Wenn es rot blitzt

Dominik Schöner, Inhaber der ­Firma DMT Digitale Messtechnik, richtet einen Blitz aus. Dieser ist mit einem Quadratfilter versehen. Dadurch nimmt der nachfolgende Verkehr den Blitz geringer wahr und die Rotfilterscheibe reflektiert nicht in der Sonne.

Die Firma DMT Digitale Messtechnik vermietet bundesweit Messanlagen – auch nach Nordthüringen

Werden Temposünder in Nordhausen und Sondershausen geblitzt, steht nicht immer die Polizei am Straßenrand. Seit zwei Jahren führen die Städte auch in Eigenregie ­Geschwindigkeitskontrollen durch. Im kommenden Frühjahr will sich Bad Langensalza anschließen. Gemeinsam mieten die Städte tageweise eine mobile Anlage samt Auto und Fahrer von der Mecklenburger Firma „DMT Digitale Messtechnik“. Redakteurin Sibylle Klepzig wollte von Firmenchef Dominik Schöner Genaueres über die technische Ausrüstung wissen.

Sie betreiben einen privaten Blitzdienst?
Nein, es gibt keine ­privaten Blitzer. Wir vermieten nur die Messtechnik. Die Verkehrsüberwachung ist eine hoheitliche Aufgabe. Es ist immer ein geschulter Mitarbeiter des Ordnungsamtes dabei. Er sagt, wo und wie lange gemessen wird. Er justiert den Sensor und überwacht alles.

Warum ist nur auf einer Straßenseite ein Sensor aufgebaut?
Das ist ein Einseitensensor ES 3.0, der beide Fahrtrichtungen überwacht. Er hat insgesamt fünf Sensoren. Zwei messen die Entfernung des Fahrzeugs. So kann die Spur genau zugeordnet werden. Das funktioniert bis zu 18 Meter Abstand, also sogar bei vier Fahrspuren. Die drei anderen Sensoren messen die Geschwindigkeit.

Wie funktioniert das genau?
Sie nehmen die Helligkeitsunterschiede eines vorbeifahrenden Fahrzeugs wahr: Je schneller diese sind, desto schneller ist das Fahrzeug. Die Geschwindigkeit ergibt sich aus der Zeit, die das Fahrzeug für die 50 Zentimeter lange Durchfahrtsstrecke zwischen erstem und letztem Sensor braucht.

Fährt das Auto schneller als erlaubt, wird fotografiert.
Und das gleich doppelt. Vor und hinter dem Sensor sind je eine Digitalkamera und ein Blitzer positioniert. Die Anlage blitzt daher von vorn oder der Seite und von hinten gleichzeitig. So werden auch Verstöße von Motorradfahrern beweissicher dokumentiert – mit einem Front- und einem Heckfoto. Die Zoom-Kameras, die sogar beheizbar sind, übertragen die Bilder in Echtzeit und sind vom Messfahrzeug aus zu steuern.

Wo laufen alle Daten z­usammen?
Der Rechner im Einsatzauto ist das Herzstück der Messanlage. Hier erfolgen in Bruchteilen von Sekunden alle komplizierten Berechnungen. Er speichert bis zu 80 000 Messungen. Die verschlüsselten Daten gelangen per USB-Stick oder WLAN-Übertragung zur Behörde, die den Bußgeldbescheid auf den Weg bringt.

Wie teuer ist ein komplettes Messfahrzeug mit Zubehör?
Rund 140 000 Euro kostet ein solcher VW-Caddy, wie er in Nordthüringen im Einsatz ist. Hinzu kommen jährlich bis zu 4000 Euro für Wartung, Software, Akkus, Versicherung und die vorgeschriebene Eichung.
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