Unterwegs im „Adenauer“

  Mercedes-Oldtimer absolvierte Rallye „Opel Classic“ - Redakteurin war an Bord

NORDHAUSEN. Eigentlich war seine Zeit schon abgelaufen. Unfreiwillig! Am 17. Dezember 2011 hatte ein tobsüchtiger Eichsfelder den Mercedes-Benz 300 B aus dem Baujahr 1954 im Autohaus Peter mit einer Axt zerstört. Ideeller Totalschaden! Original-Ersatzteile für einen 58 Jahre alten Mercedes zu bekommen - ein Ding der Unmöglichkeit. „Wir flogen zu einem Restaurator nach Russland, um Scheiben zu bekommen. Andere Teile bezogen wir aus Italien und dem Hauptwerk in Stuttgart“, berichtet Helmut Peter. Innerhalb von fünf Monaten machten Kfz-Meister Dirk Helbing und sein Team den „Adenauer“, der seinen Beinamen der Tatsache verdankt, dass er seit 1951 DIE deutsche Staatslimousine von Bundeskanzler Konrad Adenauer war, wieder flott.

Am vergangenen Freitag war der wiedererstandene Oldtimer einer von 130 Gefährten, die nun noch einmal zu Rallye-Stars bei der 18. ADAC Classic Hessen-Thüringen wurden.
9.00 Uhr: Die ersten Fahrzeuge nehmen Startaufstellung in der Wilhelmstraße von Heiligenstadt. Wolfgang Wagner-Sachs, der ADAC-Sportchef, holt den „Adenauer“ vom Autohaus Peter auf den Marktplatz. Das Standgas ist zu stark, lässt den Oldie laut heulen. Meister Jochen Reich „kuriert“ seinen 115 PS-starken Patienten vor Ort.
10.32 Uhr: Unter dem Applaus der Heiligenstädter fällt die Startflagge und gibt die Piste frei. Ziel ist Reinholterode, wo die erste Gleichmäßigkeitsprüfung (GMP) wartet. Die Durchfahrt in 1:30 Minuten klappt perfekt. Kurz darauf die zweite GMP: 380 Meter in 42 Sekunden stehen als Aufgabe. Co-Pilotin Corinna Sachs drückt die Stoppuhr. Gefühlvoll steuert ihr Mann den Adenauer bis kurz vor dem Zielpunkt. Halten verboten, der Wagen muss rollen. Am Ende der Zeit ist noch Strecke übrig. Drei Sekunden sind wir nun doch zu langsam. Egal, weiter! Kurz vor Worbis die dritte Prüfung: 1,8 Kilometer in 2.01 Minuten. Perfekt!
Um 11.40 Uhr treffen wir am Rathaus in Worbis ein. Hier wird das Gatter-Abstandsfahren für Wolfgang Wagner-Sachs und den Adenauer zur Herausforderung. Bis auf 20 Zentimeter darf er an ein Gatter heranfahren. Während andere Teilnehmer die Distanz um bis zu 30 Zentimeter verpassen, schafft es Wagner bis auf 5 Zentimeter genau. Kein Wunder: Zu Hause im Hessischen steht sein „Adenauer“, Baujahr 1957. Deshalb liegt dem ADAC-Sportchef, dem Regisseur aller Rallyes in Hessen und Thüringen, das Rangieren mit dem 4,95 m langen Oldtimer im Blut. Die Fahrt durchs Eichsfeld, vorbei an der Wallfahrtskirche Etzelsbach, hinüber zum Hainich durch knallgelbe Rapsfelder, wird zum unvergesslichen Erlebnis für die Eheleute Wagner-Sachs. Über den Straußberg, Richtung Nordhausen und schon verheißt der Petriturm in der Ferne das Ziel.
13.30 Uhr: Am IFA-Motorenmuseum begrüßen uns jubelnde Nordhäuser. Sie bilden ein Ehrenspalier und empfangen die Oldies mit lautem Beifall. Die Rolandgruppe schaut zum Fenster herein. Kreischend begrüßen Hexe und Zwanziger das ihnen bekannte Gesicht im Wageninneren: „Heidi!“ Moderator Andy holt mich aus dem Wagen und fragt, wie es sich im „Adenauer“ sitzt: „Wie im Fernsehsessel“, lautet meine Antwort. - Es war fantastisch. Der Totgesagte ist auferstanden!
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Regina Kleiber aus Sondershausen | 22.05.2012 | 16:26  
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