Viele Feste, wenig Blut

Durch ihre Umschulung zur medizinischen Fachangestellten kam Agnes Hagedorn aus Breitenworbis zur Blutspende. Nun spendete sie schon das zweite Mal. Die ehemalige Filialleiterin eines Drogeriemarktes: "Ich hätte es viel früher machen sollen: die berufliche Neuorientierung und das Blutspenden. Doch für die 48-Jährige ist es trotzdem nicht zu spät. Nun fühlt sie sich richtig wohl.
 
Prof. Dr. Reinhard Kappe und Oberärztin Dr. Maria Westphal mit Spenderblut vor dem Blutkühlschrank, in dem die Konserven bei 2 bis 6 Grad Celsius 35 Tage lang aufbewahrt werden können.

Blutspendezentrale am Südharz Klinikum appelliert an Bürger - jetzt erhöhter Bedarf bei weniger Spendern


NORDHAUSEN. Ostern, Himmelfahrt, Pfingsten, Maifeiertag und Bückentage: Das, was die Bürger freut, macht den Mitarbeitern des Instituts für Labordiagnostik, Mikrobiologie und Transfusionsmedizin - so der offizielle Name der Blutspendezentrale am Südharz Klinikum - schon einige Kopfschmerzen. Denn einerseits steigt durch erhöhten Reiseverkehr die Unfallzahl und damit der Bedarf an Blutkonserven, andererseits stehen gerade an diesen Tagen durch Abwesenheit weniger Spender zur Verfügung.

"Da verbrauchen sich die Vorräte sehr schnell und es kann auch schon mal knapp werden", unterstreicht Oberärztin Dr. Maria Westphal, Leiterin der Blutspendezentrale. Mit ihrer fahrbahren Ambulanz sind sie und ihr Team dienstags bis donnerstags im Landkreis unterwegs, um so viele spendewillige Bürger wie möglich zu erreichen und ihnen den Weg ins Klinikum abzunehmen. Montags und freitags ist Spendezeit im Hause.

"Unser mobiler Einsatz zieht sich quer durch Firmen, Einrichtungen und ambulante Arztpraxen der Region. Ob Bundeswehr in Sondershausen, Stadtverwaltung Nordhausen, ob Feuerwehr, Arztpraxis in Obergebra oder Staatliche Berufsbildende Schule - wir sind (fast) immer und überall am Ball."

Wer bekommt das Blut?
In erster Linie dient es der Versorgung des Südharz-Klinikums. Danach folgen Arztpraxen und umliegende Krankenhäuser. "Viele Konserven gehen auch ans Tumor-MVZ, also in die Praxis von Dr. Wußling", erläutert Chefarzt Prof. Dr. Reinhard Kappe. Er leitet das Institut, das die Blutspenden analysiert, aufbereitet, konserviert und an die Bedarfsstellen liefert, seit Juli 2011.

10000-mal pro Jahr entnehmen die Mitarbeiter des Teams spendewilligen Bürgern Blut. Immer 500 ml: 450 ml im "Beutel", den Rest in "Röhrchen" für die nötigen Untersuchungen. Kein Problem für einen gesunden Menschen, der 6 bis 7 Liter des roten Lebenssaftes in sich trägt. Frauen können viermal, Männer sechsmal im Jahr spenden. Für Erstspender liegt die Altersgrenze bei 60 Jahren, für regelmäßige Spender bei 68 Jahren.

In zirka dreieinhalb Stunden wird das Blut im Labor der Blutspendezentrale verarbeitet. Nach dem Wiegen und Etikettieren kommt es in den Kühlschrank. Dort ist es bei Temperaturen zwischen 2 und 6 Grad Celsius 35 Tage haltbar. "Aber bei uns kommt keine Konserve so weit", wirft Dr. Maria Westphal ein. Von den 10000 Spenden eines Jahres werden 8000 als Konserven im eigenen Haus benötigt, 2000 können abgegeben werden.

Dass die Nordhäuser mit ihrem Blutspende-Engagement erfolgreich sind, belegt das 50-jährige Bestehen der Blutspendezentrale. Im April erinnerte Prof. Reinhard Kappe an die Verdienste des Begründers Dr. Franz Busch und seiner Mitarbeiter und ehrte zugleich verdienstvolle Spender, die bis zu 100-mal ihr Blut gaben.

"Leider ist die Zahl der Blutspender aufgrund der Bevölkerungsstruktur rückläufig. Die Spendebereitschaft lässt nach, die Menschen werden älter und kränker. Der Verbrauch steigt. Das stellt uns langfristig vor große Probleme", zeichnet Dr. Maria Westphal ein problematisches Zukunftsbild. "Natürlich entschädigen wir den Spendern ihren Aufwand an Zeit, Fahrkosten und Benzin mit einer Pauschale. Die bekommen sie sofort nach der Spende. Wer möchte, kann sie auch dem DRK spenden und erhält dafür eine Quittung.

Wichtig ist, dass gerade auch jetzt vor der Ferien- und Urlaubszeit möglichst viele Spender zu uns kommen - oder wir zu ihnen."

Infos:

• feste Spendezeiten im Südharz Klinikum (SHK):
Montag 7.30 - 19 Uhr
Freitag 7.30 - 11 Uhr
• Samstag: 6. Juni, 8 bis 12 Uhr, SHK
• Sonntag: 28. Juli, 13 bis 15.30 Uhr, Sondershausen,
DRK-Gebäude Hospitalstraße;
Weltblutspendetag:
14. Juni, 7.30 bis 13 Uhr,
SHK Blutspendezentrale;
mit vielen Test- und
Messaktionen für die
Spender
• Kontakt: 03631-412450
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