Unsichtbare Gegner: Hygienescreening zum Aufspüren von Krankenhauskeimen

30 Sekunden für die Patientensicherheit: Die wirksame Desinfektion – auch in den Fingerzwischenräumen – verhindert, dass Keime von Hand zu Hand weiterwandern.
 
Anett Weise, Hygienefachschwester der Helios Klinik Bleicherode (Foto: Janine Weller)
 
Mundschutz, Handschuhe und Schutzkittel sind nicht nur im OP, sondern auch im Umgang mit MRSA-infizierten Patienten unerlässlich. (Foto: Janine Weller)
Bleicherode: Helios Klinik |

Helios-Klinik Bleicherode setzt im Kampf gegen resistente Keime auf Prävention und Händedesinfektion. 2015 bei fünf Patienten eingeschlepptes MRSA-Bakterium entdeckt. Durch Vorsorgemaßnahmen Gefahr gebannt.

30 Sekunden. So lange dauert es etwa, dreimal das Alphabet aufzusagen, 18 Kniebeuge zu absolvieren oder zweimal „Happy Birthday“ zu singen. 30 Sekunden. So viel Zeit ist auch nötig, um sich wirksam die Hände zu desinfizieren – und Keimen den Garaus zu machen. Anett Weise, Hygiene­fachschwester der Helios-Klinik Bleicherode, achtet mit Argusaugen auf die korrekte Desinfektion im Klinikalltag. „Die Händehy­giene ist eines der wichtigsten Mittel, um Krankenhausinfektionen zu verhüten“, sagt die Bleiche­röderin mit Nachdruck. Seit 2008 beteiligt sich das Fachkrankenhaus für Orthopädie an der „Aktion Saubere Hände“ der Weltgesundheitsorganisation (WHO).


Killer-Keime trotzen Antibiotika

Die Gegner sind winzig, mit bloßem Auge nicht zu sehen. Und doch tummeln sich Viren und Bakterien überall. Gefährlich sind besonders jene Keime, die eine hohe Resistenz gegen Antibiotika entwickelt haben – allen voran der Methicillin-resistente Staphylococcus aureus, kurz MRSA. Setzt er sich in Wunden fest, entzünden sie sich, heilen nicht mehr. Kaum ein Antibiotikum vermag ihn zu stoppen. Wundinfektion, Blutvergiftung oder Lungenentzündung sind mögliche Folgen. Vor allem bei alten Menschen und solchen mit schwachem Immunsystem drohen schwere Komplikatio­nen, die tödlich enden können. Und weil in Krankenhäusern die größte Gefahr besteht, sich mit MRSA anzustecken, werden die heimtückischen Erreger umgangssprachlich Krankenhauskeime genannt.

Strenge Hygiene­screening zeigt Wirkung


Um eine Infektion zu verhindern, setzt die Bleicheröder Klinik auf hohe Hygienestandards – und auf Prävention. In das Fachkrankenhaus kommen die Patienten geplant. „Diesen Vorteil nutzen wir“, sagt Anett Weise. „Schon vor der stationären Aufnahme erfragen wir in der Anamnese, ob der Patient zu einer MRSA-Risikogruppe gehört.“ Wenn ja, wird vorsorglich ein Zellabstrich aus Nase und Rachen genommen und im Labor untersucht. „Denn“, erklärt die Schwester, was die wenigsten wissen, „rund 20 Prozent der Bevölkerung tragen den resistenten Keim in sich, ohne es zu ahnen. Er siedelt in der Nase und ist für Gesunde meist gar kein Problem.“ Fällt der Eingangstest positiv aus, wird alles getan, damit sich der mitgebrachte Erreger nicht im Haus verbreitet. Das strenge Hygiene­screening zeigt Wirkung. Anett Weise belegt es mit einer Zahl: „Fünf Patienten mit MRSA-Keim haben wir im vergangenen Jahr bei der Aufnahme herausgefiltert.“ Sie wurden über den Erreger aufgeklärt und gezielt behandelt, ihre Krankenzimmer nur mit Schutzkleidung betreten. So blieb der eingeschleppte Keim ohne ­Chance. Klinikgeschäftsführerin Anna Naumann ist zufrieden: „Innerhalb unseres Hauses hat sich 2015 kein einziger Patient mit MRSA infiziert. Ein hervorragendes Hygieneergebnis.“ Immerhin wurden im vergangenen Jahr 3500 Patienten behandelt und 2400 operiert.

12 bis 16 Handdesinfektionen pro Patient und Tag

Die Verantwortung für das Hygienemanagement trägt Bernd-Uwe Könitzer, Chefarzt für Anästhesie und Hygienearzt. Anett Weise berät sich mit ihm in wichtigen Fragen. Seit 20 Jahren wirkt die OP-Schwester als Hygienefachkraft, kümmert sich um alle diesbezüglichen Belange: vom Desinfektionsplan auf den Stationen bis zur Schulung der Mitarbeiter. „Es geht um den Schutz der Patienten, aber auch des Klinikpersonals“, ist sie sich bewusst. Und da die Hände das wichtigste Werkzeug sind, gilt ihrer Reinigung, Desinfektion und Pflege größte Aufmerksamkeit. In jeder Abteilung, jedem Patientenzimmer, auch im Treppenhaus hängen Spender mit Desinfektionsmittel, es sind rund 300 an der Zahl. Die Schwester erfasst den genauen Verbrauch, protokolliert und rechnet: „Mit 12 bis 16 Handdesinfektionen pro Patient und Tag liegen wir schon sehr gut im Schnitt.“

Schwarzlicht bringt Nachlässigkeiten an den Tag

Hinweisschilder visualisieren die exakte Einreibemethode. „Die Flüssigkeit muss die gesamte Hand benetzen, inklusive Fingerkuppen und Daumen.“ Anett Weise führt es vor. Bei Weiterbildungen oder öffent­lichen Aktionstagen setzt sie zur Kontrolle schon mal das Schwarzlicht ein, um kleine Nachlässigkeiten aufzuspüren. Denn dort könnten resistente Keime überleben. Keime, die ein Mensch überall aufschnappen kann, auch im Supermarkt, in der Straßenbahn, an irgendeiner Tastatur. Deshalb, so ihre Bitte, sollten Besucher ebenfalls die Hände vorm Betreten eines Krankenzimmers desinfizieren. 30 Sekunden lang.

Termine und Themen der Patientenakademie in Bleicherode

Der Eintritt ist frei.
5. April 2016
„Gelenkerhalt versus Endoprothese – Paradigmenwechsel in der Orthopädie?“
Dr. Joachim Burgmeier (Leitender Oberarzt Orthopädie)
3. Mai 2016
Gastvortrag der HELIOS Klinik Sangerhausen „Mehr als nur Bauchschmerzen –
Akute Erkrankungen der Gallenblase“, Dr. Ulrich Steinborn, Dr. Bernd Klinge
(Chefärzte Innere Medizin und Allgemein- und Viszeralchirurgie)
7. Juni 2016
„Wenn der große Onkel schmerzt – Vorfußchirurgie gestern und heute“
Dr. Joachim Burgmeier (Leitender Oberarzt Orthopädie)
5. Juli 2016
Gastvortrag der HELIOS Klinik Sangerhausen „Gesund leben mit Diabetes“,
Thomas Bernasch (Oberarzt Innere Medizin und Leiter des Diabetes-Therapiezentrums)
2. August 2016
„Wenn der Knochen brüchig wird – Leben mit Osteoporose“, Dr. Christian Meyer (Chefarzt Osteologisches Schwerpunktzentrum)
6. September 2016
Gastvortrag der HELIOS Klinik Sangerhausen: „Bauchwandbrüche – Wann muss operiert werden?“, Fritz Woehe (Leitender Oberarzt Allgemein- und Viszeralchirurgie)
4. Oktober 2016
„Auswechseloperationen künstlicher Hüft- und Kniegelenke: Neuanfang oder Anfang vom Ende?“, Dr. Steffen Kohler (Ärztlicher Direktor und Chefarzt
für Orthopädie)
1. November 2016
Gastvortrag der HELIOS Klinik Sangerhausen: „Wieviel ist zuviel? – Mehrfachmedikation bei älteren Menschen“, Simone Putz (Chefärztin Geriatrie)
6. Dezember 2016
„Operationen an der Schulter – Nötig? Möglich? Sinnvoll?“, Dr. Peter Oswald (Leitender Oberarzt Orthopädie),
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