Blitzstart von 0 auf 100 - IFA-Museum fand Domizil im einstigen Kulturhaus

Hans-Joachim Port, Helmut Peter und Udo Kürbis (v.l.) vom Vereinsvorstand vor dem künftigen IFA-Museum.
  Nordhausen: IFA-Museum | Rund 40 Pferdestärken brachten die "alten Herren" schon auf den Asphalt, wenn sie als "Pionier" oder "Famulus" Hänger und Maschinen zogen. Noch mehr Zugkraft zeigten nun ihre Bewahrer vom IFA-Museum Nordhausen am Harz e.V. Denn nach jahrelanger Suche und etlichen Stolpersteinen bogen sie mit dem IFA-Kulturhaus als neuem Domizil mit Höchstgeschwindigkeit in die Zielgerade ein.

Binnen kürzester Zeit wurde an historischer Stätte der Grundstein für ein IFA-Museum gelegt, das den einstigen Stolz der Nordhäuser der Nachwelt für immer bewahren soll: unverfälscht und authentisch, von den Leuten, die die IFA einst selbst lebten! 60 Alt-IFA-raner sind schon im Verein, die doppelte Anzahl fragte schon an.

"20 Jahre sind seit dem Ende eines der größten Nordhäuser Industrieunternehmen vergangen, aber das Interesse an der Bewahrung der IFA-Geschichte ist auch eine Generation nach dem AUS noch riesig", freute sich Vereinsvorsitzender Helmut Peter, der den Karren als spendables Zugpferd mit in Gang gesetzt hatte. Gemeinsam mit ehemaligen IFA-Männern hatte er aus der Vision ein greifbares Projekt entwickelt, das mit der Vielfalt der Umsetzungsideen und den vielen bewahrten Zeugnissen und Relikten eine ungeahnte Dynamik erfuhr.

Seit etwa einem Jahr hat der Verein, der sich aus einer Interessengruppe gründete, im "blauen Wunder" der IFA seinen monatlichen Stammtisch. Hier beraten die "Alten" darüber, wo Schätze verborgen sind, wie man sie heben und aufpolieren kann. 10 000 Euro kostete der Anschub des Museums. Nicht genannt ist die Summe der Scheine, die in Form von Logistik, Material und Zeitaufwand ganz nebenbei die Geburtsstätte des Museums im einstigen IFA-Kulturhaus bereitete.

Doch eine Zahl steht: 100 000. Diesen Etat nennt der achtköpfige Vorstand für die Betreibung eines Industriemuseums für Nordhausen, zu dem das IFA-Museum nach zweijähriger Anschubphase erwachsen könnte, als erforderlich. Nötig ist das Geld für Miete, Betriebs- und Nebenkosten, laufenden Unterhalt, vier Mitarbeiter und das Marketing. Die Idee geht eigentlich schon weiter, denn außer 15 Traktoren, 26 funktionierenden Motoren in Querschnitten und vielen IFA-Dokumenten von Planungsskizzen über Montagetechnologien bis hin zu Wort- und Bilddokumenten könnte das Museum künftig auch andere Ausstellungsstücke beherbergen und zu einem Industriemuseum für Nordhausen erwachsen. "Schließlich verdienen es auch einstige Großbetriebe wie NOBAS, RFT, TABAK oder THEMA DER WOCHE Polygraph, für ihre Hinterlassenschaften einen würdigen Museumsplatz in Nordhausen zu finden", unterstrich Hans-Joachim Port vom Vereinsvorstand. Er sieht im Museum Tabakspeicher langfristig nicht die geeignete Kulisse für die Bewahrung der Nordhäuser Industriegeschichte.

Materielle Werte von rund 500 000 Euro hat der Verein mit den vielen Fahrzeugen, gesicherten Anlagen, Werkzeugen und Dokumenten geschaffen. Unermesslich ist der ideelle Wert. Deshalb hoffen viele der einst knapp 4000 IFA-Leute auf Spenden und Sponsoren und auch auf die Unterstützung der Stadt. Ihr Kulturamt half jetzt schon bei der Erstellung einer Konzeption. "Dieses Museum ist keine Privatgeschichte, kein Spiel großer Männer mit alten Traktoren, sondern es ist eine Verpflichtung gegenüber den Menschen, die durch ihre Arbeit Nordhausens Ruf über Generationen in die Welt getragen haben. Alles, was bewahrenswert ist, muss für die Nachwelt erhalten werden", fordern Hans- Joachim Port, Helmut Peter und Udo Kürbis im Namen des Vereins und vieler Sympathisanten.

Vieles, was von der LEG und dem Landratsamt gerettet und verwahrt wurde, ist inzwischen archiviert und aufgearbeitet. Und vieles ist jetzt in den Händen fleißiger Bürger, die als AgH-Kräfte in ihre Branchen zurückkehren und beispielsweise als "Metaller" Traktoren und Triebwerke zerlegen, aufarbeiten, Ersatzteile reparieren oder neu fertigen. Alles wird auf den damaligen Serienstand gebracht und künftig auf 1400 Quadratmetern ausgestellt. Dass alles fachgerecht be- und aufgearbeitet wird, ist Ehrensache. Vereinsmitglieder haben ein Auge auf die Arbeit, die sie vor 30, 40 oder 50 Jahren selbst verrichteten.

Wann werden sich die Museumstüren für Besucher öffnen? - "Wir rechnen mit Sommerende", stellt Helmut Peter in Aussicht. "Und es liegt uns am Herzen, dass wir keine Konkurrenz zu Traktoren-Vereinen oder Lanz-Bulldog-Clubs sind! Wir wollen der IFA ein Denkmal setzen. - Nicht mehr und nicht weniger!"

Kontaktadresse:
IFA-Museum - Nordhausen am Harz e.V.
Ansprechpartner: Eberhard Strehler, Telefon: 03631/88 12 43
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