So beschäftigen Sie Ihren Hund sinnvoll und machen ihn glücklich

Wo steckt bloß dieses ­Leckerli? Golden-Retriever-Hündin Ivy geht der Sache auf den Grund, kaut und zieht, bis die Papprolle den Geist aufgibt. Dann wird sie verspeist – ihre Belohnung.
 
Die acht Monate junge Ivy tollt mit der Papprolle umher.
Hohenstein: Hundeschule |

Hunde brauchen Beschäftigung und Auslastung, nichts ist schlimmer als Langeweile. Doch die typischen Wurfspiele sind in die Kritik geraten. „Sie führen zu Stressreaktionen beim Hund, statt ihn auszulasten. Damit fördern sie Problemverhalten wie Nervosität, Unkonzentriertheit und Jagdverhalten“, sagt die Thüringer Hundetrainerin Nicole Gerwig. „Was ich mit dem Hund spiele, hat Vorbildfunktion. Ist das Spiel grob, wild und hektisch wie bei Zerrspielen, wird er sich genauso verhalten.“ Besser ist eine Beschäftigung, die sich am natürlichen Verhalten des Hundes orientiert. "Denn Hunde sind am besten Hunde", betont die Trainerin und stellt alternative Beschäftigungsideen vor.

Immer der Nase nach

Nasenarbeit entspricht dem Naturell eines Hundes. „Er setzt die Nase ein, um Dinge zu finden, also animieren wir ihn dazu“, sagt Nicole Gerwig. „Lassen Sie ihn Leckerli suchen: im Gras, an Sträuchern, in der Baumrinde, im Laub, auf Steinen, in der Wohnung, in Socken oder in einer Decke.“ Das funktioniert auch mit Gegenständen. Sie rät, Ball und Spielzeug lieber zu verstecken als zu werfen. Dann rennt der Hund nicht einfach hinterher, sondern setzt sein Gehirn und seinen guten Riecher ein.
Durch Training lernt er schnell, verlorene Gegenstände des Menschen zu finden und zu apportieren. Auch das Erkennen von bestimmten Gerüchen und das Suchen danach lässt sich mit einfachen Mitteln üben. Zum Beispiel mit einem Kamilleteebeutel, den man immer wieder versteckt und es dem Tier erklärt. So kann jeder Hund zum Spürhund werden.

Spiele rund ums Futter

Wer sagt, dass das Futter immer im Napf serviert werden muss? „Nassfutter zum Beispiel kann hin und wieder in einen Kong gefüllt werden“, regt die Hunde­trainerin an. „Dann braucht der Hund eine ganze Weile, um es herauszulutschen – und ist danach zufrieden und erschöpft.“ Trockenfutter und Leckerli erschnüffelt er mit Hingabe im Schnüffelteppich.
Sind der Kauknochen im Karton und der Hundekeks im Papprohr verpackt, wird das zur Geduldprobe für den Vierbeiner. Er setzt Pfoten und Zähne ein, um die Verpackung zu zerlegen und die „Beute“ zu ergattern. Für den Hund ist es ganz natürlich, wenn er sich seine Nahrung erarbeiten muss.

Hier ist Köpfchen gefragt

Wie schlau ein Hund ­Probleme lösen kann, zeigen Denkspiele. „Steigern Sie den Schwierigkeitsgrad nur langsam, damit das Tier nicht frustriert wird, wenn es nicht an sein Leckerli kommt“, rät Nicole Gerwig. Intelligenz-Spiele, so sagt sie, kann man durchaus auch selber basteln. Für das Hütchenspiel etwa eignen sich ausrangierte Blumentöpfe oder Becher aus Kunststoff mit Löchern im Boden. Unter ein Hütchen kommt die Belohnung, dann wird gemischt und der Hund muss auf Signal suchen.
Möglich ist auch, dass der Vierbeiner Aufgaben übernimmt: die Leine holt, Türen schließt, Familienmitglieder zum Essen holt.

Auf zur Turnstunde

Baumstämme, Bänke, Steine, kleine Mauern, Reifen – all das bietet sich unterwegs an, um den Hund balancieren zu lassen. „Das fördert das Körpergefühl und die Koordination“, erklärt Gerwig. „Der Hund muss sich konzentrieren, lernt, sich insgesamt besser zu kontrollieren.“ Zu Hause lässt sich das auf einer Luftmatratze üben oder auf einem Wackelbrett – dafür einfach ein kleines Brett auf eine eingerollte Decke legen.

Zeit zum Schnüffeln

Schnüffeln ist für Hunde das Größte – und es hält die Gehirnzellen fit. Der Mensch muss ihm nur die Zeit dazu lassen, auf wechselnden Wegen neue Gegenden zu erkunden. „Der Hund braucht die neuen Informationen, Gerüche und Reize, um kreativ zu bleiben.“ Deshalb sollte man ihm auch gestatten, neue Gegenstände zu erforschen. Der Eimer, die Holzstiege, der Gartenzwerg – alles ist spannend.

Freundschaften pflegen

Regelmäßige Sozialkontakte sind auch im Hundeleben wichtig. „Hier zählt Qualität statt Quantität“, betont Nicole Gerwig. „Ständig flüchtige Bekanntschaften – und sei es auf der Hundewiese – sind Stress fürs Tier.“ Und noch etwas liegt ihr am Herzen: „Jederzeit freier Zugang zur Familie ist ein Grundbedürfnis eines sozialen Wesens.“

Das Fazit

Die optimale Auslastung des Hundes findet über drei Ebenen statt: die Sinnesebene, die kognitive und die soziale Ebene. Diese Möglichkeiten der Beschäftigung schützen vor Problemverhalten und helfen Hunden mit Problemverhalten. Sie fördern Selbstvertrauen, Kreativität und Denkvermögen, dienen dem Stressabbau und der Kommunikation, vertiefen die Beziehung zum Menschen und steigern die Frustrationstoleranz und die Alltagstauglichkeit des Tieres. Kurzum: Sie machen Hunde zufrieden und glücklich.

Mehr zum Thema Hundereziehung hier: Versuch's mal mit Gefühl: Ein Plädoyer für eine Hundeerziehung ohne Druck und Zwang
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