Nordhäuser Leichtathletik-Trio mit Medaillenchancen

Spannung versprechen die 60 Meter: Jörg Ziegler (links) und Marco Bachmann (rechts) von der HSG Nordhausen starten bei der Hallen-DM nicht gemeinsam. Sie sind in unterschiedlichen Altersklassen für die 60 Meter gemeldet.
 
Beim TLV-Meeting zum Jahresbeginn ließen sich Jörg Ziegler (links) und Marco Bachmann (rechts) mit dem deutschen Topsprinter Julian Reus ablichten. Vielleicht schaut der Rekordhalter aus Erfurt am Wochenende auch mal in der Halle vorbei.

Bis auf Marco Bachmann, Thomas Biedermann und ein, zwei Freizeitläufern ist der Hohe-Kreuz-Sportplatz an jenem sonnig-windigen Februar-Freitag fast verwaist. „Noch eine Runde“, ruft Bachmann ins weite Rund und begibt sich auf die letzten Trainingsmeter. Biedermann genießt derweil die wärmenden Sonnenstrahlen, die sich durch die dichte Wolkendecke kämpfen und blickt derweil voller Vorfreude dem nationalen Höhepunkt des Leichtathletik-Winters entgegen: die deutschen Hallen- und Winterwurfmeisterschaften der Senioren in Erfurt (27. Februar bis 1. März).

Aus dem Duo von der HSG Nordhausen wird am Wochenende ein Trio, denn mit Jörg Ziegler schickt sich ein weiterer Nordhäuser an, bei den nationalen Titelkämpfen seine Jahresbestleistungen über 60, 200 und 400 Meter in der Altersklasse M55 anzugreifen. Bisher lief es bei Ziegler im Wettkampf noch nicht so wie gewünscht. Zu oft haderte er mit sich und seinen Leistungen.

„Mir fehlt die Lockerheit über 60 Meter. Ich kam nicht in den Lauf. Mit der Zeit über 400 Meter war ich ebenfalls nicht zufrieden. Meine Beine fühlten sich schwer an“, bilanzierte er nach seinen Rennen bei den thüringischen Hallenmeisterschaften vor einem Monat und richtete zugleich den Blick zum Saisonhöhepunkt: „Es gibt noch einiges in Richtung Hallen-DM zu tun.“

Thomas Biedermann und das Ziel von einer Medaille


Unzufriedenheit ist etwas, das Biedermann anstachelt. Gerade die 400 Meter liefen für den 48-Jährigen bisher „nicht so berauschend“. Zuletzt stand in Erfurt eine Zeit von 55,87 Sekunden im Protokoll. „Ich kann noch schneller und will meine Saisonbestleistung angreifen“, sagt Biedermann und hat für sich als Ziel, einen dritten Platz ausgegeben. „Alles andere wäre für mich enttäuschend. Wenn ich richtig gezählt habe, dann kann ich in Erfurt meine 23 und vielleicht auch meine wichtigste Medaille gewinnen“.

In seiner Stimme schwingt neben der Vorfreude auch eine gewisse Unsicherheit mit – ihm fehlen Rennen. „Ich bin ein Wettkampftyp, ich brauche den Wettkampf und habe über 400 Meter erst ein Rennen bestritten.“ Das Training gibt derweil große Zuversicht. Auch für die 800 Meter in der Altersklasse M45. „Wenn ich schneller als 2:09 Minuten laufen kann, dann wäre das ein gutes Ergebnis. Ich rechne mit einem taktischen Rennen.“

Training an ungewöhnlichen Orten


Während Bachmann seine letzten Trainingsmeter im lockeren Schritt abgespult, dreht auch Biedermann nochmal kurz auf und läuft eine Runde auf der Tartanbahn. Die Zeit fürs Training ist schließlich begrenzt: Arbeit, Familie und Sport müssen gut organisiert sein. Dennoch schaffen beide zwischen fünf bis sechs Einheiten in der Woche. „Irgendwie muss man sein Pensum schaffen. Die Zeit, die uns zur Verfügung steht, müssen wir effektiv nutzen.“

Auch mal an eher ungewöhnlichen Orten wie der Unterführung in der Freiherr-vom-Stein-Straße. Die Strecke eignet sich nämlich gut, um Bergabläufe zu simulieren. „Das geht aber nur am Sonntagvormittag, wenn keine Fußgänger unterwegs sind“, weiß Bachmann.

Im Training ist seit dieser Woche weniger mehr: „In der Vorbereitungswoche auf den Höhepunkt machen wir nicht mehr so viel. Nicht das man als Athlet in den Wettkampf geht und spürt eine gewisse Müdigkeit. Die wichtigen Tage waren für uns der vorige Freitag, Samstag und Sonntag.“ In den vergangenen Wochen wurde der Körper immer wieder großen Belastungen ausgesetzt, trainiert wird nach einem festen Plan. „Wir trainieren seit vielen Jahren nach einem Trainingsplan. Die Erfolge geben uns recht, dass wir irgendwo nicht alles falsch machen.“

Marco Bachmann startet als Favorit über 60 Meter


In diesem Winter gab es schon einen großen Erfolgsmoment: Bachmann erlebte ihn am 3. Februar beim Abendsportfest in Erfurt, als er über 60 Meter einen neuen deutschen Rekord in der Altersklasse M40 aufstellte. Er verbesserte die alte Bestmarke um zwei Hundertstel auf 7,13 Sekunden. Für die Hallen-DM ist der 39-Jährige als Schnellster gemeldet, er geht als Favorit an den Start. Eine neue Rekordmarke ist allerdings nicht sein Ziel: „Ich möchte zwei saubere Läufe hinbekommen und gewinnen.“

Prominente Unterstützung wird es wohl von der Tribüne geben, denn Topsprinter Julian Reus, der in Erfurt lebt und trainiert, wird in der Halle vorbeischauen. „Julian ist sehr interessiert, an dem, was wir machen. Bei den vergangenen Meetings sind wir immer mal wieder locker ins Gespräch gekommen. Vielleicht ergibt sich ja mal die Möglichkeit, dass wir zusammen eine Krafteinheit absolvieren.“

Für Reus spielten die 200 Meter bei der Hallen-DM in Karlsruhe keine Rolle, für Bachmann in Erfurt zumindest ein bisschen: „Ich laufe die 200 Meter nicht so oft, weil mir einfach das Training für die Kurvenerhöhung fehlt. Dennoch möchte ich schon gern in den Bereich meiner Bestzeit laufen. Eine Medaille wäre natürlich auch sehr schön, die Farbe ist dann sekundär.“

Der Wind hat inzwischen ordentlich aufgefrischt und bläst durchs Haar. Biedermann schaut auf seine Uhr und hat es plötzlich eilig: „Ich muss noch mit dem Hund Gassi gehen.“ Und auch Bachmann packt seine Trainingssachen schnell zusammen. Als beide das Eingangstor des Hohe-Kreuz-Sportplatzes hinter sich schließen, ist endgültig Ruhe im weiten Rund eingekehrt.
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1 Kommentar
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Thomas Biedermann aus Nordhausen | 01.03.2015 | 15:34  
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