Geld: “Nichts tun wird teuer”

Andrew Brotrück, Filialdirektor der Commerzbank in Nordhausen mit den Experten Chris-Oliver Schickentanz von der Commerzbank AG Frankfurt und Dr. Bernd Redlich von der Commerzbank-Zentrale Halle. (Foto: Foto: Ziegenbalg)
Von Heike Ziegenbalg

Zu Kapitalmarktperpektiven 2013 äußerten sich in der Fachhochschule Nordhausen Chris-Oliver Schickentanz, Chief Investment Officer der Commerzbank, und Dr. Bernd Redlich, Vorsitzender der Geschäftsleitung Commerzbank Thüringen/Saale, vor 150 Privat- und Geschäftskunden sowie Interessenten.

„Politische Börsen haben kurze Beine.“


Diese alte Börsenweisheit scheint derzeit ausgedient zu haben. Denn während sich die Realwirtschaft international in 2012 mehrheitlich schwertat, konnten die internationalen Kapitalmärkte dank der größtenteils politisch getriebenen Offensiv-Strategie der Notenbanken deutlich haussieren. Das Börsenjahr 2013 wird wohl ebenfalls durch Notenbanken und Politik beeinflusst. Eine gute Depotstruktur und ein klarer Fokus auf realen Werterhalt sind dabei die Garanten einer erfolgreichen Vermö-gensanlage.

Rückblick 2012: Positive Vorzeichen allenthalben

Wer hätte das zu Jahresbeginn gedacht? 2012 geht insgesamt als ein äußerst erfreuliches Börsenjahr in die Geschichtsbücher ein – und das trotz des ersten Schuldenschnitts eines Euromitgliedsstaates, der Krisen-gipfel in immer kürzeren Zeitabständen, eines lähmend langen Wahlkampfs in den USA und rückläufiger Wachstumsraten überall auf der Welt. Zudem hat Europa das Jahr 2012 gar in einer neuerlichen Rezession beendet und bleibt damit das weltwirtschaftliche Schlusslicht. Aktien und Anleihen haben diesem schwierigen fundamentalen Umfeld getrotzt und kräftig zugelegt. Auslöser waren die umfassenden Liquiditätsprogramme der Notenbanken.

Schleichende Enteignung von Sparern schon heute Realität

Das Jahr 2012 war aber auch in anderer Hinsicht bemerkenswert: Die ultraexpansive Geldpolitik der Noten-banken, insbesondere der Europäischen Zentralbank, führt schon heute zu einer Situation, in der Sparer schleichend enteignet werden. Denn die künstlich niedrig gehaltenen Zinsen reichen bei Weitem nicht mehr aus, um den Kaufkraftverlust durch Inflation und Steuern zu kompensieren. Wer ausschließlich in sichere Anlagen investiert, wird morgen also den Gürtel enger schnallen müssen.

Konsequenz: Sicherheitsbegriff muss neu definiert werden

Für die Geldanlage hat dieses Umfeld gravierende Konsequenzen. Zum einen wird „Nichts tun“ zu einer teuren Entscheidung. „Denn der beste Freund der schleichenden Enteignung ist die Zeit. Jeder Tag, an dem Vermögen ohne ausreichende Rendite „auf Halde“ liegt, kostet Kaufkraft für den Anleger. Zum anderen muss der Sicherheitsbegriff in der Geldanlage neu definiert werden. Denn was bringt es, wenn „sichere Geldanla-ge“ realen Vermögensverlust bedeutet? Entsprechend werbe ich dafür, den Kaufkrafterhalt als zentrale Ziel-größe der Vermögensallokation zu sehen. Ganz ohne Risiken kommt Ihr Depot dabei nicht aus. Aber bei der richtigen Mischung ist dies für die überwiegende Zahl der Anleger unproblematisch.

Die fünf Gebote der erfolgreichen Geldanlage

Dr. Bernd Redlich hat für Anleger Antworten auf die Frage "Wie schützen Sie Ihr Vermögen in 2013?“:

1. Schützen Sie sich vor der schleichenden finanziellen Enteignung. Niedrige, unter Inflation liegende Zinsen führen zu einer schleichenden Enteignung Ihres Sparvermögens und sorgen dafür, dass Sie Ihren Gürtel morgen enger schnallen müssen. Handeln Sie jetzt! Denn jeder Tag zählt.

2. Rechnen Sie mit Inflation! Dieser bewusst doppeldeutige Ratschlag fasst zwei wesentliche Botschaften zusammen: Durch die ultraexpansive Geldpolitik der Notenbanken sind die mittelfristigen Inflationsrisiken gestiegen. So könnte die Inflationsrate in Deutschland ab 2015 auf 3 bis 4% p.a. steigen. Und: Inflation ist angesichts der niedrigen Zinsen auch auf dem aktuellen Niveau von rund 2% eine wichtige Rechengröße für Ihren Vermögenserfolg.

3. Machen Sie sich Ihr Risikobudget klar und gehen Sie kontrolliert ins Risiko. Viele unserer Kunden sind – beeindruckt durch die Turbulenzen der jüngsten Krisen – zuletzt deutlich konservativer eingestellt als früher. Dies ist ein verständlicher und allzu menschlicher Reflex. Nutzen Sie den Dialog mit Ihrem Berater, um Ihre tatsächliche Risikotragfähigkeit zu ermitteln – auch angesichts rekordtiefer Zinsen. Und: Streuen Sie Ihre Anlage über verschiedene Anlageklassen und partizipieren Sie dabei auch an den Potenzialen außerhalb der Eurozone.

4. Bleiben Sie am Ball oder vertrauen Sie Ihr Vermögen Profis an. Die Kapitalmärkte sind deutlich schnellle-biger geworden. Dadurch reicht es nicht mehr, einmal im Jahr oder gar seltener über die eigene Vermögens-anlage nachzudenken. Bleiben Sie am Ball oder nutzen Sie unsere professionellen Vermögensmanagement-Lösungen. Dann kümmern sich Experten um Ihre Geldanlage – und das rund um die Uhr.

5. Lassen Sie sich nicht von Stimmungen treiben. Stimmungen sind ein schlechter Ratgeber – zumindest dann, wenn es um Ihr Geld geht. Investmentchancen entstehen meist vor allem dann, wenn die Stimmung schlecht ist. Springen Sie daher über Ihren Schatten und investieren Sie rational, nicht emotional.“
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