Rechtliche Tipps des ACE Kreisclub Nordhausen bei Unfällen im Ausland

Nordhausen (ACE) 21. Juni 2011 – Wer sich nach einem Verkehrsunfall richtig verhält, kann rechtliche Komplikationen und wirtschaftliche Nachteile vermeiden. Um die Folgen eines Unfalls im Ausland möglichst gering zu halten, sollten bereits vor Reiseantritt, aber auch unmittelbar nach dem Unfall und bei der Kontaktnahme mit der gegnerischen Haftpflichtversicherung eine Reihe von Verhaltensmaßregeln beachtet werden. Ärger gibt es genug. Mit einer langen Regulierungsdauer ist zu rechnen. Am Ende sollte aber immer das bestmögliche Ergebnis stehen. Thomas Metz, Rechtsanwalt und Mitglied des Auto Club Europa Kreisvorstandes Nordhausen möchte pünktlich zum Start in den Urlaub wichtige Tipps geben, worauf es dabei ankommt.
I. Vor Fahrtantritt
1. Versicherungen checken. Nur wer über eine Vollkasko- und eine Verkehrsrechtsschutzversicherung verfügt, kann wirklich entspannt in den Urlaub fahren. Die Vollkaskoversicherung braucht man, weil sich auch bei eindeutiger Sach- und Rechtslage die Regulierung hinziehen kann. Unter Umständen wartet man Monate auf sein Geld. Dann sollte man Reparatur- oder Wiederbeschaffungskosten problemlos abdecken können.
2. Genauso wichtig ist der Rechtsschutz. Bei einem Auslandsunfall können erheblich höhere Anwalts-, Gerichts- und Sachverständigenkosten entstehen als im Inland, die auch im Erfolgsfall nicht immer erstattet werden. Wer sich als Geschädigter ohne Kostenrisiko bewegen kann, dem stehen alle Optionen offen, vom informierten Rechtsanwalt vor Ort über das inländische Regulierungsverfahren nach EU-Recht bis zu einer gerichtlichen Auseinandersetzung über die Schuldfrage oder die Schadenshöhe. Ohne Rechtsschutz muss man akzeptieren, was man bekommt.
II. Nach dem Unfall
1. Sprachbarrieren begegnet man am besten mit dem Europäischen Unfallbericht, den beide Beteiligten in ihrer jeweiligen Muttersprache ausfüllen. Dies sollte man aber nur tun, wenn man Herr der Situation ist und die Sachlage wirklich einschätzen kann. Sonst erweist sich der Bericht als Bumerang. Grundsätzlich darf nichts unterschrieben werden, was in fremder oder unverständlicher Sprache abgefasst ist. Von mündlichen Äußerungen sollte man ohnehin Abstand nehmen und sich auch zu keinem Streit provozieren lassen. Zahlungen vor Ort nur leisten, wenn Beschlagnahme oder Festnahme droht und nur gegen eine Empfangsquittung.
2. Rechtsschutzversicherte sollten baldmöglichst mit ihrer Versicherung oder einer örtlichen Anwaltskanzlei Kontakt aufnehmen. Die meisten Gesellschaften haben entsprechende Anwaltslisten, zumindest für die wichtigsten Länder. Mit denen sollte man sich versorgen. In diesen Kanzleien wir deutsch gesprochen. Die Kommunikation ist auch dann problemlos möglich, wenn die Kanzlei nicht direkt am Ort sein sollte.
3. Je mehr Daten des Unfallgegners man gesammelt hat, desto schneller können Anwalt und/oder Versicherung die Schadenregulierung in Angriff nehmen. Nachforschungen kosten Zeit. Die Nummer der grünen Karte kann wichtig sein, ansonsten sind die Daten des Unfallgegners, seiner Kfz-Versicherung (Versicherungsnummer!) sowie Typ und Kennzeichen seines Fahrzeugs zu notieren. Gehen Sie davon aus, dass die Einholung solcher Informationen in manchen Ländern erheblich schwieriger ist, als in Deutschland, und verlassen Sie sich nicht darauf, Ihr Anwalt werde das „schon regeln.“
4. Wie in Deutschland ist auch im Ausland längst kein Verlass mehr auf die Polizei. Ob sie kommt und den Unfall förmlich aufnimmt, ist jedenfalls nicht sicher. Versuchen sollte man es gleichwohl, zumindest wenn keine Klarheit über die Schuldfrage besteht und der Schaden nicht unerheblich ist.
Hiervon unabhängig gilt das Gebot zu eigenen Beweissicherung. Im Ausland ist es noch wichtiger als im Inland, sich bei der Sicherung von Informationen, die zu einer Rekonstruktion des Unfallhergangs beitragen könnten, nicht auf andere zu verlassen. Alles kann wichtig sein, der Unfallendstand der Fahrzeuge, die Örtlichkeit des Unfalls, die Schäden an den Fahrzeugen, die genaue Lage weggeschleuderter Fahrzeugteile, Glassplitter und Bremsspuren. Hier sollten Sie mit Fotos nicht sparen. Dass man Zeugenanschriften festhält, versteht sich von selbst.
5. Wurde man bei dem Unfall erheblich verletzt und beabsichtigt, Schmerzensgeld geltend zu machen, sollte man unbedingt einen örtlichen Rechtsanwalt einschalten. Nur er kann beurteilen, welche Forderungen in dem betreffenden Land realistisch und durchsetzbar sind, und wie man sich bei der Geltendmachung gegenüber der Versicherung am besten verhält. Die Unterschiede in den europäischen Rechtsordnungen sind hier beträchtlich. Bei leichteren Verletzungen sollte man auf jeden Fall ein ärztliches Attest von einem Arzt oder Krankenhaus des jeweiligen Landes einholen.
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