Veranstaltungsreihe „Archiv kompakt“ lässt Bürger hinter Rathausmauern blicken

Christine Most behütet im Stadtarchiv Akten, Fotos und Zeitungen. Am 6. April öffnet sie die Tür für Interessierte.
Sondershausen: Stadtverwaltung | Seit wann ist Sondershausen Musikstadt? - Diese Frage interessiert außer den Sondershäusern mehr und mehr auch Archivarin Christine Most. Auf der Suche nach der Jahreszahl wird sie zur "Miss Marple". Sie überlegt, kombiniert und weiß, der Zeitpunkt könnte nach der Abdankung des Fürsten liegen. Hilfreiches "Indiz": Der Beiname wurde in einer Stadtratssitzung beschlossen, irgendwann nach 1918. Akribisch durchforstet sie die Protokolle. Es sind hunderte. Verpackt in Kartons, stehen sie in den langen Regalreihen des städtischen Aktenarchivs im Rathaus.

Immer wieder muss sie die Suche unterbrechen. Gerade sucht ein Autor aus Hamburg Zitate eines Musikers und kann nicht verstehen, dass für die Dienstleistung ein Obolus fällig wird. Doch die Gebührenordnung schreibt es vor. Und einen Moment später klingelt das Telefon erneut. Eine Sondershäuserin möchte gern einmal einen Blick ins Archiv werfen, fragt, ob das möglich sei. "Selbstverständlich, gern!" Damit ist Christine Most beim Thema: "Viele Bürger denken, sie dürfen hier nicht rein." Doch das Gegenteil ist der Fall. Gern können Nutzer im Besucherraum Platz nehmen und in den gewünschten Akten stöbern.

Mit der Veranstaltungsreihe "Archiv kompakt" möchte Christine Most die Menschen für das Archiv interessieren. An jedem 1. Mittwoch im Monat öffnen sich die Archivtüren zum Blick hinter die geheimnisvollen Mauern. Jedesmal erfahren die Gäste alles Wissenswerte über das Archivieren. Beispielsweise, dass Akten und Dokumente staubfrei, säurefrei und lichtgeschützt aufbewahrt werden müssen oder dass Datum und Quelle die wichtigsten Angaben auf Fotos sind. Erst kürzlich erhielt sie einen Karton voller Fotos - ohne einen Hinweis. Und schon war ihr Suchinstinkt geweckt. "Ältere Sondershäuser sind meine wichtigsten Helfer. Im Gespräch ergeben sich viele Ansatzpunkte und man kommt Stück für Stück ans Ziel", schwärmt sie. Dann ist der Fall gelöst - wie im Krimi. Übrigens können die Bürger auch zu den Sprechzeiten kommen. Dienstags von 10 bis 18 Uhr und mittwochs von 10 bis 16 Uhr ist das Archiv auf Besucher eingestellt - oder nach Vereinbarung.

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