Steinbruch 'Hohe Schleife' im Dornröschenschlaf?

Die Natur kehrt schon seit Anfang der Jahrtausendwende zurück.
 
2010 - Blick aus Richtung Hörningen
Ellrich: Steinbruch Woffleben | (100) -

Eine andere Wahrheit über Gips-Steinbrüche im Südharz

Aktive Steinbrüche sind kein schöner Anblick, aber es gibt auch die Kategorie Restabbaufläche und die daraus resultierenden ruhenden Steinbrüche. Als ich im vergangenen Jahr einen Kommunalpolitiker fragte, warum in diesem betroffenen Steinbruch in Woffleben immer wieder mal Probebohrungen vorgenommen werden, bekam ich eine Antwort, die mir seitdem nicht mehr aus dem Kopf geht: Durch diese Bohrungen bewahrt sich das Unternehmen das Bergrecht für den Steinbruch. Und! Solange der Steinbruch ruht, braucht er auch nicht rekultiviert werden. (sinngemäß)
Ah, jetzt wird mir alles klarer. Seit über einem Jahrzehnt werden Warn- und Verbotsschilder vom Rost zerfressen, sowie Zäune und Absperrungen von Menschenhand zerstört. So entstand mit der Zeit nach Außen der Eindruck IN DIESEM STEINBRUCH IST NICHTS MEHR ZU HOLEN und doch kann jederzeit der Besitzer des Bergwerkfeldes (ansässig in Ellrich) dort wieder Schilder und Abgrenzungen errichten. Nicht um neugierige Mitmenschen zu schützen. Nein! Um sie von dem wieder aktivierten Steinbruch fern zu halten.

Warum kämpft keiner für eine Stilllegung?
Solange der Steinbruch noch nicht erschlossen ist wird gekämpft mit allen Mitteln, aber danach geraten diese Abbaufelder in Vergessenheit. Kaum ein Wort steht darüber in der Presse und wenn nicht gebaggert wird, verfallen diese ruhenden Steinbrüche in einen Dornröschenschlaf, aus dem sie irgendwann wieder wach gesprengt werden. Die Landschaft verliert dann ein zweites Mal und alle Mühen der aus sich selbst heraus schöpfenden Natur werden wieder zu nichte gemacht.

Dabei könnte man diesen Steinbruch als Anschauungsmodell für eine natürliche Renaturierung umfunktionieren (solche Steinbrüche gibt es bereits). Interessierte Menschen könnten dann in die Erdgeschichte eintauchen und es gibt viele Naturfreunde, die von den Vorzügen offener Flächen in Gips-Steinbrüchen wissen. So manche seltene Tier- oder Pflanzenart lebt dort im Verborgenen, weil der gipshaltige Untergrund oder die verkarstete Landschaft ideale Lebensräume sind. Aber damit kann man keine Gewinne erzielen. Das es auch anders geht kann man sich bei Tettenborn und Bad Sachsa ansehen, wo die Rekultivierung in stillgelegten Steinbrüchen positive Fortschritte macht. Vielleicht besteht ja noch Hoffnung für den Steinbruch 'Hohe Schleife' in Woffleben.

Eine unendliche Geschichte

Warum ich gerade jetzt dazu etwas schreibe?
In der örtlichen Tagespresse konnte man lesen: "CDU gegen Neuverritzung" (TA-online vom 21. Januar 2015). Das finde ich sehr gut. Doch dann einen Tag später war in der gedruckten Ausgabe nur ein kleiner Korrekturtext zu lesen und der lies mich nachdenklich werden: "... Die Nordhäuser CDU ist nicht gegen einen weiteren Gipsabbau im Südharz, sondern gegen eine Neuverritzung in der Rüdigsdorfer Schweiz."

Schade, dass die Nordhäuser Politiker so kurzsichtig sind und es nicht fertig bringen das Kohnsteinmassiv vor einem weiteren Abbau zu bewahren, aber die Bergwerksfelder sind ja schon lange ausgewiesen, auch wenn sich darauf noch unangetastete Wälder und Wiesen befinden. Die Bergrechte an den einzelnen Feldern wurden von den ansässigen Gipsunternehmen erworben. Vielleicht handeln sie sogar untereinander damit. Irgendwann wird nur noch der Bereich vom Berg stehen, der wegen der Totenruhe in unmittelbarer Nähe der Gedenkstätte Mittelbau Dora vom Abbau ausgeschlossen wurde.

Verhindern kann ich den Abbau nicht, aber ich kann darüber SCHREIBEN.
Namen der Politiker und der Bergwerksfeld-Eigentümer werde ich hier nicht nennen, auch wenn ich sie weiß. Das Internet vergisst nichts und wer sucht findet dort alles zum Thema Gipsabbau in Deutschland und kann sich seine eigene Meinung bilden!

"STEINBRUCH RELOADET"
- so wird mein Titel einst lauten, wenn die 'Hohe Schleife' wieder abgebaggert wird.

Hinweis
Über das Vorkommen wilder Orchideen in diesem Steinbruch habe ich bereits in meinem allerersten Beitrag auf meinAnzeiger.de am 05. Juni 2011 geschrieben.

Nachwort
Mit dem Ellricher Bürgermeister habe ich noch nicht über dieses Thema gesprochen. Ich werde
ihn persönlich bitten, mit den Verantwortlichen darüber zu diskutieren. (06.02.2015)

Annett Deistung
Woffleben im Südharz; Einheitsgemeinde Ellrich

Online-Quellen - Auswahl - zum Nachlesen
Renaturierung: Information durch den Bundesverband der Gipsindustrie e.V.
Karstwanderweg: Gipsabbau und Renaturierung
PDF-Datei: Tierwelt in Gipssteinbrüchen - sehr interessant
Facebook-Gemeinschaft: Stoppt Landschaftszerstörung - gerade heute (04.02.15) entdeckt
nnz-Forum: Das Spiele eines Gipswerks
nnz-Forum: Opfer des Gipsabbaus

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3 Kommentare
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Lydia Schubert aus Nordhausen | 04.02.2015 | 18:39  
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Annett Deistung (HarzWusel) aus Nordhausen | 04.02.2015 | 21:46  
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Renate Jung aus Erfurt | 08.02.2015 | 22:22  
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