Drei neue Schätze

Dietmar Tausendfreund holte den 800 kg schweren Common-Rail-Dieselmotor MN 106 CR nach Nordhausen. Bis 20. Juli st er im IFA-Museum ausgestellt.
Nordhausen: IFA-Museum | Panzermotor, CR-Dieselmotor und Hausmann-Traktor bereichern das IFA-Museum Nordhausen

von Heidrun Fischer

NORDHAUSEN. Zog es zur Eröffnung am 11.9.2011 schon über 2.500 IFA-Begeisterte in die große Ausstellungshalle des neuen IFA-Museums, so wurde dies nach dem Zieleinlauf der ADAC-Opel-Classic-Rallye am 18. Mai 2012 erneut zum Magnet für abertausende Motorenfans und Besucher. Mit drei neuen Schätzen begeistert derzeit das IFA-Museum, das die Lok-, Traktoren- und Motorenproduktion der vergangenen 100 Jahre darstellt.

Schatz Nummer eins ist der "Common Rail"-Dieselmotor MN 106 CR. Es war genau dieser Dieselmotor aus Nordhausen, der es weltweit als erster Motor mit "Common Rail" bis zur Straßenerprobung schaffte. Das Versuchsfahrzeug, ein Lkw W50, startete am 16. Mai 1985 im heutigen Chemnitz. 17 000 Straßen- Kilometer absolvierte er mit besten Ergebnissen. Diesen Motor können Besucher noch bis zum 20. Juli im Foyer des IFA-Museums besichtigen.
DDR-Wirtschaftsboss Günter Mittag hatte die CR-Entwicklung 1986 mit der Begründung gestoppt: "Brauchen wir nicht!” Anders dachte zum Glück der damalige Projektleiter Dr. Klaus Matthees, der den MN 106 CR vor der Verschrottung rettete.


Auch das dunkelste Kapitel deutscher Geschichte ging nicht an der IFA vorbei. Aus Archiven und Zeitzeugengesprächen erfuhren die Museumsbegründer, dass 1943 mit der Verlagerung der Maybach-Panzermotorenproduktion von Friedrichshafen nach Nordhausen auch die IFA (damals Maschinenund Bahnbedarf AG) zum Rüstungsbetrieb wurde.
In einer Barackenstadt am heutigen Standort der AGIP-Tankstelle hatte man 1200 sogenannte "Fremdarbeiter” untergebracht. Sie teilten ihr Schicksal mit Millionen Menschen aus den eroberten Ländern, die zwangsweise nach Deutschland verbracht worden waren. Diese 1200 Zwangsarbeiter fertigten zusammen mit nur 500 Mann MBA-Stammbelegschaft die 12-Zylinder-Maybachmotoren mit 220 und 300 PS. Als ständige Leihgabe des Militärmuseums Dresden holte Eberhard Strehler einen solchen Panzermotor nach Nordhausen.

Dritter musealer Schatz ist ein Hausmann-Traktor, benannt nach dem IFA-Chefkonstrukteur Werner Hausmann (1958 bis 1964). Der "Hausmann” gilt als Prototyp eines Traktors mit Tunnelmotor in Alu-Leichtbauweise. Diese Neuheit im Motorenbau konnte sich jedoch im Traktorenbau nicht durchsetzen. Der "Hausmann” wurde daher nie in Serie produziert. "Wir sind stolz auf diese drei Neuheiten”, unterstreicht Dr. Werner Steinmetz, einstiger IFA-Forschungsleiter. Sie spiegeln einerseits die Innovationsfreudigkeit des Nordhäuser Motorenbaus wider, zeigen andererseits aber auch, wie eng Entwicklungserfolg und Chancen der Serienproduktion mit den gesellschaftlichen Gegebenheiten verknüpft waren.

IFA-Museum, Montaniastraße 13, 99734 Nordhausen;
geöffnet:
Dienstag und Donnerstag: 10 - 17 Uhr;
2.+4. Samstag im Monat: 10 - 16 Uhr;
Kontakt: 03631/4 79 15 43; www.ifa-museum-nordhausen.de
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige
Anzeige