Kinder, raus aus dem Haus

Christine Schöppe erklärt, warum für Kinder freies Spiel so wichtig ist.

Die freie Natur ist für Kinder ein idealer Erlebnisraum. Christine Schöppe erklärt, warum sie auch einmal ohne Aufsicht spielen sollten

Warum sollten Kinder öfter draußen spielen?
Für viele Generationen war es selbstverständlich, im Freien herumzustromern. Heute kommen Kinder immer seltener in Kontakt mit der Natur. Das versperrt ihnen wichtige Erlebnisräume. Fasziniert vor einer Pfütze hocken, Holz fühlen, durch Laub rascheln – das sind alles Dinge, die die Sinne sehr ansprechen.

Und die zugleich die Fantasie fördern?
Ja, unbedingt. Freies Spiel ist wahnsinnig gesund. Das passiert draußen sehr schnell, weil kein Spielzeug mitgenommen wird. Im „Als-ob-Spiel“ schaffen sich Kinder ihre eigene Fantasiewelt. Sie spielen mit einem Holzstück, als ob es ein Auto, ein Flieger oder eine Person wäre. Alles ist möglich. So lernen sie, abstrakter zu denken. Das ist auch wichtig für das spätere mathematische Verständnis.

Hat ein Kind heute weniger Freiraum als früher?
Früher hat sich ein Kind seinen Lebensraum in Kreisen erobert: Das Baby bei der Mama. Das laufende Kleinkind in Wohnung und Garten. Das ältere Kind alleine auf dem Schulweg und beim Herumtollen im Freien. Heute ist sein Lebensraum verinselt. Das Zuhause ist eine Insel, ebenso die Schule, die Großeltern, der Sportverein... Zwischen den Inseln wird das Kind mit dem Auto hin- und herkutschiert. Es ist eigentlich nie unbeaufsichtigt. Das ist nicht gut. Man kann nicht selbstständig werden, wenn man es nicht muss.

Eltern wollen behüten, damit nichts passiert. Ist das nicht verständlich?
Doch, natürlich. Ihre Sorgen sind sehr ernstzunehmen. Mein Rat an sie: einen Schritt zurückzutreten und zu reflektieren: Wie war es in meiner Kindheit? Was mache ich anders und wa­rum? Wovor habe ich Angst? Eltern sollten hinterfragen, wie realistisch eine Gefahr wirklich ist. Es geht um das Loslassen und das Stärken des Kindes.

Warum ist es denn für ein Kind so wichtig, auch einmal ohne Aufsicht spielen zu dürfen?
Weil es dann allein vor Herausforderungen steht. Nur so kann ein Kind lernen: Ich schaffe es. Ich schaffe es nicht. Ich plane. Ich probiere es noch einmal. Es geht um das Kennenlernen der eigenen Stärken und ­Grenzen. Aber auch um die Frage: Wie gehe ich in der Gruppe mit anderen um? Kinder lernen nicht, Kompromisse zu finden, wenn bei jedem Streit sofort Erwachsene schlichten.

Nichts geht also über das eigene Entdecken, Erfahren und Begreifen in freier Natur?
Es ist nun einmal das eigene ­Erleben, das prägt. Noch dazu, wenn es emotional berührt. Schon das Gefühl, sich ausprobieren zu dürfen, stärkt das Selbstvertrauen des Kindes. Manche Eltern wissen nicht, dass ihre Kinder ganz patente Menschen sind, die vieles schon alleine hinbekommen, wenn sie nur dürfen.

Zur Person:
- Christine Schöppe hat Landschaftsökologie und Umweltschutz studiert und ist zertifizierte Waldpädagogin. Sie lebt in Silkerode (Eichsfeldkreis). Mit dem "Matres-Umweltservice" unterbreitet sie ein vielfältiges Angebot, das Naturerfahrungen ermöglicht. Dazu gehören Projekttage, Waldrallyes, Exkursionen, Ferienprogramm, Wanderungen und mehr.
- Am 26. April lädt sie von 14 bis 18 Uhr zu einem Tag der offenen Tür nach Silkerode, Dorfstraße 40, ein.

Kontakt: Telefon 03 60 72 / 8 17 25

Infos im Netz: http://www.matres-umweltservice.de/
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2 Kommentare
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Eberhard :Dürselen aus Weimar | 23.03.2014 | 08:07  
Sibylle Klepzig aus Nordhausen | 23.03.2014 | 10:00  
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