Ausstellung erinnert an Bombardierung Nordhausens vor 70 Jahren

Cornelia Wulf, Mitarbeiterin des stadthistorischen Museums "Flohburg" in Nordhausen, bereitet die Schautafeln für die Sonderausstellung vor.
 
April 1945: 8800 Menschen starben, rund 80 Prozent der Stadt wurden zerstört. Foto: Stadtarchiv Nordhausen / Steinmann (Foto: Stadtarchiv Nordhausen / Steinmann)
Nordhausen: Flohburg- Das Nordhausen Museum |

Die Bombardierung Nordhausens am 3. und 4. April 1945 jährt sich zum 70. Mal. Eine neue Sonderausstellung im stadthistorischen Museum „Flohburg“ erinnert an das Infern mit Bildern, Zeitzeugenberichten und persönlichen Gegenständen. Die Schau ist vom 4. April bis 17. Mai zu sehen.

„Nicht Fakten, sondern ­Erinnerungen stehen im Mittelpunkt unserer Ausstellung. Alles dreht sich um die Frage: Wie haben die Bewohner damals die Zerstörung ihrer Stadt, die Todesangst und all das menschliche Leid erlebt.“ Cornelia Wulf, Museumsmitarbeiterin in der Flohburg, rückt eine verformte Flasche, ein platt gedrücktes Trinkglas und einen undefinierbaren Glasklumpen zurecht. „In der Kriegshitze ist das Glas geschmolzen. Wir können nur erahnen, welche Temperaturen bei den Feuerwellen herrschten.“ Alltagsgegenstände wie diese machen das Unvorstellbare anschaulich. Ab Samstag sind sie in der neuen Sonderausstellung der Flohburg zu sehen, die mit Zeitzeugenberichten, Fotos und Dokumenten an die Ereignisse vor 70 Jahren erinnert.

Wider das Vergessen


 Initiiert wurde die Präsentation vor allem durch den ehemaligen Bürgermeister und Zeitzeugen Manfred Schröter. Zehn Jahre war er jung, als die Bomben über Nordhausen fielen. Er engagiert sich wider das Vergessen, bringt Schülern dieses dunkle Kapitel Stadtgeschichte nah, führt sie an Orte, an denen Schreckliches geschah. Seine Erinnerungen berühren auch in der Ausstellung. Zum Beispiel das Schicksal des Pfarrers Johannes Lippert, der mit seiner Tochter und deren beiden Kindern am 4. April unter dem Pfarrhaus der St.-Petri-Kirche verschüttet wurde. Tiefflieger und sich ausbreitende Flammen hinderten Nachbarn daran, der Familie zu helfen, so dass diese unter den Trümmern erstickte. "Am Kornmarkt", so schreibt er an anderer Stelle, "wurde der Keller des Hotels "Römischer Kaiser" zum Massengrab für 40 Menschen. Im näheren Umfeld des Kornmarktes ragte mehrere Tage der Oberkörper einer verbrannten Leiche aus einem Kellerfenster." Tagelang gingen Menschen auf Trampelpfaden durch die Trümmerwüste daran vorbei.

Zeitzeugen zum Gespräch eingeladen


Insgesamt sind es 17 Schautafeln, die persönliche Berichte mit ­Fotos der Stadt vor und nach der Zerstörung verbinden. Darüber und über eigene Erinnerungen an diese schrecklichen Tage im April 1945 möchte der Förderverein der Flohburg neben der Ausstellungseröffnung ins Gespräch kommen. Eingeladen sind Nordhäuser, die diese Zeit miterlebt haben – Zeitzeugen und Trümmerfrauen. Wer am Gespräch teilnehmen möchte, meldet sich bitte unter Telefon-Nummer 0 36 31 / 4 72 56 80.

Die Bombardierungen 1945

• Am 2. April 1945 gab das Hauptquartier der alliierten Streitkräfte den Befehl zum Luftangriff auf Nordhausen.
• Um 16 Uhr kündigten die Sirenen am 3. April 1945 das Unheil an. Es war die 401. Luftwarnung in der Stadt. 256 schwere Lancaster-Bomber und Mosquito-Leichtbomber warfen in 20 Minuten 2690 Sprengbomben ab.
• Noch mehr Bomben fielen am 4. April 1945 von 9.08 bis 9.24 Uhr auf die Stadt und die Boelke-Kaserne, ein Außenlager von Mittelbau-Dora. Neben den mehr als 3800 Sprengbomben wurden Brand- und Phosphorbomben sowie Phosphorbehälter abgeworfen. Jagdbomber und Jäger flogen Tiefangriffe.
• Etwa 8800 Menschen starben im Bombenhagel und den Feuerwellen.

Das Gedenken 2015


• Am 3. und 4. April werden Mahnwachen an der Gedenkstele vorm Rathaus gehalten.
• Am 3. April läuten um 16 Uhr die Kirchenglocken.
• Die öffentliche Gedenkveranstaltung beginnt am 4. April um 9 Uhr im Bürgerhaus. Anschließend wird um 11 Uhr im Museum Flohburg die Sonderausstellung eröffnet.
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1 Kommentar
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Caro Linger aus Nordhausen | 02.04.2015 | 14:13  
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