Lang, länger, am längsten

Der 25-Meter-Riese könnte Logistik- und Personalprobleme in einem lösen. Auf die B 4 jedoch darf er nicht! Foto: Wiethoff (Foto: Foto: Wiethoff)
 
Experten waren am 19. Januar 2012 eingeladen, einen Blick in den Gigaliner zu werfen und ihn zu steuern. Foto: Wiethoff (Foto: Foto: Wiethoff)
Gigaliner als Lösung für Transport- und Personalprobleme der Zukunft – Fahrer gefragter denn je

Von Martin Wiethoff

Gigaliner und Monstertrucks werden sie genannt, die überlangen Lkw, deren Testphase im Frühjahr beginnt. Sie dürfen bis zu 25,25 Meter lang sein. Mit diesem Maß überragen sie einen normalen Lkw um bis zu 6,50 Meter.


Autofahrer befürchten, dass sie die Riesen auf Landstraßen noch schlechter überholen können als normale Lkw. Doch für die fünfjährige Testphase steht fest, dass die Fahrzeuge in Thüringen ausschließlich auf Autobahnen unterwegs sein werden und nur zur Belieferung kurze Abstecher in nahe Industrie- oder Gewerbegebiete unternehmen dürfen.

Die B 4 zwischen Nordhausen und Sondershausen, ohnehin eine der Engstellen auf dem Weg nach Erfurt, ist für Gigaliner tabu. Obwohl sie in Nordhausen durch alle Kreisel passen würden, ist auch das Befahren der Stadt für sie untersagt.

Zu Testzwecken konnten interessierte Fachleute kürzlich im Nordhäuser Autodrom einen Gigaliner anschauen und probefahren. „Monstertrucks sind sie keineswegs, denn das Gewicht von maximal 40 Tonnen bleibt gleich“, sagte Spediteur Hans-Dieter Otto aus Benneckenstein, Vizepräsident des Bundesverbandes Güterverkehr, Logistik und Entsorgung. Er selbst werde keinen Gigaliner testen, da er keine Verwendung für solch ein Fahrzeug habe. Dennoch sieht er im längeren Lkw eine Möglichkeit, die Transportkapazitäten zu erhöhen und dem Fahrermangel entgegenzuwirken.

Viele seiner Kollegen klagen darüber, dass Fahrzeuge herumstehen müssten, weil es keine Fahrer für sie gebe. Auftragsmangel ist momentan kein Problem in der Branche. Für viele junge Menschen ist der Beruf des Kraftfahrers nicht attraktiv, besonders wegen der langen Abwesenheit von der Familie und dem Termindruck. Das Berufsbildungszentrum für den Straßenverkehr (BBZ) und weitere Akteure versuchen daher, mit dem Projekt „www.deinezukunft.eu“ die Berufe im Transportgewerbe vorzustellen und sie als berufliche Perspektive bekanntzumachen.

Durch die Überalterung der Kraftfahrer und die Tatsache, dass die meisten von ihnen schon mit 60 Jahren in Rente gehen, werden im Laufe der nächsten zehn Jahre viele Stellen frei. Schon 2011 meldeten laut einer Umfrage der IHK Erfurt 45 % aller Spediteure, dass sie einen oder mehrere Arbeitsplätze nicht besetzen können. Mit dem Einsatz der besonders langen Lastwagen könnten in Zukunft Fahrer gespart werden. Auch die Umwelt dankt den geringeren CO² Ausstoß.

Hans-Dieter Otto wies darauf hin, dass die großen Lastzüge gebraucht werden, um Transporte mit Großcontainern abzuwickeln. Aktuell benötige man dafür eine Sondergenehmigung. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, müsse man in der Lage sein, diese Transporte durchzuführen.

Für Unternehmen wäre es wenig attraktiv, wenn sie sich an einem Standort ansiedeln und ihre Produkte von dort nicht abholen lassen könnten. Deshalb müssten sowohl die Vorbehalte gegen die Gigaliner beseitigt als auch das Personalproblem gelöst werden, appellierte der Spediteur und erinnerte: „Schon zu DDR-Zeiten sind Lastwagen mit 22 Metern Länge zugelassen gewesen, und das bei einer geringen Motorisierung von 125 PS. Dass der Fahrer vor dem Berg Hänger abkuppelt und zweimal fährt, ist bei der heutigen Technik natürlich nicht mehr nötig.“

Wer als Testfahrer für den Gigaliner fungiert, verfügt über viel Fahrpraxis. Fünf Jahre muss der Kraftfahrer unfallfrei gefahren sein. Er darf maximal drei Punkte in Flensburg haben. Das alles soll dafür sorgen, dass die großen Lastkraftwagen nicht nur in den nächsten fünf Jahren, sondern dauerhaft akzeptiert werden.

Informationen
www.deinezukunft.eu
Kontakt BBZ: 03631/62 390
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