Exkursion im Karst: Karstwanderweg erhält Naturparkpreis 2014

An den Hörninger Sattelköpfen öffnet sich der Blick auf die Harzberge. Es ist einer der Lieblingsplätze von Andreas Heise, Vorsitzender des Fördervereins Karstwanderweg Landkreis Nordhausen. Wie überall auf dem Weg gibt es auch hier das weiße Gipsgestein, das in der Sonne leuchtet.

Wandern vor der Haustür ist öde? Von wegen! Auf dem Karstwanderweg im Landkreis Nordhausen gibt es viel zu entdecken. Unterwegs mit Kreiswegewart Andreas Heise

Die Harzberge erheben sich am Horizont. Ein Habicht gleitet durch die Luft. Schafe grasen auf dem Trockenrasen. Hier oben auf den Hörninger Sattelköpfen – einer markanten Station des Karstwanderweges – lässt sich die Natur genießen. „Ist das nicht herrlich?“, fragt Andreas Heise. Und bekommt als Antwort prompt ein „Ja“.

 Das freut den Vorsitzenden jenes Vereins, der den Karstwanderweg im Landkreis Nordhausen fördert. Denn genau das ist sein Ziel: die Menschen für den Südharz zu begeistern. „Sie sollen nicht nur sagen, in Bayern oder in Tirol ist es schön, sondern auch die Augen für die Heimat öffnen“, wünscht sich Andreas Heise. Der Karstwanderweg bietet dafür beste Bedingungen. Im Harzer Naturparkwettbewerb setzte sich der Themenweg jetzt gegen mehr als 20 Mitbewerber durch und erhielt den Naturparkpreis 2014.

Was aber macht den Karst so einzigartig? Die Ursache liegt in der Zechsteinzeit. Vor rund 240 Millionen Jahren erstreckte sich hier, wo heute Wiesen und Wälder sind, ein warmes, flaches Meer. Das Meer ist verschwunden, aber die Ablagerungen – weißer Gips und Anhydrit – sind geblieben. „Diese Gesteine sind extrem wasserlöslich“, betont Andreas Heise. „So formt sich die Landschaft immer wieder neu. In jedem Liter Regen- oder Grundwasser lösen sich zwei Gramm Gips.“ Kein Wunder also, dass mancher Bach versickert und nur der trockene Bachlauf bleibt – die sogenannte Bachschwinde. Wasser fließt im Untergrund, wäscht den Gips aus, trägt ihn fort. Höhlen entstehen und stürzen ein, lassen Dolinen und Erdfälle zurück. An anderer Stelle sprudelt das Wasser als Karstquelle wieder ans Licht oder erhebt sich weißes Felsgestein.

Alle diese Naturphänomene sind entlang des Karstwanderweges zu sehen. Der Wanderer muss nur der Markierung mit dem „K“ folgen. „Allein in unserem Landkreis ¬erläutern rund 60 Schautafeln Geologie und Landschaft, Flora und Fauna“, berichtet Andreas Heise. Gegenwärtig setzen die knapp 30 Mitglieder des Fördervereins alles daran, das Zertifikat „Qualitätsweg Wanderbares Deutschland“ zu verteidigen. Die strengen Prüfkriterien haben die Südharzer, die eng mit den Harzer Zweigklubvereinen zusammenarbeiten, schon einmal erfüllt. Auch diesmal ist der Vereinschef zuversichtlich. „Etwa die Hälfte der Strecke führt über naturnahe Wege, größtenteils über Wiesen und Waldwege“, nennt er ein erfülltes Kriterium.

Apropos Grün. Das ist ein besonderes Charakteristikum der Südharzer Karstlandschaft. Sie ist bewaldet und von Weiden, Trockenrasen und Äckern bedeckt – im Gegensatz zu vielen kargen, vegetationsfreien Karstgebieten weltweit. „Es lohnt, sich auf den Weg zu machen“, lockt Andreas Heise, der zugleich Kreiswegewart ist.

Hintergrund

Der 233 km lange Karstwanderweg von Pölsfeld bis Förste verbindet die Landkreise Mansfeld-Südharz (Sachsen-Anhalt), Nordhausen (Thüringen) und Osterode (Niedersachsen).
• 53 km führen durch den Landkreis Nordhausen.
• Etwa 200 Schautafeln informieren am Wegesrand, 60 davon im Landkreis Nordhausen.
• Beliebt sind die geführten Sonntagswanderungen. Themen und Termine unter
www.karstwanderweg.de.
• Wanderkarten gibt es in der Touristinformation Nordhausen und in der Mobilitätszentrale am Bahnhof.
• Drei Karst-Wanderungen gibt es auch zum 114. Deutschen Wandertag im August. Infos: www.deutscher-wandertag-2014.de
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