Das Grüne liegt so nah: Einen Tag mit dem Nordhäuser Stadtförster unterwegs

Der Nordhäuser Stadtförster Axel Axt ­markiert mit der Spraydose zu fällende Bäume.
 
Hoch, rank und schlank, das sind des Försters liebste Bäume im Wald. Stattliche Exemplare wie ­diese Buche (Bildmitte) ­haben wenig Krone, aber viel Stamm – und der bringt Geld in die Stadtkasse.
Nordhausen: Umweltamt |

324 Hektar umfasst der ­städtische Wald, der sich in und um Nordhausen erstreckt. Stadtförster Axel Axt kümmert sich darum, dass dieser nachhaltig bewirtschaftet wird. Einen Arbeitstag lang hat Redakteurin Sibylle Klepzig den Forstwirt begleitet.

7.30 Der Tag beginnt am Schreibtisch im Umweltamt: E-Mail-Kontrolle, dazu eine Tasse Kaffee. Der ­Kindergarten in Leimbach meldet eine angeknackste Weide. In der Eigenheimsiedlung in Nordhausen-Ost fühlt sich ein Hausbesitzer durch städtische Bäume gestört. Axel Axt setzt die Anfragen auf die Liste.

8.45 Mit dem ­Dienstauto, einem VW-Pickup, fährt er ins Revier. Erster Halt: Stadtpark Nordhausen. Sturm Niklas hatte Äste abgerissen. Der Stadtförster prüft, ob die Schäden beseitigt sind – und ist zufrieden. Kein loser Ast ragt mehr über Weg und ­Gondelteich. Er selbst muss nicht zur Kettensäge greifen. Das übernehmen Baumpfleger externer Firmen, die die Stadt nach einer Ausschreibung mehrere Jahre vertraglich bindet. Axt plant, beauftragt, kontrolliert und verbucht.

9.20
In Krimderode begutachtet er einen frisch geschotterten Wirtschaftsweg. „Schwere Landmaschinen hatten im Winter tiefe Furchen hineingegraben. Jetzt sind diese aufgefüllt, sogar an die Wasser­rille wurde gedacht“, lobt er die Umsicht des Landwirtes. Denn in einem solchen Fall nimmt die Stadt den Verur­sacher in die Pflicht.

10.05 Einem Bürgerhinweis folgend, geht es von Krimderode bergauf in Richtung dicke Eiche. Auf dem Schotterweg hat sich einer der Gullis gesenkt, die das Regenwasser auffangen, damit es nicht vom Berg in den Ort strömt. Es ist Kies aufzufüllen und zu verdichten – Axt notiert den Auftrag für den städtischen Bauhof. Insgesamt liegen 190 Kilometer Forst-, Wirtschafts- und Wanderwege in seinem Verantwortungsbereich.

10.55 Der Pickup stoppt im Leimbacher Wald. Hier werden private und städtische Flurstücke gemeinsam in einer Waldgenossenschaft bewirtschaftet. Der Stadtförster ist zugleich Vorstandsvorsitzender. Am Haselhai markiert er mit der Sprühdose ­Bäume, die weichen sollen, damit andere mehr Platz erhalten. An anderer Stelle sorgen Lichtkegel für die Naturverjüngung.

11.35 Ein Kirschbaum von schlankem Wuchs erhält ein „Z“. „Als Zukunftsbaum wird er künftig besonders gepflegt“, begründet Axt und hofft, dass die Kirsche in den nächsten 15 Jahren extrem ins Geld wächst. 500 Festmeter Holz werden pro Jahr in den Stadtwäldern eingeschlagen und verkauft. Das Gros des Geldes wird genutzt für Wald­pflege und Wegebau.

12.10 Oberstes Prinzip ist die Nachhaltigkeit. „Unsere Stadtwälder sind allesamt zertifiziert“, betont Axt und kennzeichnet eine sogenannte Rücketrasse. Nur hier dürfen große Maschinen fahren, um den Waldboden nicht großflächig zu verdichten.

12.35 Zurück in Nordhausen wirft Axt einen Blick auf die Neupflanzungen in der Leimbacher Straße. Hier sowie an der Alten Leipziger Straße und der Windlücke wurden im Winter insgesamt 578 Bäume neu gesetzt. „Die ersten drei Jahre übernimmt der jeweilige Gartenbaubetrieb auch die Pflege“, erklärt er. „Solche großen Bäume wachsen nicht von allein, benötigen etwa 12 Gießgänge pro Jahr und oft auch einen Erziehungsschnitt.“

13.30 Nach der Mittagspause folgt Schreibarbeit. Axt unterzeichnet zwei Rechnungen, formuliert den Auftrag für den Bauhof, bereitet die Hauptversammlung der Jagdgenossenschaft vor. „Mein Job besteht zu 40 Prozent aus Büroarbeit“, schätzt er ein. Um einen einzigen Baum zu pflanzen, braucht er beispielsweise neun Genehmigungen.

14.35 Schadensaufnahme im Stadtwald Peters­dorf: Rund um das Schullandheim Harzrigi hat Sturm Niklas mehrere Fichten entwurzelt. „Das sind rund 20 ­Festmeter Holz“, beziffert Axt den Windbruch. Dabei hatte die Stadt die Pflege dieses Waldstückes gerade abgeschlossen. Jetzt muss erneut aufgeräumt werden – und zwar schnell. „Wenn es warm wird, kommt der Käfer ins Nadelholz. Fichten sind extrem anfällig für Kupferstecher und Buchdrucker.“

15.15 Die Lutherlinde an der Nordhäuser Blasii-Kirche erhält eine Baumscheibe. So nennt der Experte den Bereich rund um die Baumwurzel. Der Unterbau und ein spezielles Mineralgemisch sollen dem Baumriesen Luft und Feuchtigkeit garantieren. Der Baufortschritt liegt im Plan.

16.00 Der letzte Termin des Tages führt ins Wilde Hölzchen. Nach Absprache hat ein privater Holzwerber sein Brennholz selbst aus dem Wald geholt. Axel Axt misst das Holz auf. Gleich morgen früh schreibt er die Rechnung.


Zahlen

- Im Stadtwald Nordhausen hat Sturmtief Niklas Ende März vergleichsweise wenig Schaden angerichtet: im Stadtwald Appenrode sind 22 Festmeter Windbruch zu verzeichnen, in Petersdorf 20, in Leimbach 15 und am Kuhberg rund 8.
• Rund 500 Festmeter Holz werden im Stadtwald jährlich „geerntet“ und über das Forstamt Bleicherode verkauft.
• 2014 erbrachte der Holzverkauf rund 26 500 Euro. Abzüglich der Ausgaben für Holzernte, Waldpflege und Wegebau blieben der Stadt gut 7600 Euro Gewinn.
• Rund 20 000 Bäume sind im Baumkataster von Nordhausen erfasst - das sind Straßenbäume, Bäume in Parks und Grünanlagen. (ohne den Wald)
• 190 Kilometer Forst-, Wirtschafts- und Wanderwege liegen im Verantwortungsbereich des Stadtförsters.

Zur Person

• Stadtförster Axel Axt ist einer von sechs Mitarbeitern im Nordhäuser Umweltamt, korrekter: im Sachgebiet Umwelt und Grünordnung in der Waisenstraße. Er hat Holzfäller gelernt, Forst- und Betriebswirtschaft studiert und zeichnet verantwortlich für den Wald der Stadt und aller Ortsteile – insgesamt sind das 324 Hektar.
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