Nordhusia unter Wasser

Der Sundhäuser See hat sich zum Top-Tauchgebiet entwickelt – dank der sehr guten Sichtbedingungen, des Fischreichtums und künstlich geschaffener Attraktionen wie der Unterwasserstadt. (Foto: Tauchbasis)
 
In der Unterwasserstadt "wachsen" auch Bäume. (Foto: Tauchbasis)

Die Stadt auf dem Grund des Sundhäuser Sees in Nordhausen wächst – Am 10. August wird eine Unterwasserkirche geweiht

„Das gab es tatsächlich noch nie.“ Auch für Pastor Bernd Staege ist es eine Premiere. Am nächsten Samstag wird der Erfurter am Stadtrand von Nordhausen eine Kirche weihen, die ein paar Tage später im Wasser verschwindet. Es ist zwar kein komplettes Gotteshaus, das versenkt wird, sondern die Nachbildung einer Kirchenruine mit Altar. Aber immerhin. Auf dem Grund des Sundhäuser Sees wird sie sich einfügen in die Unterwasserstadt „Nordhusia“.

Bauwerk für Bauwerk wächst die versunkene Stadt des Actionsport-Tauchsportzentrums in Nordhausen. In 12 Meter Wassertiefe soll sie schemenhaft an die alte Reichsstadt Nordhausen erinnern und den Tauchgang noch spannender machen. „Die ersten Segmente aus Beton haben wir vor zwei Jahren auf den Seegrund verfrachtet: eine 15 Meter lange Stadt-
mauer mit Stadttor und Turm“, berichtet Tauchbasis-Inhaber Dr. Wolfgang Tröger. 2012 folgten ein kleiner Friedhof und zwei Fachwerkhäuser. Damit Nordhusia nicht leblos erscheint, gibt es sogar einige Bewohner: Im fünf Meter hohen Turm haben sich zwei Eulen eingenistet. Ein Ritter bewacht einen Gefangenen. Und in den Fachwerkhäusern sitzt jeweils eine Bäuerin auf der Bank. Wolfgang Tröger hat für diese Details kreative Partner gefunden: „Dieter und Sebastian Krüger aus Garnbach bei Wiehe haben die lebensgroßen Figuren mit der Kettensäge geformt – aus Eichenholz.“

Überhaupt kommen beim Bau der Unterwasserstadt nur umweltverträgliche Materialien zum Einsatz. Nordhusia soll ein Biotop werden und Heimat für Fische, Muscheln und Schwämme. Denn der Fischreichtum ist einer der Gründe, weshalb sich der durch Kiesabbau entstandene Sundhäuser See zum bundesweit anerkannten Top-Tauchgebiet entwickelt hat. Bereits in einer Tiefe von zwei Metern schwimmen die ersten Schwärme von Barschen. Mit etwas Glück entdecken die Taucher Hechte, Spiegelkarpfen, Aale, Rotfedern, Regenbogenforellen, Zander, Grünlinge, Bleie und Krebse. Ein zweiter Pluspunkt ist das klare Wasser. Wolfgang Tröger erklärt es genauer: „Der See ist bis zu 30 Meter tief und von Grundwasserströmen durchflossen. Dadurch können Sporttaucher 10 bis 15 Meter weit sehen – das liegt weit über dem Durchschnitt in heimischen Gewässern.“

Dass es auch viel zu sehen gibt, garantieren die Nordhäuser nicht nur durch ihre Unterwasserstadt. Sie sind ebenso Meister im Schiffe-Versenken. Drei Wracks liegen bereits auf Grund: die beiden Kajütboote Charlotte I und II und der Ostseekutter Charlotte III. „Sie heißen alle wie meine Frau“, stellt Wolfgang Tröger kurz klar und berichtet gleich von den Vorzügen des Wracks Nummer drei. Der 14 Meter lange Ostseekutter in 21 Meter Tiefe ist groß genug für Spezialtauchkurse im Wracktauchen. „Wie gehe ich in das Wrack rein? Wie lege ich die Schnur? Wie vermeide ich Panik in Gefahrensituationen? – All das wird trainiert“, erläutert der Tauchlehrer.

Am kommenden Samstag aber richtet sich die Aufmerksamkeit erst einmal auf das Geschehen über Wasser. Das Taucherzentrum öffnet die Türen für alle Besucher und Pastor Bernd Staege hält einen Gottesdienst mit Kirchweihe. „Es war die Idee eines passionierten Tauchers und Christen, die Kirche als echten sakralen Raum zu weihen, damit sie als Unterwasserandachtsraum ernst genommen wird“, erklärt der Pastor. Altar und Kreuz werden gesegnet, bevor alle Kirchenteile später, mittels Kran an ein Ponton gehängt, zur vorgesehenen Stelle geschwommen und abgesenkt werden.

Termin: Samstag, 10. August, 10 bis 15 Uhr Tag der offenen Tür,
gegen 11 Uhr Gottesdienst mit Kirchweihe und Bläserquintett

Mehr Infos auf der Internetseite des Tauchzentrums:
http://www.actionsport-nordhausen.de/


Tauchen nach Zahlen:

5 Kies-Seen sind durch den Kiesabbau in der Goldenen Aue entstanden. Zwei davon – der Sundhäuser See und der Möwensee – konnten sich zu Taucherzentren entwickeln.

5 Tauchplätze locken zum Abtauchen – drei Einstiege gibt es am Sundhäuser See, zwei am Möwensee.

22 Grad Celsius beträgt die Wassertemperatur des Sundhäuser Sees derzeit an der Oberfläche. In 15 Meter Tiefe sind es noch 12 Grad.

55 Hektar umfasst die Fläche des Sundhäuser Sees.

3 Schiffwracks bieten sich für Tauchgänge an – vom Kajütboot bis zum 14 Meter langen Ostseekutter.

10 Meter lang und 6 Meter hoch ist die Unterwasserkirche für Nordhusia.

4 Platten mit einer Größe von 5 mal 5 Metern und einem Gewicht von je 8 Tonnen bilden das Fundament für die Kirche im Schlick.
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2 Kommentare
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Susanne Hahn aus Erfurt | 07.08.2013 | 13:19  
3.760
Annett Deistung (HarzWusel) aus Nordhausen | 11.08.2013 | 18:08  
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