Warmherzig

Sehr emotional las Joachim Gauck in der Kreissparkasse aus seinen Lebenserinnerungen. Foto: Wiegand (Kreissparkasse) (Foto: Foto: Wiegand (Kreissparkasse))
Von Johann Reinhardt

„Winter im Sommer - Frühling im Herbst“ - Joachim Gauck stellte in der Kreissparkasse Nordhausen sein Buch mit Lebenserinnerungen vor

Täglich bis zu drei Lesungen hielt Joachim Gauck in den letzten Tagen. Mit seinem Buch "Winter im Sommer, Frühling im Herbst" reflektiert der evangelische Pastor und ehemalige Leiter der Stasi-Unterlagen-Behörde sein Leben, das stets dem Kampf für Freiheit gehörte. Jetzt, wo sich der Tag der deutsch-deutschen Wiedervereinigung jährte, sind die Erinnerungen an die friedliche Revolution und ihre Vorzeiten lebendiger denn je.

Einem breiten Publikum stellte Gauck 26. September in der Kreissparkasse sein Buch vor: warmherzig, emotional und bewegend.

Durch seine Erinnerungen an Kindheit und Jugend, an das Verschwinden des Vaters, das angespannte Verhältnis seiner Familie zur SED, an seine Arbeit als Pfarrer sowie an die friedliche Revolution zog sich der Wunsch nach Freiheit wie ein roter Faden. Diese Sehnsucht für nachfolgende Generationen festzuhalten ist Anliegen seines Buches, das im Herbst 2009 erschien.


Das Leben am Ostsee-Deich in Wustrow bestimmte seine Kindheit. Mit dem plötzlichen Verschwinden des Vaters schlägt die Unbeschwertheit um in Suche, Fragen und Zweifel. Gauck erlebte die unermüdliche Suche der Großmutter nach ihrem Sohn. Erst später erfuhr man, dass Joachim Gauck senior wegen des Verdachts der Spionage zur Zwangsarbeit in Sibirien verurteilt war, für zweimal 25 Jahre.

Die DDR war für den Junior das Land der Lügen, belegt durch Falschheiten, die man über Stalin lehrte, und das eigene Erleben der Unbarmherzigkeit gegenüber seiner Familie. Widersprüche machten aus dem jungen Joachim einen politischen Menschen, dem Pionierorganisation und FDJ fremd blieben, geschuldet dem Hass auf das System.

Erleichterungen für den Vater nach dem Tod Stalins, Heimkehr 1955. Da war der Sohn 15 Jahre alt.

An die Zeit der friedlichen Revolution erinnerte sich der Buchautor mit viel Emotionalität. Es war für ihn auch die Zeit des Abschieds: des Abschieds von lieben Freunden, von zwei seiner Söhne. Schließlich ging auch die Tochter. Einziger Trost ihre Hochzeit 1989 in Bremen. Der Vater durfte sie trauen. Man genehmigte ihm die Ausreise.

Er kam wieder, wollte nie "drüben" bleiben. Joachim Gauck wurde zum Mitgestalter der friedlichen Revolution, die im Fall der Mauer und in der Wiedervereinigung ihre Erfüllung fand.

Zehn Jahre lang leitete er die Stasi-Unterlagen-Behörde, sorgte dafür, dass Unrecht wiedergutgemacht wurde und Menschen rehabilitiert wurden, die für das Gleiche gekämpft hatten wie er: ein Leben in Freiheit.


Das Buch ist im Buchhandel erhältlich!
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige
Anzeige