Bronze motiviert für mehr

Fokussierter Blick: Hindernisläuferin Kira Reinhardt hat sich für die kommende Freiluft-Saison große Ziele gesetzt.
 
Wenn im kommenden Jahr die besten deutschen Leichtahleten im Erfurter Steigerwaldstadion um den nationalen Titel kämpfen, hat die Strutherin Kira Reinhardt die Möglichkeit dabei zu sein. Qualifizieren kann sich die Hindernisläuferin mit der 3x800-Meter-Staffel.
 
Laufen für die großen Ziele: Hindernisläuferin Kira Reinhardt will sich ihren Traum erfüllen. Die Strutherin hat die U20-EM im italienischen Grosseto im Visier.

Nur allein das Wort Mönchengladbach reicht, schon strahlen die Augen von Kira Reinhardt. Die Großstadt im Westen Nordrhein-Westfalens erzeugt bei ihr sofort Bilder im Kopf, die Erinnerungen wecken. An einen Abend im Juli.

„Es war schon ein bewegender Moment für mich, weil er auch so nicht erwartet war. Ich hätte fast vor Freude weinen können“, erinnert sich die 17-Jährige an die späten Abendstunden des 30. Juli zurück. Im Grenzlandstadion Mönchengladbach‐Rheydt erlebt sie ihren bisher größten sportlichen Erfolg. Bei den deutschen Jugendmeisterschaften holt sie über 2000 Meter Hindernis ihre erste nationale Medaille.

Nach der Hälfte des DM-Rennens noch gut drauf


Ein Erfolg, der nicht unbedingt zu erwarten war. Nach Platz fünf im Vorjahr bei der Jugend-DM in Jena, sie startete in der U18 über 1500 Meter Hindernis, sollte es nun in ihrem ersten U20-Jahr in gleiche Spähren gehen. Zumal die starke nationale Konkurrenz, wie die Vorjahreszweite Liane Weidner (SCC Berlin), den Takt vorgab. „Ich war als Fünfte gemeldet. Ich dachte mir, der fünfte Platz wäre schon echt gut. Es war auch so mit meinem Trainer vereinbart“, sagt die junge Läuferin von der LG Ohra Energie, die sich streng an die taktischen Vorgaben ihres Trainers Enrico Aßmus hielt.

Sie orientierte sich auf den ersten Metern mehr nach hinten, andere übernahmen die Tempoarbeit. „Nach der Hälfte des Rennens habe ich gemerkt, dass ich für meine Verhältnisse noch richtig gut drauf bin. Wenn man die anderen schon schwer atmen hört und selbst denkt, es geht noch locker, dann motiviert das einen ganz schön.“

Große Freude bei der mitgereisten Familie


Mit einer gewissen Leichtigkeit nahm sie auch das letzte Hindernis und rannte dem Ziel entgegen. So schnell wie nie zuvor überquerte sie in 6:56,65 Minuten die Ziellinie, ihren Emotionen ließ sie anschließend freien Lauf. Erst recht, nachdem ihre Mama ins Stadion gelaufen kam, um sie freudestrahlend zu umarmen. „Als ich wusste, ich bin Dritte, das war unbeschreiblich. Einfach nur geil, dass alles so gut geklappt hat.“

Noch dazu mit der tatkräftigen Unterstützung der Familie, die auf der Tribüne saß und kräftig die Daumen drückte. „Sie sind nur wegen mir und dem Lauf nach Mönchengladbach gekommen. Nach dem Zieleinlauf haben sie sich sehr für mich gefreut. Ich bin unheimlich stolz, so eine Familie zu haben“, freut sich die junge Strutherin, die seit zweieinhalb Jahren das Sportgymnasium in Erfurt besucht. Abschließen will sie es 2018 mit dem Abitur. Natürlich bestmöglich.

Vom Fußball zur Leichtathletik


Mit nach Mönchengladbach reiste ihr wohl größter Fan: Opa Bernward Seipel. Einst selbst aktiver Speerwerfer und nun großer Leichtathletik-Fan. Bevor er seine Enkelin in jungen Jahren zur Leichtathletik nach Mühlhausen schickte, probierte sie sich zunächst beim Fußball. „Ich habe zwei Mal mittrainiert und wusste, das ist nicht meins. Ich bin wahrscheinlich nicht so der Teamplayer. Ich mache lieber allein mein Ding.“

Während ihre jüngere Schwester Milena den umgekehrten Weg ging. Aus der Leichtathletin wurde eine erfolgreiche Fußballerin, die in der B-Juniorinnen Bundesliga für den USV Jena aktiv ist. Das Nesthäkchen der Familie, ihr siebenjähriger Bruder Arian, jagt ebenfalls dem runden Leder hinterher.

Großes Vorbild: Gesa Felicitas Krause


Soweit es der Wettkampfkalender zulässt, besucht Kira Reinhardt ihre Familie am Wochenende. Mit der Bahn geht es immer freitags von Erfurt nach Mühlhausen. Von dort weiter nach Struth. „Es ist immer jemand da, der mich vom Bahnhof abholt.“ Die Tage daheim genießt sie, besucht ihre beste Freundin und kann abschalten. Was doch eher selten der Fall ist. „Für einen Läufer ist eine Saison nicht wirklich vorbei“, sagt sie mit Blick auf die nächsten Wochen, in denen einige Cross- und Straßenläufe anstehen.

Darauf folgt die Hallensaison, die sie nicht sonderlich mag. „Ich habe Asthma, so dass es mir schwerfällt, in der Halle zu laufen. Ich mag es mehr, an der frischen Luft unterwegs zu sein.“ Und das vorrangig im Stadion, wo sie Hindernisse überqueren muss. Alles andere sei ihr zu eintönig. „Ich liebe es einfach, wenn ich eine Aufgabe habe. Wenn ich weiß, gleich muss ich wieder über ein Hindernis drüber.“ Ebenso wie ihr großes Vorbild: Europameisterin Gesa Felicitas Krause, die seit diesem Jahr den deutschen Rekord über 3000 Meter Hindernis hält. „Ich mag sie unheimlich gern. Es ist schon Wahnsinn, wie sie über die Hindernisse geht. Das bekommt keine andere so hin“, schwärmt Kira Reinhardt über ihr sportliches Idol. Getroffen haben sich beide noch nicht.

Der Traum von der U20-Europameisterschaft


Im kommenden Sommer wäre ein Treffen abseits der Bahn möglich. Im Steigerwaldstadion messen sich vom 8. bis 9. Juli die besten Athleten Deutschlands. Der Nachwuchs erhält ebenso seine Chance. Kira Reinhardt kann sich mit der Nachwuchs-Staffel über 3x800 Meter für die deutschen Meisterschaften qualifizieren. Das Team ist mit Alina Schönherr (LSV Schmölln) und Lena Posniak (SV Sömmerda) meisterlich besetzt. „Die Chancen auf eine Medaille stehen sehr gut“, blickt die zierliche Athletin voraus. Und das im eigenen „Wohnzimmer“. Die Aussicht beflügelt und gibt zusätzliche Motivation. „Das ist ein richtig schönes Heimatgefühl. Hier kenne ich mich aus und da wollen wir zeigen, wer hier der Boss ist.“

Das Jahr 2017 ist gedanklich noch so fern und doch so nah. Gefragt nach ihren Wünschen zu ihrem 18. Geburtstag, sie feierte ihn am 5. Oktober, geht sie kurz in sich. Grosseto kommt ihr in den Sinn. Die Stadt in der italienischen Region Toskana ist Gastgeber der U20-Europameisterschaften (20. bis 23. Juli). „Das wäre geil, wenn ich mich dafür qualifizieren könnte. Wenn ich mich darauf konzentriere und richtig an mir arbeite, dann könnte ich es schaffen“, spricht sie über ihr ehrgeiziges Ziel, das zusätzliche Rennmeter mit sich bringt. International sind 3000 Meter gefordert, die Norm liegt bei 10:35 Minuten.

Bronze ist schöner Motivator


Bestmöglich unterstützt wird sie von Enrico Aßmus, der ihren großen Ehrgeiz im Trainingsprozess, ihr kameradschaftliches Verhalten als auch ihre soziale Einstellung schätzt und fest an sie glaubt: „Wenn Kira ihr Potenzial voll ausschöpft, wenig Fehler macht und ein wenig Glück dazukommt, dann kann sie sich ihren Traum, im deutschen Trikot bei der U20-EM zu starten, tatsächlich erfüllen. Ich bin gern ein Teil dieses Projektes und werde sie dabei bestmöglich unterstützen.“ Will sie sich ihren Traum erfüllen, muss sie sich weiter steigern. Zum Beispiel ihre Bestzeit über 2000 Meter Hindernis. „Ich denke schon, dass ich in den Bereich von 6:46 Minuten, wenn nicht sogar noch schneller, laufen kann“, sagt Kira Reinhardt, die ihre Reserven kennt.

Die eigenen Schwächen zu benennen, fällt ihr trotzdem nicht leicht. „Ich müsste noch schneller werden und an meiner Laufhaltung arbeiten. Wenn es schwer wird, nicke ich mit dem Kopf ein und lasse die Füße nur noch so schleifen.“ Viel lieber spricht sie über ihre Stärken: „Eindeutig meine Technik und Ausdauer. Je länger die Strecke wird, desto mehr kommen meine Stärken zum Tragen.“ Auch ihr Trainer weiß, was er an ihr hat: „Sie ist verlässlich und gibt nicht auf.“

Einen mitentscheidenden Schritt voran brachte sie die starke Trainingsgruppe um Mittelstreckler Sebastian Keiner, die antreibt, fordert und unterstützt. Die Arbeit bleibt nicht wirkungslos: So ist die Bronzemedaille von der Jugend-DM auch ein schöner Motivator. „Als Sportler brauchst du solche Erfolgserlebnisse, um sich über die Saison zu motivieren und zu sagen, es geht noch besser und du kannst es.“ Nicht ausgeschlossen, dass sie dann 2017 richtig durchstartet.
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige
Anzeige