Auf dem Weg zur Krone: Wanderer gehen im Harz auf Stempeljagd

Stempelstelle Nr. 97 an der Ziegenalm in Sophienhof.
 
Hans-Ulrich Sauerland zeigt seine reiche Stempelheft-Ausbeute. Der Nordhäuser ist mehrfacher Harzer Wanderkaiser.
Harztor: Ilfeld |

Kaum zu glauben: Die Adelsdichte steigt. Zumindest im Harz. Regelmäßig werden hier Häupter gekrönt. König oder Kaiser wird aber nur, wer zuvor zielstrebig wandert und Stempel der Harzer Wandernadel sammelt.

Jeden Donnerstag geht‘s auf Wandertour. Für die kleine Herrenrunde um Hans-Ulrich Sauerland ist das Gesetz. „Das Wetter spielt keine Rolle. Da bin ich wie ein General“, sagt der 66-Jährige mit schelmischem Blick. Nun ja, ein General ist der Nordhäuser nicht. Aber ein Kaiser. Genauer gesagt: ein Harzer Wanderkaiser. Bereits dreimal hat er die höchste Leistungsstufe der „Harzer Wander­nadel“ erreicht. Und das klappt eben nur mit Zielstrebigkeit und Kondition. Denn der Weg zur Krone ist weit, führt über Hunderte Kilometer und exakt 222 Stempelstellen.

Gestartet wurde das Projekt „Harzer Wandernadel“ vor genau zehn Jahren, um den Tourismus anzukurbeln. Nirgendwo sonst in Deutschland gibt es ein derart großes Netz an Stempelstationen. Längst hat das Projektteam mit Sitz in Blankenburg ein ­wahres Sammelfieber entfacht. Wurden im Anfangsjahr 2006 etwa 5000 Wanderpässe ausgegeben, waren es 2015 schon knapp 20 000.

Selbst von weither reisen deshalb Touristen in den Harz, kommen über Jahre immer wieder, damit sich das Stempelheft füllt. Hans-Ulrich Sauerland kennt das Gefühl: „Ist der Ehrgeiz erst geweckt, kann man nur schwer davon lassen.“ Rund 10 000 Kilometer lief er in den vergangenen acht Jahren durchs heimische Mittelgebirge. Seine reiche Ausbeute an Leistungsabzeichen, an Themen- und Wandernadeln liefert den Beweis.

Der ambitionierte Wande­rer freut sich über diese sichtbare Anerkennung. Aber ebenso über die vielen unverhofften Entdeckungen unterwegs. „Die Stempelstellen haben mich an Orte geführt, die ich sonst vielleicht niemals besucht hätte.“ Das Netz erstreckt sich über drei Bundesländer und fünf Landkreise. „Die beste Art, wirklich den gesamten Harz kennenzulernen“, schwärmt der „Kaiser“.

Umso mehr ärgert es ihn, wenn Stempel gestohlen und Kästen mutwillig zerstört werden. Davon kann auch Kreiswegewart Joachim Jauer berichten, der die 13 Stempelstellen im Landkreis Nordhausen betreut: „Zwei- bis dreimal die Woche bin ich unterwegs, um zu reparieren und zu kontrollieren.“ Ein Ehrenamt, das ihn nicht selten mit herrlicher Aussicht belohnt. Besonders an seinen Lieblingsplätzen in Ilfeld: am Dreitälerblick und an der Wetterfahne.

Auch Hans-Ulrich Sauerland hat seine Lieblingsorte – so die Teiche am Oberharzer Wasserregal, die schroffen Felsen im Bodetal oder das Hohne- und ­Brockengebiet. Stempel sammeln für Trophäen will er jetzt nicht mehr. Aber seine Gesundheit pflegen und einen Freund begleiten ­auf dem Weg zum ­Wanderkaiser. Darum schnürt er auch weiterhin die Wanderschuhe. Jeden Donnerstag.

Zehn gute Gründe, selbst im Harz auf Stempeljagd zu gehen


1. Sehenswerte Ziele:
Jeder der 222 Stempel­kästen der „Harzer Wander­nadel“ ist an einem attraktiven Ort platziert.

2. Länderübergreifend: Das Netz erstreckt sich über den gesamten Harz, verbindet Thüringen, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen.

3. Klare Spielregeln: Im Wanderpass, erhältlich in Tourist-Infos und online, werden Stempel für Abzeichen verschiedener Leistungsstufen gesammelt. Schon bei acht Stempeln kann man die Harzer ­Wandernadel in Bronze erwerben, bei 50 ist man Harzer Wanderkönig.

4. Exklusive Krönung:
Wer alle 222 Stempel beisammen hat, darf sich Harzer Wanderkaiser nennen. Die Anstecknadel mit Goldschrift besteht aus einem Harzer Gestein.

5. Kein Zeitdruck: Das Sammeln der Stempel ist zeitunabhängig und kann sich über Jahre erstrecken.

6. Wandern in Familie: Auch Kinder finden die Stempeljagd toll und werden schon mit elf Stempeln Wanderprinz.

7. Lernen inklusive: Auf Schritt und Tritt lernt man, die Natur zu sehen und zu verstehen.

8. Kein Kommerz: Das Wanderprojekt ist gemeinnützig. Der Verkauf von Wanderpässen und -nadeln hält es am Leben.

9. Schlechtwetter-Alternativen:
Regnet es im Südharz, kommt man im Nordharz vielleicht ohne Regenjacke aus.

10. Kombinationen möglich: Stempel gibt‘s auch auf thematischen Wegen wie Hexen-Stieg, Grenzweg oder Goethe im Harz. Der Harzer Steiger widmet sich dem Bergbau.

Kontakt:

Projektbüro "Harzer Wandernadel" in Blankenburg,Telefon: 0 39 44 / 9 54 71 48
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