Weihnachten vor 60 Jahren

Weihnachten vor über 60 Jahren
(1950)

Damals, ging erst vor wenigen Jahren, der II.Weltkrieg zu Ende. Das ganze Land hatte noch stark unter diesen Folgen zu leiden. Es fehlte noch an Allem. Gerade uns in dem östlichen Teil Deutschlands.

Es fehlte also noch fast an Allem. Lebensmittel und vieles gab es nur auf Zuteilung und Marken
Aber es wurde Weihnachten und so hatte jeder versucht sich etwas abzusparen und sei es von der täglichen Nahrung. Man hatte es sich vom Munde abgespart.

Wir waren zwei Jungen, erste bzw. dritte Klasse. Im Haus wohnten meine Eltern mit meiner ganz kleinen Schwester und mir, die Eltern meines Cousins und unsere Großeltern.
Es war zwar alles sehr beengt aber es mußte nun mal so gehen. Im Stall standen zwei Ziegen und einige Hühner mit einem stolzen Hahn liefen auf dem Hof herum. Dazu kamen noch einige Kaninchen für jede Familie.

Langsam wurde es Weihnachten und es war Heiligabend, wir konnten die Zeit nicht abwarten, bis der Weihnachtsmann oder das Christkind uns bescherte.

Es wollte kaum Mittag werden. Wie lange dauert es nun noch bis zum Abend? Am Nachmittag wurde Kaffeezeit gehalten. Es gab Ziegenmilch Brot mit Ziegenbutter und Salz. Wie lange dauert denn das noch? die Zeit wollte nicht vergehen.

Die Großmutter nahm uns zu Sich vor den Ofen und erzählte uns die Geschichte von der Geburt des Christuskindes. Im Ofen flackerte das Feuer sonst war es über all fast dunkel, denn es war mal wieder
Stromsperre.

Diese passierte fast jeden Tag, manchmal auch mehrmals. Oft kam der Strom oder wie man so sagte das Licht stundenlang nicht wieder. Wir machten also mal wieder Dämmerstunde. Es war zwar noch nicht dunkel, aber der Wolkenverhangene Himmel ließ es früher Nacht werden.

Dann wurde ein Starinslicht angezündet, nicht mit einem Streichholz oder Feuerzeug, nein mit einem Fidibus, einem dünnen langen Holzspan. Dieser wurde am Feuer im Ofen in Brand gesetzt,
und mit diesem brennenden Span wurde die Kerze angezündet.

So ging die Zeit nun doch hin. Es hieß nun anziehen. Da wie ein Wunder war der Strom wieder da. So war nun auch wieder genügend Licht vorhanden.

Wir wurden angezogen, aber nicht so wie heute. Nein es gab lange selbst gestrickte Strümpfe welche an drei Stumpfhaltern befestigt wurden. Diese Strumpfhalter waren an das sogenannte Leibchen angenäht. Leibchen das war eine Art Hemd welches um den Leib ging und vorn oder hinten zugeknöpft wurde.

Dann gab es einen gestrickten Pullover oder ein selbst genähtes wollenes Hemd wo dann noch ein Ärmel loser Pullover drüber kam. Dann gab es oft nur eine kurze Hose mit Hosenträgern.

An Feiertagen oder sehr kalten Tagen gab es zwei paar Strümpfe oder eine lange Hose auch selbst genäht. Ein selbst gefertigtes Mäntelchen mit einer gestrickten oder auch genähten Mütze.

So ging es nun durch die Winternacht. Die ganze Sippe ging gemeinsam zur Kirche. Es war Kalt und etwas windig, die Wolken hingen voller Schnee. Ein wahrer Menschenstrom wälzte sich Richtung Kirche.

Es war irgendwie eine richtige Feierliche Stimmung, alle waren wie in Erwartung. Die vier oder fünf Straßenlampen welche an einem Drahtseil über der Straße hingen schaukelten wie Glocken im Wind. Einige Fenster waren festlich erleuchtet.

Ein oder zwei Weihnachtsbäume hinter den Fenstern waren schon angezündet. Wir konnten es fast nicht verstehen dass der Weihnachtsmann da schon gewesen war und wir erst noch zur Kirche mußten.

Alles strömte dem Gotteshause zu. Sie gingen in großen Gruppen und mitten auf der Straße. Es fuhr kein einziges Auto. Ja wer hatte denn schon ein Auto? So gut wie keiner. Die Menschen besaßen kaum ein Fahrrad, geschweige denn ein Auto.

Hand und Pferdewagen waren an der Tagesordnung. Guter Stimmung aufs Fest ging alles zur Kirche. Es wurde sich fröhlich gegrüßt und ein Frohes Fest gewünscht. Die Kirche war zu klein.

Es paßten kaum noch welche hinein, die Gänge rechts und links waren übermäßig voll. Auch in den Bänken saßen die Menschen
richtig rein gequetscht. Die Kinder saßen faßt alle auf den Schößen oder wurden auf den Armen gehalten. Nur der Mittelgang war frei geblieben.

Dann endlich läuteten die Glocken, das Gemurmel der Menschen verstummte. Die Orgel spielte mit einmal auf. Eine ganze Schar in weiß gekleideten Engel mit einem Licht in der Hand zog auf dem Mittelgang in die Kirche ein.

Es wurde ein Krippenspiel aufgeführt.
Weihnachtslieder wurden gesungen und gebetet. Es wurde von der Geburt des Christkindes gesprochen und von der Erlösung für uns Menschen.

Es dauerte für uns Kinder viel zu lange. Diese Christmette war schon sehr interessant. Nur wir Kinder lauerten auf das, was das Christkind uns wohl bringen würde.
Endlich war diese Christvesper zu ende.

Als wir uns nun endlich aus der Kirche gedrängelt hatten, war es im wahrsten Sinne des Wortes, Weihnachten geworden. Es war alles weiß, es hatte geschneit. Ein wahrer Flockenwirbel Tanzte vor den Straßen Laternen.

Es ging auf der Straße nun wieder heimwärts. Da an der Seite ein Menschenauflauf, da stand der Weihnachtsmann und fragte die Kinder und Erwachsenen ob Sie wohl im letztem Jahr auch artig gewesen sind?

Wir kamen auch dran, wir sagten natürlich, Ja, ein Weihnachtsgedicht mußten wir noch aufsagen, dann durften wir gehen.
Der Weihnachtsmann sagte uns das er nachher noch vor bei kommen würde.

Es war eine wirklich weihnachtliche Stimmung, so ruhig, und fröhliche aber eilende Menschen auf den Straßen und in den Häusern. Über all wurden die Kerzen der Christbäume hinter den Fenstern angezündet.

Man hörte auch das Weihnachtslieder gesungen wurden. Der herabfallende Schnee dämpfte alle Geräusche und strahlte eine ruhige weihnachtliche Stimmung aus.

Wir Kinder waren voller Spannung und Unruhe, aber wir mußten uns noch gedulden. Es gab erst Abendbrot und das Vieh mußte auch noch versorgt werden, denn in der Christnacht soll das Vieh ja auch etwas Besonderes bekommen.

Denn die Tiere haben ja an der Christnacht einen ganz besonderen Anteil. Das Kleine Jesus Kind kam ja in einem Stall zur Welt und wurde in der Krippe auf Stroh gebettet. Das hieß noch mal warten auf die Bescherung.

Wir saßen in der kleinen Stube am Tisch und aßen mit den Großeltern Abendbrot. Es gab Bratkartoffeln mit Spiegelei, Brot mit Ziegenbutter, Kaninchenleberwurst, Harzkäse und Mus oder Sirup.

Zum Trinken gab es Kräutertee wie immer. Auf dem Tisch brannten das letzte Mal die Kerzen des Adventkranzes. Das Vieh war inzwischen versorgt, die Eltern hatten auch schon schnell etwas gegessen. Nun lauerten wir gemeinsam auf den Weihnachtsmann.

Bringt er uns auch einen Lichterbaum und was gibt es für Geschenke? Das war die große Frage. Wir saßen nun eng beisammen stellten Fragen über Fragen und sangen Weihnachtslieder.

Da ging mit einem mal die Glocke an unserer Haustür, wir saßen ganz Mux Mäuschen still. Da wieder die Glocke. Dann wurde mit einmal die Schiebetür zu unserer guten Stube aufgeschoben. Im hellen Lichterglanz erstrahlte da der Christbaum in der dunklen Stube.

Wir stürzten natürlich sofort hinüber, und die Eltern kamen hinterher.
Es war nun endlich auch für uns Kinder Weihnachten. Unsere Augen strahlten im hellem Lichterglanz was man da all für Sachen unter dem Baume fand.

Da standen, es war doch kaum zu glauben, zwei LKW aus Holz, ein Großer und ein Kleiner. Da strahlte unser Kinderherz, zwei blaue LKW. Für jeden gab es einen bunten Teller.

Einen Pappteller gefüllt mit Nüssen, Äpfeln, Plätzchen und sogar einige selbst gemachte Bonbons gab es. Irgendein Spiel gab es noch für uns Kinder und etliches zum Anziehen. Das meiste davon war selbst angefertigt.

Die Männer bekamen ein Flasche Schnaps,
neue Socken und Taschentücher. Für die Frauen gab es eine neue Schürze, Stoff, etwas für den Haushalt, vielleicht noch Seife oder etwas Kölnisch Wasser.

So saß die ganze Familie glücklich zusammen in der Weihnachsstube und sang Weihnachtslieder. Es gab weder Radio noch Fernsehen noch etwas anderes, man mußte sich selbst unterhalten. Man war zufrieden und auch Glücklich mit dem Wenigen was vorhanden war.

Wichtig war, dass alle Gesund und Munter waren. Wir Kinder spielten mit unseren Autos. Autos selbst zusammen gebaut aus Brettern und dann angestrichen, sehr massiv und schwer mit Holzrädern.

Die Erwachsenen erzählten sich etwas, tranken ein Schnäpschen und knabberten etwas vom Weihnachtsteller. Auch das mußte eingeteilt werden, es durfte nicht gleich alles gegessen werden. Soviel schöne Sachen waren man ja auch gar nicht gewohnt.

Für uns war es schon etwas ganz besonderes mal so lange Aufbleiben zu dürfen und vor allen auch noch so etwas Schönes geschenkt zu bekommen. Ein Auto und sei es auch nur aus Holz.

So feierte man Weihnachten vor über 60 Jahren. Man war zufrieden wenn es ein friedliches, besinnliches Weihnachtsfest bei Gesundheit gab. Jeder hatte ein Kleinigkeit bekomme welche geheimnisvoll angefertigt wurde.

Oder es gab etwas, was man irgendwie beschaffen konnte. Man schenkte sich das Wenige, aber das kam von ganzen Herzen, denn man mußte es sich irgendwie absparen und sei es vom Munde.

Es waren Glückliche und Zufriedene Weihnachten. Ich wünsche Euch allen ein gesegnetes, glückliches, und zufriedenes Weihnachtsfest. Es liegt nicht an der Fülle der Geschenke, es ist die Zufriedenheit im Herzen.

Erlebt und aufgeschrieben von Manfred Kappler aus Ilfeld
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