Offene Türen für alle

Fabian zerlegt alte Fernseher und Monitore und ist stolz, wenn ihm jemand zuschaut. Am Samstag freut er sich auf viele Besucher. Foto: Wiethoff (Foto: Foto: Wiethoff)
 
Kerzen aus der hauseigenen Werkstatt sind immer beliebte Kaufobjekte - auch am Samstag gibt es eine große Auswahl. (Foto: Foto: Wiethoff)
Nordhausen: Nordthüringer Werkstätten | Von Martin Wiethoff

Werkstatt für Behinderte gibt am 5. November von 10 - 15 Uhr Einblick in die eigene Arbeit – Besucher willkommen

Doreen verpackt Tupfer. Immer sechs Stück müssen in eine Tüte. Sie werden ins Südharzkrankenhaus geliefert, dort sterilisiert und bei Operationen oder zur Wundversorgung verwendet. Die Arbeit macht Doreen gern und sorgfältig. Die meisten ihrer Kolleginnen können nicht bis sechs zählen, deswegen helfen spezielle Bretter, die richtige Menge Tupfer einzutüten. Solche einfachen, aber notwendigen Arbeiten können Menschen mit geistiger Behinderung verrichten. Das Südharzkrankenhaus ist schon seit der Eröffnung der Werkstatt in der Straße „Hinter der Steinmühle“ ein langjähriger Vertragspartner.

„Wir sind in vielen Bereichen ein ganz normales Dienstleistungsunternehmen“, erläuterte Werkstattleiter Karsten Sochurek. „Unse­re Kunden erwarten zu Recht gute Qualität und termingerechte Lieferung. Im Bereich Wäscherei könnten wir es uns nicht leisten, einfach ein paar Tage zu schließen, nur weil Ferien sind. Wir beliefern mehrere Altenheime. Die Bewohner dort brauchen ihre gewaschene Kleidung. Da gibt’s keine Vergünstigungen, nur weil hier Behinderte arbeiten.“ Gleiches gilt auch für die Großküche und den Bereich Landschaftspflege.

550 Menschen sind in den Nordthüringer Werkstätten beschäftigt, davon rund 450 am Hauptstandort in Nordhausen. Sie sind geistig, seelisch oder mehrfach behindert. Für letztere gibt es einen speziellen Förderbereich, in dem sie elementare Fähigkeiten wie Essen oder Körperpflege lernen und einen strukturierten Arbeitsablauf haben.

Die seelisch behinderten Menschen arbeiten in einer eigenen Werkstatt, weil sie andere Anforderungen an ihre Arbeitsumgebung stellen, als die geistig behinderten.

Viele Nordhäuser kennen den Kerzenverkauf oder geben ihren Elektronikschrott in der Werkstatt ab. Hier arbeitet Fabian seit vier Jahren. Er zerlegt alte Fernsehgeräte und Monitore. Die Arbeit macht ihm Spaß. Wie so viele behinderte Menschen freut er sich, wenn ihm jemand über die Schulter schaut und sich für seine Tätigkeit interessiert.

Wer gern wissen möchte, was mit dem abgelieferten Monitor geschieht, ist am 5. November zum Tag der offenen Tür in der Werkstatt genau richtig, denn es ist ein ganz normaler Arbeitstag. Alle Bereiche können von 10 - 15 Uhr besichtigt werden. Die Beschäftigten zeigen, welche Arbeiten sie hier verrichten. Sie verkaufen Kerzen, Töpferwaren, Waffeln, Kuchen, Marmelade und vieles mehr.

Eingeladen sind nicht nur interessierte Bürger, sondern auch potenzielle Firmenkunden, die sich vorstellen könnten, in Zukunft Aufträge an die Nordthüringer Werkstätten der Lebenshilfe zu geben.
„Wir führen hier kostenintensive Handarbeiten aus. Viele Firmen sind überrascht, in wieviele Arbeitsschritte wir ihre Aufträge zerlegen. Der Gruppenleiter sorgt so dafür, dass jeder Beschäftigte die Aufgabe bekommt, die seinen Fähigkeiten entspricht“, erklärt Karsten Sochurek.

Förderschulen schicken ihre Schüler gern zu Praktika. Zwei Jahre verbringen die meisten dann im Berufsbildungsbereich, wo ihre Talente erkannt und gefördert werden. „Wir finden für jeden den richtigen Arbeitsplatz“, versichert der Werkstattleiter.

Am Samstag von 10 bis 15 Uhr stehen die Türen der Werkstätten Hinter der Steinmühle 6 und Hesse­röder Straße 63 a offen und erlauben den Blick auf einen ganz normalen Arbeitstag in einer Werkstatt für ganz unterschiedliche Menschen.
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