Stepptanz auf den Pedalen zur 46. ADAC-Roland-Rallye in Nordhausen

Wann? 23.04.2016

Wo? Petersberg, Petriturm, 99734 Nordhausen DE
Zeit zu driften: Johannes Heldt will so viel Speed wie möglich mit durch die Kurve nehmen.
 
Noch sitzen Fahrer Johannes Heldt und Co-Pilot Heiko Schmidt ohne Helm und Rennanzug im VW-Polo. Doch am Samstag geht es an den Start. Vor den Wertungsprüfungen der ADAC-Roland-Rallye werden sie – wie alle Teams – die Kurse langsam abfahren. Der Co-Pilot notiert sich markante Streckenmerkmale im sogenannten Aufschrieb, um sie später dem Piloten während des Rennens zuzurufen.
  Nordhausen: Petersberg |

Mehr als 100 Teams kämpfen am 23. April mit Drifts und Vollgas um Meter und Sekunden. Zum 46. Mal hebt sich die Startflagge für die ADAC-Roland-Rallye in und um Nordhausen. 171 Kilometer Rennstrecke hat der Nordhäuser MSC (Facebook) vorbereitet, die Hälfte davon führt über Schotterpisten. Zur Freude von Johannes Heldt und Heiko Schmidt. Die Lokalmatadoren lieben losen Untergrund und wollen unbedingt aufs Podest.

„600 Meter. Links 2. No cut!“ Die Ansage des Co-Piloten Heiko Schmidt ist kurz und klar. Fahrer ­Johannes Heldt vertraut ihm blind und geht in die Vollen. 600 Meter geradeaus – das reicht, um den VW-Polo auf Höchstgeschwindigkeit zu peitschen. Der Rallye-Fahrer will so viel Schwung wie möglich mitnehmen, hinein in die nächste Kurve. Jetzt, Sekunden bevor er sie erreicht, hat er durch den Zuruf „Links 2“ Richtung und Radius erfahren. Das Rallye-Team bedient sich einer Skala von 1 bis 5, um Kurven zu klassifizieren. Die 1 steht für Spitzkehre, die 5 für eine leichte Biegung. Bei einer 2er-Kurve geht’s also scharf um die Ecke. Nur leider verbietet die Angabe „No  cut!“ jedes Gedankenspiel, die Kurve zu schneiden. Zu groß wäre die Gefahr, im angrenzenden Graben zu landen: Zeitverlust, Autoschaden… Ende Gelände. Das aber will weder Pilot Johannes Heldt, noch Beifahrer Heiko Schmidt. Im Gegenteil. Das Rallye-Team, das für den Nordhäuser Motorsportclub (MSC) bei der 46. ADAC-Roland-Rallye startet, will in seiner Wertungs­klasse wieder einen Podestplatz ansteuern.

Improvisation und "Popometer"

Überrollkäfig, Rennsitze, Sicherheitszelle, ­Sportgetriebe und Spezialmotor – der VW Polo GTI von ­Johannes Heldt hat alles, was ein ­Rallyeauto braucht. „Aber nur 120 PS“, räumt der Kfz-Elektriker ein. „Damit fahren wir eines der schwächsten Autos im Starterfeld.“ Mehr als 150 Stunden­kilometer sind nicht drin durch die gewählte Getriebeübersetzung. Eine Langsamkeit, für die er sich ganz bewusst entschieden hat. „Das hilft uns in Kurvenkombinationen und beim Wechsel von Asphalt auf losen Untergrund.“ Wer nicht so rasant unterwegs ist, hat mehr Zeit zu improvisieren. "Es gab schon viele Aha-Momente, weil die Wege plötzlich extrem ausgefahren waren", erzählt Heldt. Auf unbefestigten Pfaden haben die Reifen wenig Grip. Um so mehr zählt fahrerisches Können und Gefühl. Er spürt, wenn die Richtung nicht stimmt, das Auto auszubrechen droht. In der Rennfahrersprache heißt das "Popometer".

In der Tat erweisen sich Heldt und Schmidt, die seit 2014 im Polo-Cockpit sitzen, als Schotter-Experten. Schon in ihrer ersten gemeinsamen Saison wirbelten sie beim bundesweiten Schotter-­Cup gehörig Staub auf, landeten auf Anhieb auf Platz fünf. 2015 gewannen sie noch einen Platz dazu, wurden Vierte von rund 70 teilnehmenden Teams.

Druck steigt vor heimischem Publikum

Auf diesem Kurs möchte das Duo mit Vollgas weiterfahren. „Leider hat uns ein platter Reifen den diesjährigen Cup-Auftakt in Witten­berg verpatzt“, bedauert Heldt. Verloren aber ist noch nichts. „Um so motivierter treten wir bei der Roland-Rallye an. Vor heimischem Publikum ist der Ehrgeiz besonders groß“, versichert der Lokalmatador. Dabei geht es nicht nur um die Meisterschaftpunkte. Vor allem möchten er und sein Co-Pilot bei der Heimatrallye erneut das Podest ­besteigen. Im vergangenen Jahr haben die beiden den Sieg in ihrer Wertungsklasse um nur eine einzige Sekunde verpasst.


Dieser Stadtkurs ist einzigartig

Mehr als 100 Teams haben sich für die 46. ADAC-Roland-­Rallye angemeldet. Sie kommen aus ganz Deutschland, aus Polen, Finnland und sogar aus Dubai, um am Südrand des Harzes ihre Drifts und Tricks zu zeigen. Es ist die Streckenkombination, die so anziehend wirkt, ist sich Rallye-Experte Alfred Gorny sicher. Der Organisator des Schotter-Cups und Streckensprecher verschiedener Rallyes kennt die Szene. „Die Roland-Rallye kann 50 Prozent Schotterpisten bieten. Diese Mischung – halb Asphalt, halb loser Untergrund – ist selten in Deutschland.“ Die Strecke durchs Nordhäuser Gehege bezeichnet er ganz und gar als einzigartig. „Es ist der einzige Stadtkurs, der ein Stück über nicht asphaltierte Wege führt. Und das vor einem tollen Publikum, das den Fahrern zujubelt. Die Teams lieben das.“ Wenn alles klappt, wird Alfred Gorny das Motorsport-Spektakel am Geiersberg moderieren.


Als käme die Kanzlerin in die Provinz

Das Starterfeld, das er ankündigen kann, ist absolut hochkarätig. "Große Zugnummern sind unsere beiden Finnen", freut sich Gorny. "Zum einen Jaakko Keskinen, der die Roland-Rallye schon dreimal gewonnen hat. Zum anderen Jari Latvala. Er ist der Vater des VW-Piloten und dreimaligen Vizeweltmeisters Jari-Matti Latvala. Am gleichen Tag, an dem der Vater in Nordhausen startet, fährt der Sohn um die Rallye-Weltmeisterschaft in Argentinien." Auch Vorjahressieger Rashid al Ketby aus Dubai hat sich wieder angekündigt. "Wahnsinn, dass ein Fahrer wie er, der eigentlich Rennen um die Weltmeisterschaft fährt, in Nordhausen antritt", schwärmt der Experte. "Das ist fast so, als würde Angela Merkel zum CDU-Ortsverband Haferungen kommen."

Fans, die große Staubwolken sehen wollen, sind an den Wertungsstrecken im Umland genau richtig – zum Beispiel zwischen Herreden und Hörningen oder an der Apostel­brücke in Niedergebra. „Die Strecken sind bestens vorbereitet“, zollt Fahrer Johannes Heldt den Organisatoren vom Nordhäuser MSC Anerkennung. Er fiebert dem Moment entgegen, in dem sich die Startflagge hebt. Kupplung, Gas, Bremse – der Stepptanz auf den Pedalen beginnt.


Programmhefte

gibt es ab Freitag (22.4.) 18 Uhr an den Total-Tankstellen in Ellrich und Nordhausen und am Samstag (ab 9.30 Uhr) auch im Rallyezentrum auf dem Petersberg

Zeiten:

- 10.30 Uhr: Öffnung Startpark auf dem Petersberg
- ab 12 Uhr: Start der Autos auf dem Petersberg. Die Fahrzeuge des Gleichmäßigkeitspokals starten nach dem Rallyefeld ca. 90 min später.
- ab ca. 13 Uhr: Show- und VIP-Fahrten mit dem Prorallye-Team Dobberkau
- Zielankunft ab etwa 17 Uhr auf dem Petersberg

Höhepunkte der 45. Roland-Rallye 2015
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