So können Eltern ihre Kinder für die digitale Welt stärken

Spannende Netzwelt: Es ist Aufgabe der Eltern, den Medienkonsum ihrer Kinder kompetent zu begleiten. (Foto: Jana Scheiding)
 
Sozialpädagoge Ingo Weidenkaff ist Referent der Landesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz Thüringen e.V. Johannestraße 19 99084 Erfurt Tel: 0361-6442264 Fax: 0361-6442265 mail: info(at)jugendschutz-thueringen.de web: www.jugendschutz-thueringen.de

Ingo Weidenkaff von der Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) Kinder- und Jugendschutz Thüringen e.V. empfiehlt Eltern die Nutzung medienpädagogischer Angebote und einen Internetvertrag mit ihrem Nachwuchs.

95 Prozent der Zwölf- bis 19-Jährigen besitzen heute ein Smartphone (JIM-Studie 2016). Konnten Eltern am heimischen Computer die Internetnutzung ihres Nachwuchses noch ­ziemlich genau beo­bachten und ihn begleiten, gehen Kinder und Jugendliche mit dem mobilen Alleskönner jetzt von unterwegs aus ins Netz. „Um so wichtiger ist es, ihre Medien­kompetenz zu stärken, um sie mit einem guten Gefühl eigenständig agieren zu lassen“, betont Ingo Weiden­kaff, Fachreferent der Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) Kinder- und Jugendschutz Thüringen e.V.

Jugend besitzt Wissenshoheit

„Wir Erwachsenen kommen aus einer analogen Welt, haben mit der Technik so unsere Befindlichkeiten“, räumt er ein. Junge Leute dagegen gehen mit neuen Medien spielerisch um, eignen sie sich schneller an. Sie zu befähigen, verantwortungsvoll im Netz zu agieren, auch Problembereiche zu erkennen, darin sieht Weidenkaff die erzieherische Herausforderung. Er ermuntert Eltern und Lehrer, ­medienpädagogische Angebote zu nutzen. „Sie können sich an die LAG ­wenden, auch beim Landes­filmdienst und in der Landes­medienanstalt gibt es Ansprechpartner zur Mediensicherheit. Zudem sind wir eng vernetzt mit den Jugendschutzbeauftragten der Landkreise.“


Erklären, was im Hintergrund abläuft

Nicht nur bei Weiterbildungen und ­Elternabenden vermittelt Weiden­kaff sein Fachwissen. Er sucht vor allem das Gespräch mit ­Jugendlichen, ist an Schulen unterwegs. „Das sehe ich zugleich als Forschungs­auftrag, um zu erfahren, wo sie gerade stehen, auf welchen Seiten sie herumstöbern, was aktuell angesagt ist.“ Es ist ein ­Diskurs auf Augenhöhe. Er hört den ­Heranwachsenden zu und erklärt ihnen, was sie nicht wissen. Was bei den Prozessen, die sie tagtäglich am Smartphone ausführen, im Hintergrund mit ihren Daten abläuft oder wie Rechtsfälle aussehen. „Es geht darum, das Daten­bewusstsein zu ­stärken – etwa vorm ­Installieren einer App genau zu schauen, wo­rauf ­diese in der Privatsphäre zugreifen will“, nennt er ein Beispiel. Er verweist auf Alternativen zu den Datensammlern Google, WhatsApp & Co. Auch Ur­heberrecht ist ein Thema sowie Ethik im Netz. „Die Kinder sollten wissen: Die digitale Welt ist kein rechtsfreier Raum, im Internet ist niemand anonym.“

Privatsphäre achten

Trotz des strengen Medien­schutzes für Kinder und Jugendliche hierzulande obliege den Eltern die allererste Pflicht, Jugendschutz ­walten zu lassen, ­bekräftigt der Experte. Doch die Kontrolle stoße an Grenzen. „Wenn Kinder mit 13 ins ­Jugendalter kommen, haben sie durchaus das Recht auf eine ­gewisse ­Privatsphäre – und die beginnt hinter der Benutzer­oberfläche des Smart­phones“, stellt er klar. Eltern sollten nicht da­rauf drängen zu erfahren, was ihre Kinder schreiben. Wichtig ist die Vertrauensbasis.

Verstehen ist besser als verbieten

Weidenkaff ist gegen zu viel Regulierung: „Das schafft erst Interesse und die Jugendlichen werden nicht aufs wahre Leben vorbereitet." Verstehen ist besser als verbieten, lautet sein Grundsatz. Er empfiehlt Eltern, gemeinsam mit den Kindern Spielregeln im Umgang mit den neuen Medien auf­zustellen. Vorlagen dazu finden sie im Internet, etwa den Mediennutzungsvertrag. „Wenn Eltern ihr Kind zweimal jährlich über bewusstes Verhalten im Internet belehren und gemeinsam eine Art Vertrag unterschreiben, stärkt das die Verbraucherrechte, wenn es mal hart auf hart kommt“, erklärt Weidenkaff. Zudem gibt es Anwalts­seiten, auf denen aktuelle Urteile besprochen werden, etwa unter www.wbs-law.de. Die Kanzlei betreibt zudem einen Youtube-Kanal, spricht junge Leute mit Videos direkt an zu aktuellen Fragen des Medienrechts.

Recht auf ein analoges Leben

Bei Jüngeren jedoch ist Weidenkaff für klare Grenzen. Erhalten Kinder schon im Grundschulalter ein Smartphone, sollten grundsätzlich Funktionen eingeschränkt sein, damit sie in geschützten Surfräumen nach und nach Medienkompetenz ent­wickeln. So spannend das Smartphone auch ist, Sendepausen sind wichtig. „Kinder haben auch ein Recht auf ein analoges Leben – mindestens für einige Stunden am Tag", betont er. „Darum gehört das Smartphone normaler­weise nicht ins Kinderzimmer, wo sie auch noch abends darauf zu­greifen können."

Hilfreiche Links


www.klicksafe.de
Klicksafe ist eine EU-Initiative für mehr Sicherheit im Netz. Hier finden Eltern und Pädagogen Infos zu Risiken und Chancen des Internets, praktische Tipps und Materialien zum Download.

www.handysektor.de
Das Jugendportal bietet Infos zur sicheren Nutzung von Smartphones, Tablets und Apps. Mit News und Tipps wendet sich das werbefreie Angebot vor allem an Jugendliche, aber auch an Lehrkräfte.

irights.info
Die Info-Plattform behandelt Fragen zum Urheberrecht und weiteren Rechtsgebieten in der digitalen Welt.

www.mediennutzungsvertrag.de
Über ein Baukasten­system kann schrittweise ein altersgerechter und für die Familie passender Vertrag erstellt werden.

www.schau-hin.info
Der Medienratgeber für Familien wurde initiiert von Bund, ARD und ZDF. Die Website bietet aktuelle News sowie konkrete Hinweise zu den Medienbereichen TV & Film, Internet, soziale Netzwerke, Games und mobile Geräte.

www.internet-abc.de
Wissensvermittlung für Kinder, Lehrkräfte und Eltern.

www.jugendschutz-­thueringen.de
Auf der Webseite der Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) ­Kinder- und Jugendschutz Thüringen e.V. stehen auch alle Thüringer Kinderschutzdienste und Beratungsstellen, Telefon: 03 61 / 6 44 22 64.
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