garten talk in Nordhausen: Pflegeleichte Staudenmischungen

Wann? 20.05.2016 17:30 Uhr

Wo? Mueseum Tabakspeicher, Bäckerstraße, 99734 Nordhausen DE
Kugelköpfiger Lauch und Edeldisteln kommen auch mit kargen Bedingungen klar. Diese Mischung begrünt einen sonnig-trockenen Hang. (Foto: Wolfgang Borchardt)
 
Prof. Dr. Wolfgang Borchardt lehrt Pflanzen­kunde an der Fachhochschule Erfurt, Fachrichtung Landschaftsarchitektur. Seit vielen Jahren beteiligt er sich im Arbeitskreis „Pflanzenverwendung“ beim Bund deutscher Staudengärtner an der Entwicklung und Erprobung von Staudenmischpflanzungen. (Foto: Sabine Diedicke)
Nordhausen: Mueseum Tabakspeicher |

Der Verzicht auf Hacke und Gießkanne gilt im Blumenbeet nicht gerade als Erfolgsrezept. ­Außer, hier wurden Stauden gekonnt gemischt. ­Warum ­eine solche Pflanzung nahezu ohne Pflege ­gedeiht, erklärt ­Professor Wolfgang Borchardt im ­Nordhäuser „garten talk“ am 20. Mai. Im Interview ermuntert er schon einmal, die Hacke beiseite zu legen.

Warum sind es ausgerechnet Stauden, die Sie faszinieren?
Stauden sind viele Jahre ausdauernde, aber nicht verholzende Pflanzen. Das heißt, sie müssen nicht wie Sommer­blumen immer wieder neu gepflanzt werden. Stauden wandeln sich während der Vegetationszeit. Einige Arten breiten sich ungebührlich aus, manche treiben spät, andere ziehen sich frühzeitig zurück. Kaum eine andere Pflanzen­gruppe steckt so voller ­Dynamik. Zudem sind Stauden unübertroffen vielfältig. Unterschiedlichste Blatt- und Blütenformen verbinden sich mit einer breiten Farbpalette.

Eine Vielfalt, die der Hobby­gärtner kaum überblickt. Ihr Tipp sind daher fertige Staudenmischpflanzungen...
Entwickelt wurden diese Pflanzkonzepte vor allem, um große öffentliche Grünflächen ansprechend und pflegeleicht zu gestalten. Die mehrjährig erprobten Sortimente sind so zusammengestellt, dass sie an bestimmten Standorten zuverlässig funktionieren – in der Sonne, im Schatten, auf trockenen oder nassen Böden. Was im Großen gedeiht, klappt auch im Privatgarten. Die Beetgröße sollte aber mindestens zehn Quadratmeter betragen. Die Artenvielfalt ­einer Mischung lässt sich auf einem Quadratmeter nicht unterbringen.

Gibt es einen Pflanzplan?
Nein. Die Kombination soll natürlich aussehen, allein die Mengenanteile sind festgelegt. Es ist nicht wichtig, ob der Storchschnabel neben der Katzenminze steht. Hier gilt nicht: vorne niedrig, hinten hoch. Stauden unterschiedlicher Wuchshöhen bilden Stockwerke, vergleichbar mit einer artenreichen Wiese. Eine einzelne Pflanze darf – ausnahmsweise – sogar eingehen. Wichtiger ist das Überleben der Pflanzung insgesamt. Dazu tragen auch vagabundierende „Füller“ bei, die sich reichlich versamen. Sie schließen entstehende Lücken.

Also Schluss mit Hacken, Gießen, Düngen?
In der Tat. Es handelt sich um ein selbstregulierendes System mit viel Dynamik. Darauf muss sich der Gärtner einlassen und auf herkömmliche Pflegerituale verzichten. Hacken stört, schafft Platz für die klassischen „Unkräuter“ und erwünschte Sämlinge gehen möglicherweise verloren. Dennoch geht es nicht ganz ohne Pflege.

Was ist zu tun?

Pflege bedeutet hier vor allem Beobachtung. Ich muss erkennen, was sich mehr als erwünscht ausbreitet oder von draußen einwandert und verdrängend wirkt. Das muss entfernt werden. Schön, dass eine Gänsedistel in der Mischung weit weniger rasch auffällt als in einem regelmäßig gestalteten Beet. Ohnehin sorgt die Artenvielfalt zu jeder Jahreszeit für ein ansprechendes Vegetationsbild.

Auch im Winter, wenn sich die Stauden zurückgezogen haben?

Dann erleben die „Gerüstbildner“ ihren großen Auftritt, die den Winter über stabil stehen und interessante Strukturen bieten. Dazu gehören insbesondere hohe Gräser. Fruchtstände sind auch für überwinternde Vögel nützlich.

Wann sollte der Rückschnitt erfolgen?
Ende Februar, Anfang März – am besten ganzflächig, maschinell oder mit der Heckenschere. Damit keine kahle Fläche droht, gehören zu jeder Mischung Frühblüher. Zwiebel- oder Knollenstauden wie Schneestolz, ­Krokusse, Blausterne, Tulpen und Anemonen leiten das Staudenjahr ein.

Welche Sortimente haben Sie mitentwickelt?
Die erste, heute noch erfolgreiche Mischung war „Silbersommer“ für sonnige Flächen in den Farben Silbergrau und Gelb. Bei „Schattenglanz“ dagegen spielen nicht die Blüten, sondern attraktive Blattformen – zugleich immergrün und glänzend – die Hauptrolle. Weiße Blüten und weiß gezeichnete Blätter hellen den Schatten auf.


Termine

• „garten talk“ zum Thema Staudenmischpflanzungen mit Pflanzenbörse, 20. Mai, 17.30 Uhr, Museum Tabakspeicher Nordhausen.
Mischpflanzungen gibt es bei Gärtnern, die Mitglied im Bund deutscher Staudengärtnersind (Beetgröße angeben!). Bezugsadressen unter www.stauden.de.

Tag der offenen Gärten in Nordhausen und Umgebung, 31. Juli, 10 bis 17 Uhr: Gesucht werden noch Gartenfreunde in der Stadt Nordhausen, die ihre Gartentore für Interessenten öffnen.

• Infos & Kontakt: www.meine-gartenberater.de,Telefon 36 31 - 53 99 707, nordhausen@meine-gartenberater.de
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