache, dann nicht nur so halb, sondern vernünftig und richtig.“ Die Erinnerungen fließen nur so aus ihm heraus. Als „aufregend“ bezeichnet er die Anfangszeit. Ungewohnt noch die zahlreichen Regler am Tonmischpult oder das Sprechen ins Mikrofon.

Heute bedient er die Technik mit viel Routine. Aufgeregt sei er aber immer noch wie am ersten Tag: „Vorher bin ich immer etwas wuschig, aber das gibt sich mit der Zeit. Man versucht sich nicht zu versprechen und sich klar auszudrücken.“ Auch mit 54 Jahren ist für ihn der Lernprozess beim Radio noch lange nicht abgeschlossen: „Man versucht von Sendung zu Sendung immer ein bisschen besser und professioneller zu werden. An der Aussprache und am Ausdruck kann man immer arbeiten.“

Mehr als 350 Sendungen in 15 Jahren

Gearbeitet wird bereits vor der Live-Sendung. Nämlich etwa drei Stunden, wenn nach Informationen zu Bands oder Veranstaltungstipps am heimischen PC recherchiert wird. „Gerade wenn man unbekannte Bands spielt, dann muss man sie auch näher vorstellen.“ Die Ergebnisse seiner Recherche finden sich in einem Notizheft wieder. Ebenso wie die Titelreihenfolge mit den Minutenangaben. „Die Bücher habe ich alle noch. Es sind gar nicht so viele: vier bis fünf.“ Etwas gewaltiger mutet da schon eine andere Zahl an: Mehr als 350 Sendungen hat er seit dem Sendestart des OKN produziert.

Gespielt wird, was Scholz auch selbst gern hört. Ganz gern auch mal Livekonzerte. Auf eine Richtung festlegen will er sich dabei nicht. „Das wäre mir zu langweilig. Die Bandbreite beim Heavy Metal ist einfach unerschöpflich.“ An Themen wird es ihm in der Zukunft also nicht mangeln. Zudem stehen auch regionale Bands gelegentlich mal auf seiner Liste, die er sich ins Studio einlädt und interviewt. Ein ganz Großer der Szene steht dort ebenfalls: Ian „Lemmy“ Kilmister. Mit dem Sänger seiner Lieblingsband Motörhead würde er gern mal „ein Bier trinken gehen. Seit ich die Band und die Stimme von Lemmy 1980 das erste Mal gehört habe, wusste ich, dass ist es. Motörhead hat mich geprägt und geht über alles.“

"Ich kaufe nur die Originalalben, lade mir nichts herunter."

Mit seiner Familie hat er sich arrangiert. „Sie lässt sich gut mit meinem Hobby vereinbaren. Man muss nur Prioritäten setzen“, sagt Scholz mit einem Schmunzeln. Zu seinen größten Kritikern gehören sie aber nicht. „Meine Frau hat es langsam aufgegeben, sie hört nicht diese Richtung. Mein großer Sohn hört ab und zu mal rein, aber er ist ziemlich kritiklos.“ Gehört wird Scholz von einer treuen Fangemeinde gleichgesinnter Schwermetaller. Über die Jahre ist das Radio für ihn zu einem richtigen Hobby geworden.

Und dafür greift er gelegentlich auch mal tiefer in die Tasche. Zwischen 50 und 100 CDs kauft er sich im Jahr, um dem Hörer die Vielfalt des Heavy Metals näher zu bringen. „Ich habe mal mit dem Doppelten angefangen. Ich kaufe nur die Originalalben, lade mir nichts herunter.“ So kommt es auch nicht von ungefähr, dass er mittlerweile 2.000 CDs, 200 Schallplatten und rund 60 DVDs sein Eigen nennen darf.

Mitschnitt mit dem Tonbandgerät

Zu DDR-Zeiten ein Unding: Es war nämlich nicht so leicht an die begehrten Platten zu kommen. Arrangiert hat man sich mit einem Tonbandgerät. Es war billiger wie eine Kassette und es passte auch mehr drauf. „Zu DDR-Zeiten kam einfach mehr Heavy Metal im Radio. Da wusste man ganz genau, wann zum Beispiel die Beatkiste kam. Man saß dann vorm Radio und hat die Sendungen mitgeschnitten“, erzählt Scholz voller Begeisterung.

Die Zeiten sind für ihn längst vorbei. Seit 15 Jahren sitzt er nun selbst hinter dem Mikrofon und moderiert seine eigene Sendung. Ob er noch mal 15 Jahre macht? „Wer weiß, was die Zukunft bringt. Ich mache mir darüber noch keine Gedanken.“ Worüber er sich aber Gedanken gemacht hat, sind die Wünsche zum OKN-Jubiläum: „Das Wichtigste ist, dass der OKN seine Sendelizenz behält. Dass er vielleicht bald im ganzen Landkreis über die Frequenz zu hören ist, das Bürgerradio mit seinen Umstrukturierungen im kommenden Jahr gut anläuft und sich ein noch breiteres Spektrum findet, das sich im Bürgerradio engagiert.“ So wie er vor 15 Jahren, als zum ersten Mal die rote Lampe über dem Studio zu leuchten begann.
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