Wenn Zeugen für immer gehen

Gedenkstättenleiter Jens-Christian Wagner zeigt ein Stück Mauerrest mit Glassplittern. Foto: Wiethoff (Foto: Foto: Wiethoff)
Nordhausen: KZ-Gedenkstätte Mittelbau Dora | KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora entwickelt sich mehr und mehr vom Erinnerungsort zum zeithistorischen Museum – ein Ausblick

von Martin Wiethoff

Zum 67. Mal jährt sich in diesem Jahr der Tag der Befreiung des Konzentrationslagers Dora. „Wir stellen diesen Tag seit dem vergangenen Jahr unter ein Motto. In diesem Jahr widmen wir uns mit der Sonderausstellung ‚Von Auschwitz in den Harz. Sinti und Roma im KZ Mittelbau-Dora‘ den Häftlingen, die einen Großteil – vor allem in den Außenlagern – ausmachten“, erklärte Gedenkstättenleiter Dr. Jens-Christian Wagner. Der 16. April sei als Tag des Gedenkens so gewählt, dass alle ehemaligen Häftlinge auch an der Gedenkveranstaltung in Buchenwald teilnehmen können.

Jährlich besuchen rund 60.000 Menschen die Gedenkstätte. An den 1.500 Führungen nahmen 2011 rund 30.000 Besucher teil, ein Plus von acht Prozent. „Mehr können wir mit dem vorhandenen Personal leider nicht leisten“, bedauerte Dr. Wagner. Besonders gefragt sind Tages- und Mehrtagesangebote, vor allem bei Schülern. Ein Drittel ihrer Gruppen kommt aus Thüringen und Niedersachsen.

Neues Material für Schüler der Oberstufe soll den Aufenthalt künftig noch interessanter und lehrreicher gestalten. „Viele Lehrer haben falsche Vorstellungen. Sie erwarten hier einen kompletten Lagerbetrieb“, berichtete Wagner. Seit Ende Dezember gibt es für Pädagogen neues Material zur Vorbereitung des Gedenkstättenbesuchs. „Es ist nicht unsere Absicht, das Lager zu rekonstruieren. Wir wollen das erhalten und sichtbar machen, was noch vorhanden ist.“ – So sollen im Rahmen von Workcamps die ehemaligen Lagerbaracken in Erinnerung gerufen werden: Junge Menschen beschäftigen sich mit den Geschichten der Baracken-Insassen und machen das Gebäude sichtbar, indem sie die inzwischen gewachsenen Bäume bis zur Höhe des einstigen Gebäudes weiß anstreichen.

Sichtbarmachen ist in diesem Jahr ein wichtiges Thema. Auch die Schienen zwischen Zorgebrücke und den Stollen werden sichtbar gemacht. Unter der Grasnabe befindet sich noch der Originalschotter des Gleisbetts. Deutlicher sollen auch die Stolleneingänge gestaltet werden. Das Aschegrab am Krematorium wird bis 2014 ebenfalls umgestaltet. Eine Tiefensondierung erforschte sein reales Ausmaß. Diese Größe wird es künftig haben.

„Wir entwickeln uns immer mehr von einem Erinnerungsort hin zu einem zeithistorischen Museum, denn bald wird es keine Zeitzeugen mehr geben. Mit dem Archivmaterial geben wir den Besuchern die Möglichkeit, sich kritisch mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen“, umriss Dr. Jens-Christian Wagner die Zukunft der KZ-Gedenkstätte.


KONTAKT + Infos
(Telefon: 03631/49 580
www.dora.de
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