Bobanschieber Paul Krenz hat WM-Medaille im Visier

Bobanschieber Paul Krenz (links) mit seinem neuen Pilot Richard Oelsner. (Foto: privat)
 
Gemeinsamer Auftritt: Paul Krenz mit seiner Freundin Lisa, die ihm stets eine wichtige Stütze ist. (Foto: privat)
 
Ab geht´s: Der Heringer Paul Krenz schiebt den kleinen Schlitten mit Pilot Richard Oelsner an. (Foto: privat)
Nach mehrmonatiger Verletzungspause meldete sich Bobanschieber Paul Krenz aus Heringen zu Jahresbeginn bei den Europacups am Königssee sowie in Innsbruck/Igls mit zwei sechsten Plätzen (Zweier) und Rang zwei (Vierer) eindrucksvoll ins Wettkampfgeschehen zurück.

Nun folgt an diesem Wochenende der Höhepunkt der Saison: die Junioren-Weltmeisterschaften in Winterberg. Sandra Arm sprach mit dem 24-jährigen Lehramtsstudenten über einen guten Start, ein Sommer der Leiden und neuen Herausforderungen.

Herr Krenz, welche Erinnerungen verbinden Sie mit der Bobbahn in Winterberg?
Ich verbinde nur gute Erinnerungen mit der Bahn. Dort bin ich zum ersten Mal richtig Bob gefahren. Das heißt mit dem vollen Programm: Anspannung, Anschieben und unter Wettkampfbedingungen. Das war vor Beginn der Wettkampfsaison im Oktober 2014 bei einer Selektion.

Wo liegen die Besonderheiten auf der Bahn?
Schwierig sind die ersten Meter nach dem Start. Der obere Teil der Bahn ist sehr flach und man kommt nur langsam vorwärts. Daher muss schon am Start eine ordentliche Zeit vorlegt werden. Nach den ersten Kurven nimmt man dann so richtig Fahrt auf und kann während des Laufs durchaus Geschwindigkeiten um etwa 130 km/h erreichen.

Daher ist bei dieser Bahn der Start umso wichtiger.
Genau. Bei der Bahn in Winterberg handelt es sich um eine Starterstrecke. Hier entscheidet ein guter Start über eine vordere Platzierung. Erwischt man ihn nicht richtig, wirst du auch nicht gewinnen. Die Bahn verzeiht einfach keinen Fehler.

Woran merken Sie, ob es ein guter oder schlechter Lauf ist?
Das ist eine Gefühlssache. Bevor wir in den Wettkampf starten, stehen ja auch noch Trainingsläufe an. Es gibt Bahnen wie zum Beispiel am Königssee, wenn man dort zwei Banden an den entsprechenden Stellen mitnimmt, dann gehört das einfach dazu. Wenn man aber während der Fahrt noch eine Bande bekommt, dann weiß man sofort, dass war keine gute Fahrt.

Ihre Premierensaison verlief mit Rang drei in der Europacup-Wertung sowie dem zweiten Platz bei der Junioren-WM in Altenberg sehr erfolgreich. Die zweite Serie gilt häufig als das schwierigste. Beeinflusst Sie diese alte Weisheit in irgendeiner Weise?
Wenn ich die Verletzung im Sommer mal außer Acht lasse, dann lief es in dieser Saison sogar noch besser. Die Anschubzeiten haben sich im Vergleich zum Vorjahr deutlich verbessert. Sicherlich ist hinsichtlich der Platzierungen im Zweier noch Luft nach oben, aber im Großen und Ganzen bin ich sehr zufrieden.

Was ist im zweiten Jahr anders?
Ich bin am Start im Kopf ruhiger geworden, denke nicht mehr so viel nach, was alles geschehen könnte. Fragen wie, was könnte passieren, wenn ich nicht richtig in den Bob hereinspringe, stellen sich mir nur noch selten. Durch das ständige Üben haben sich die Bewegungen am Start einfach automatisiert. Ich habe mehr Sicherheit gewonnen und bin durch die Wettkämpfe einfach auch routinierter geworden.

Sie waren im Sommer verletzt, konnten nur eingeschränkt trainieren und haben vor Weihnachten beim Leistungstest mit großartigen Startzeiten auf sich aufmerksam gemacht. Inwieweit haben Sie die Zeiten überrascht?
Schon sehr. Für mich persönlich habe ich nach der niederschmetternden Diagnose nach meinem Urlaub im April meine zweite Saison als Bobanschieber eigentlich schon abgeschrieben gesehen. Zuerst wurde ich im April am linken Knie, im Juni am rechten Knie operiert. Bis Mitte September war an Training überhaupt nicht zu denken, ich habe ordentlich in der Reha geschwitzt.

Während ich nur wenig Hoffnung auf einen baldigen Einstieg hatte, machte mir mein Heimtrainer Matthias Trübner immer wieder Mut. Ich bin dann langsam wieder in das Trainingsprozess eingestiegen. Die ersten Schubzeiten im Training von 4,90 und 4,86 Sekunden haben mir gezeigt, ich bin auf dem richtigen Weg. Als Anfang November eine Zeit von 4,77 Sekunden auf der Anzeige stand, wusste ich, es war die richtige Entscheidung geduldig zu sein und sich Zeit für die volle Genesung zu nehmen. Vor Weihnachten beim Leistungstest in Oberhof konnte ich mich auf 4,67 Sekunden steigern.

Wie ist es Ihnen gelungen, sich so schnell wieder ins Wettkampfgeschehen zurück zu kämpfen?
Das gelingt nur mit einem Top-Team. Angefangen von einem kompetenten Arzt, dem Münchner Kniespezialisten Professor Stefan Hinterwimmer, über die Physiotherapeuten bis hin zu den Trainern.

Woraus haben Sie in dieser Zeit Ihre Kraft und Zuversicht gezogen?
Jedes Mal wenn ich das Bild von meine Tochter sah, dann hat mir das unheimlich viel Kraft gegeben. Sie hat mich angetrieben, nicht aufzugeben. Das gilt auch für meine Eltern, die einfach in jeder Situation hinter mir stehen und mich unentwegt an meinen Kampfgeist erinnerten. In dieser schwierigen Zeit war mir meine Freundin Lisa ein ebenso wichtiger Rückhalt. Sie begleitete mich beispielsweise nach München, verbrachte sechs Stunden im Wartesaal und die ersten 14 Tage nach der Operation bei mir in Oberhof. Sie war 24 Stunden für mich da und eine sehr große Stütze. Das, was sie für mich in der Zeit getan hat, kann man mit keinem Geld der Welt aufwiegen.

Spüren Sie noch etwas von der Knieverletzung?
Ich spüre nichts mehr. Ich fühle mich komplett fit. Es fühlt sich alles viel besser an als vor der Operation.

Wodurch haben Sie sich während Ihrer Verletzung fit gehalten?
In den ersten zwei Wochen nach der Operation konnte ich gar nichts machen. Ich wollte auch einfach nichts riskieren. Erst danach habe ich schrittweise begonnen, zunächst die obere Körperpartie wieder zu belasten. Irgendwann sah ich obenrum wie ein Michelin-Männchen aus, hingegen wurden die Beine immer dünner. Inzwischen passen die Proportionen wieder gut zusammen (lacht).

Eigentlich hatten sie die Wintersaison schon abgeschrieben. Nun sind Sie wieder mittendrin. Der Konkurrenzdruck ist weiterhin groß. Gerade bei den Leistungstests gilt es sich mit guten Startzeiten für einen Platz im Welt- oder Europacup zu empfehlen. Sind Sie jemand, der mit Druck gut umgehen kann?
Jeder, der mich kennt weiß, dass ich ein hibbeliger Typ bin. Außerdem bin ich vor jedem Start sehr aufgeregt und nervös. In den Situationen bin ich froh, dass ich Lisa an meiner Seite habe. Sie ist der gegensätzliche Part, der mich vorher gut beruhigt und mir Mut zuspricht. Das ich mit Druck wahnsinnig gut umgehen kann, zeigt sich immer wieder an Tag X, wenn ich meine Leistungen abrufen kann. So wie vor Weihnachten als ich beim Leistungstest mit einer Startzeit von 4,67 Sekunden überzeugen konnte.

In Ihrer Premierensaison hießen Ihre Piloten Toni Förtsch (national) und Christoph Hafer (international). In dieser Saison sitzen an den Lenkseilen Florian Wagner und Junioren-Weltmeister Richard Oelsner. Nach welchen Kriterien wird ausgewählt, wer welchen Bob anschiebt?
Das entscheidet der Europacup-Cheftrainer und verantwortliche Junioren-Trainer Matthias Höpfner. Das ich jetzt für Richard Oelsner anschiebe, lag am verletzungsbedingten Ausfall seines Anschiebers Christian Ebert. Der Platz wurde frei, den ich nun seit Jahresbeginn einnehme. Das Team hat mich super aufgenommen, ich bin mit der Wahl absolut zufrieden. Die Option erneut für Christoph Hafer anzuschieben, gab es nicht. Er hat inzwischen ein eingespieltes Team mit einem starken Anschieber Marc Rademacher. Ungeachtet dessen werden wir immer Freunde bleiben. Auch wenn er nun mein direkter Konkurrent ist.

Ebenso wie bei der Junioren-WM. Wer zählt noch zu Ihren direkten Konkurrenten?
Für mich ist Johannes Lochner, der die Europacup-Gesamtwertung im Zweierbob souverän anführt, der Titel-Favorit bei der Junioren-WM. Auch das monegassische Duo um Pilot Rudy Rinaldi darf man keineswegs unterschätzen und mit auf der Rechnung für eine Top-Platzierung haben.

Im kleinen Schlitten sicherte sich im Vorjahr Richard Oelsner mit Eric Franke den Titel bei der Junioren-WM. Mit welchen Zielen starten Sie mit Ihrem neuen Partner in die Zweierkonkurrenz?
Wir wollen um eine Medaille mitfahren, wobei die Farbe zweitrangig ist. Der erste Platz ist nach den bisher gezeigten Leistungen für Johannes Lochner reserviert. Dahinter wird es richtig spannend zugehen. Ich denke, es wird erneut auf einen Zweikampf zwischen den Teams Christoph Hafer und Richard Oelsner hinauslaufen.

Was zeichnet Richard Oelsner aus?
Ich hatte wie schon im Vorjahr richtiges Glück bei der Pilotenauswahl gehabt. Ich kann auch hier sagen: Wir haben uns gesucht und gefunden. Im Vergleich zu mir ist Richard eher der ruhigere Typ, er ist diszipliniert, stets fokussiert und passt daher richtig gut zu mir. Außerdem ist er eine richtige Startrakete.

Welche Schlagzeile würden Sie am Morgen des 25. Januar gern über sich lesen?
Thüringer Paul Krenz fährt erneut bei den Junioren-Weltmeisterschaften in die Top drei.
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