Tempo im Eiskanal: Wie aus dem Judoka Paul Krenz ein erfolgreicher Bobanschieber wurde

Bob-Anschieber Paul Krenz. (Foto: Atelier Veit)
 
Daumen hoch: Beim Europacup am Königssee fuhr Paul Krenz (links) und Pilot Christoph Hafer auf Platz zwei. Jetzt wollen die beiden auch bei der Junioren-WM in Altenberg auf das Podest. (Foto: privat)

Im Sommer kämpfte Paul Krenz noch als Judoka im Superschwergewicht in der 2. Bundesliga um Mannschaftspunkte. Im Herbst tauschte der 23-Jährige die Judomatte gegen den Eiskanal.



Der junge Mann aus Heringen in Nordthüringen wusste bei einer Sichtung zum Bob-Anschieber in Oberhof zu überzeugen. Landestrainer Frank Jacob sah in dem jungen Südharzer trotz unsauberer Technik beim Anschieben viel Potenzial. Seitdem lebt und trainiert Krenz im Thüringer Wintersportzentrum. Der Quereinsteiger überzeugte nicht nur Jacob mit starken Startzeiten, sondern auch Europacup-Trainer Matthias Höpfner.

Im Interview mit Sandra Arm spricht der Lehramtsstudent über sein Debüt im Europacup, seine erste Saison und seinen Start bei der Junioren-WM am 14. Februar in Altenberg.

Wie schwer fiel die Umstellung vom Judoka zum Bob-Anschieber?
Durch die Kraft und Schnelligkeit vom Judosport fiel mir die Umstellung nicht allzu schwer. Gewöhnen musste ich mich an die Anzahl der Trainingseinheiten. Zuvor trainierte ich einmal pro Tag. In der Vorbereitung auf die Bobsaison stieg die Zahl auf zwei Einheiten pro Tag.

Was war für Sie dabei die größte Herausforderung?
Ein Großteil der Anschieber kommt aus der Leichtathletik. Mir fehlte die Lauftechnik, die beim Anschieben des Bobs am Start enorm wichtig ist. Meinen Laufstil zu verbessern, das war für mich eine große Herausforderung. Daran habe ich mit meinem Trainer Frank Jacob intensiv gearbeitet.

Durch Ihre starken Startzeiten gaben Sie Anfang Dezember ihr Debüt in der zweiten Bob-Liga, im Europacup. Mit welchen Gefühlen sind Sie ins französische La Plagne gereist?
Als mich der leitende Trainer Matthias Höpfner anrief, war ich total erfreut. Es war ein absoluter Glücksmoment, der es mir ermöglichte, mein Können unter Beweis zu stellen.

"Meinen Laufstil zu verbessern, war für mich die größte Herausforderung als Bob-Anschieber."



Gibt es ein Ritual, welches Sie vor den Rennen pflegen?
Ich habe ein Foto meiner Tochter an der Innenseite des Bobs befestigt. Bevor der Lauf startet, schaue ich mir das Bild an und streichle meine Kleine mit den Worten „Wünsch mir Glück, mein kleiner Sonnenschein.“ Bisher hat das immer super funktioniert. Weiterhin laufe ich mich vor jedem Rennen mit meinem Glücksbringer, einer roten Mütze, warm.

International schieben Sie für Pilot Christoph Hafer an. Wie kam die ­Zusammenarbeit zustande?
Beim Europacup sind wir am zweiten Trainingstag miteinander gefahren. Der schnelle Start überzeugte die Trainer und sie beschlossen unseren gemeinsame Einsatz bei der Jugend-WM.

Ihr Saison-Debüt verlief mit drei Podestplätzen im Europacup sowie Rang drei in der Gesamtwertung mehr als vielversprechend. Mit welchen Zielen fahren Sie zu den Junioren-Weltmeisterschaften nach Altenberg?
Die Konkurrenz ist sehr stark. Mit Richard Oelsner kommt sie aus dem eigenen Lager. Noch dazu ist es seine Heimbahn. Unser Ziel ist eine Platzierung unter den ersten Drei. Die positiven Ergebnisse aus dem Europacup geben uns Zuversicht. Zudem ist Christoph ein erfahrener Pilot.

Worauf wird es in den Rennen ankommen, um das Ziel zu erreichen?
Die Bahn in Altenberg verfügt über eine ungewöhnlich lange Startstrecke. Umso wichtiger ist es, gut zu starten, um sich eine gute Ausgangsposition für die Läufe zu verschaffen. Eine der Schlüsselstellen ist der Kreisel, in dem man viele Fehler machen kann.

Wie sah die Vorbereitung auf Ihren Saison-Höhepunkt aus?
Unter Absprache der Trainer haben Christoph und ich uns jeder an seinem Stützpunkt auf den Saison-Höhepunkt vorbereitet. Ich habe noch einmal hart trainiert, bin auf die Startbahn gegangen, habe Krafteinheiten absolviert und war im Laufkanal.

Zur Sache:

Erfolge im Zweierbob Saison 2014 / 2015:
• Deutsche Meisterschaften Winterberg: 10. Platz
• Deutsche Junioren-Meisterschaften Altenberg: 5. Platz
• Gesamtwertung Europacup: 3. Platz (La Plagne: 4. und 5. Platz; Königssee: 2. Platz; St. Moritz: 3. Platz; Winterberg: 3. Platz)
• Termin: Junioren-WM in Altenberg: Rennen am 14. Februar, 14 Uhr
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